Die Stimme Kroatiens

20:17 / 07.02.2022.

Autor: Dana Jungbluth

Germanistik-Studium in Zagreb

Screenshot Online-Vorlesung

Screenshot Online-Vorlesung

Foto: Irena Petrušić-Hluchý / Privatarchiv

Mit zehn sehr engagierten Studenten und ihrer Lektorin haben wir über das Germanistik-Studium an der Philosophischen Fakultät in Zagreb gesprochen, sowie über Besonderheiten und Wünsche. Die jungen Sprachtalente widmen sich der deutschen Sprache nicht bloß im Studium, sondern spürbar mit ganzem Herzen. Erfahren Sie hier mehr über die Studenten, Ihre Beweggründe für das Erlernen der deutschen Sprache und das Studium in Zagreb.


Persönliche Vorstellung der Germanistik-Studenten und ihrer Lektorin der Philosophischen Fakultät Zagreb

1. Können Sie uns etwas über das Germanistik-Studium in Zagreb erzählen?

Antonela Tomić: „Es ist eines der schwersten Studienfächer überhaupt. Du musst sehr viel arbeiten und sehr viel lernen, wenn du deine Ziele erreichen willst. Aber es ist auch eines der schönsten und der besten (Studienfächer). Ich habe so viele tolle Leute kennengelernt, so viele Professoren, die mich bewogen haben, mich mehr zu engagieren, mehr zu lernen und mehr aus mir zu machen. Ich bin sehr glücklich, hier zu sein und dass ich das Germanistik-Studium gewählt habe.“

2. Warum würden Sie jemandem das Germanistik-Studium in Zagreb empfehlen?

Robert Andreas Frano Haupt: „Ich glaube, dass der Studienplan sehr gut organisiert ist. Man hat eine große Auswahl an Wahlfächern, die in der Regel auch interessant sind. Die Professoren und Lektoren weiß ich auch zu schätzen. Sie geben sich viel Mühe, um den Unterricht informationsreich zu machen und sie helfen immer gerne, wenn man etwas braucht oder nicht versteht. In der Abteilung für Germanistik gilt wirklich der Spruch „ohne Fleiß kein Preis“. Wer sich Mühe gibt, wird hier keine Probleme haben.“

3. Welche Medien nutzen Sie zur Perfektionierung Ihrer Deutschkenntnisse und warum?

Ivana Špoljar: „Um mein Deutsch und meine Aussprache zu verbessern, schaue ich mir deutsche Filme und Serien an. Als ich klein war, habe ich auch Zeichentrickfilme gemocht. Ich würde das wirklich den Lernenden empfehlen. Jetzt lese ich sehr viel. Ich mag deutsche Zeitschriften und Zeitungen wie Die Zeit, Der Spiegel, Die Welt, aber auch sympathische Frauenzeitschriften wie Brigitte oder Freundin. Als Jugendliche habe ich natürlich immer die Bravo gelesen. Die deutsche Ausgabe von Glas Hrvatske, oder die Stimme Kroatiens, finde ich auch sehr hilfreich. Musik spielt auch eine sehr wichtige Rolle. Das sollen aber Lieder sein, deren Texte verständlich und langsam ausgesprochen sind.“

4. Erzählen Sie uns von Ihrem letzten Aufenthalt in der D/A/CH-Region.

Adriana Ɖugum: „Mein letzter Aufenthalt in Deutschland war vor ca. einem Monat. Ich war zu Weihnachten und zu Silvester in Hamburg. Und da konnte ich ein bisschen Zeit mit meiner Familie in Deutschland verbringen, was natürlich auch immer super spannend ist. Die Kultur ist ein bisschen anders und ich mag es immer, wenn ich die Gelegenheit habe, die deutsche Sprache auch wirklich in Deutschland zu sprechen. Vor dem (Aufenthalt in Deutschland) war ich auch für ein paar Wochen unterwegs, und zwar in München, Wien und Graz. Was mir auch immer sehr komisch ist, ist, wie die Sprache in Österreich und Bayern anders ist als im Norden Deutschlands. Ich mag die unterschiedlichen Varianten der deutschen Sprache und wie die Kultur auch anders ist.“

5. Was planen Sie nach dem Studium?

Robert Sokač: „Mein großer Wunsch nach dem Studium ist, Deutschlehrer zu werden. Das war schon immer mein Traum, denn ich verknüpfe viele positive Dinge mit dem Deutschunterricht und ich kann mich gut daran erinnern, wieviel Spaß das allen gemacht hat. Deswegen möchte ich gerne solch eine positive Atmosphäre für meine zukünftigen Schüler schaffen. Und wer weiß, vielleicht verlieben sie sich in die Sprache und machen etwas damit später im Leben.“

6. Welche deutschen und kroatischen Wörter sind für Nicht-Muttersprachler unmöglich auszusprechen?

Petra Porubić: „Es gibt keinen Deutschen, der „čačkalica“, „ljuljačka“ oder „ćevapčići“ beim ersten Mal reibungslos aussprechen kann. Doch die echten Zungenbrecher für uns sind „Sonnenblumenkernbrötchen“, „Quietscheentchen“ und „tschechisches Streichholzschächtelchen“. Versuchen Sie dieses Wort dreimal schnell hintereinander zu sagen – unmöglich.“

7. Welches ist Ihr deutsches Lieblingsgedicht?

Iskra Galzina: „Mein liebster Autor aller Zeiten ist Hermann Hesse. Ich mag seine Werke wie „Der Steppenwolf“, „Demian“, „Siddhartha“… mein Lieblingsgedicht von ihm ist „Soirée“.

8. Was fasziniert Sie an der deutschen Sprache?

Lovro Fegeš: „Ich finde es interessant, dass in der deutschen Sprache das Verb am Ende eines Satzes steht. Unzählige Male befand ich mich in einer Situation, in der ich begann zu sprechen und mir einen Satz ausdachte und sobald ich das Ende erreicht hatte, herrschte Stille. Es passiert mir auch, dass ich nicht weiß, was ich antworten soll. Also fange ich mit dem Subjekt und dem Objekt an und hoffe, dass ich bis zum Ende des Satzes schon herausgefunden habe, was ich überhaupt sagen wollte. Die Deutschen reden und reden und bauen das Verb ganz am Ende des Satzes ein, als ob sie es die ganze Zeit vor ihrem Gesprächspartner verstecken und darauf warten, dass es an die Reihe kommt. Ich schlage vor, dass wir von nun an Sätze mit Verben einleiten. Das würde uns allen, die ständig auf der Suche nach Verben sind, das Leben viel leichter machen.“

9. Wie empfinden Sie das Gendern in deutschen Texten?

Jozo Akrap: „Es geht auf jeden Fall um ein heikles Thema, aber ich bin der Meinung, dass die Sprache niemanden beleidigen oder kränken sollte. Falls das der Fall ist, sollte die Sprache auch verändert werden. Alles auf dieser Welt, auch die Sprache, ist veränderungsfähig. Falls ein Sternchen oder ein Binnen-I jemandem etwas bedeutet, sollte niemand dagegenwirken. Aber es geht auch darum, dass es so viele Arten von Genderzeichen gibt und das kann natürlich für manche verwirrend sein. Es sollte sich auf jeden Fall um eine geregelte Angelegenheit handeln. Der ständige Sprachwandel ist unvermeidbar, was eigentlich von allen akzeptiert werden sollte.“

10. Warum sollte jemand Deutsch lernen?

Ana Mihaela Velički: „Ich würde sagen, dass man Deutsch wirklich lernen sollte. Deutsch ist meiner Meinung nach eine wirklich sehr schöne Sprache und Deutschland ist ein sehr sehr schönes Land. Trotz aller Stereotypen denke ich, dass die Deutschen sehr nette Leute sind. Und wenn man sich in diese Sprache und Kultur vertieft, kann man sehr angenehm überrascht werden. Mich fasziniert bei der deutschen Sprache, wie gut strukturiert sie ist, wieviel Sinn sie macht. Alles ist sehr logisch, genau wie die deutsche Kultur. Und ich denke, man kann Vieles über sich selbst herausfinden, wenn man Deutsch lernt.“

11. Welche Voraussetzungen sollte ein Bewerber für das Germanistik-Studium in Zagreb erfüllen?

Irena Petrušić-Hluchý: „Die angehenden Studierenden sollten äußerst kommunikativ, lernwillig und fleißig sein. Das ist sehr wichtig. Im Germanistik-Studium beschäftigt man sich in erster Linie mit der deutschen Sprache und der deutschsprachigen Literatur. Man sollte aber auch ein Verständnis für die Grammatik aufbringen, denn in den Sprachübungen wird viel Grammatik behandelt. Generell würde ich aber sagen, dass einem der Umgang mit der deutschen Sprache Spaß machen sollte und man auch unbedingt gerne lesen sollte. Für ein erfolgreiches Germanistik-Studium ist es wichtig, motiviert zu bleiben bis zum Schluss. Dazu gehört viel Selbstdisziplin. Meine Devise lautet: Ohne Fleiß kein Preis!“


Hören Sie nachfolgend die vollständigen Antworten des Interviews, u.a. mit dem Vortrag des Gedichts von Hermann Hesse. Das komplette Interview zum Anhören finden Sie in unserem Magazin.

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