Die Tradition des „Sicanja“, eines für katholische Frauen aus Bosnien und Herzegowina charakteristischen Brauchs der Hauttätowierung, wird im Buch „Sicanje“ vorgestellt. Das Buch enthält 24 Zeugnisse von Frauen, die diesen Brauch von ihren Müttern und Großmüttern übernommen haben. Die Präsentation des Buches findet am 6. September im Kulturzentrum Dom kulture Prozor statt.
Eine der 24 Frauen, deren Zeugnis im Buch festgehalten wurde, ist Mara Bojić. Ihre erste Sicanje-Tätowierung erhielt sie im Alter von sieben Jahren, die letzte mit zehn Jahren. Damit war sie die vierte Generation von Frauen in ihrer Familie, die diese Tradition fortführte.
Wie sie berichtet, wurde ihr erst Jahre später, im Religionsunterricht, bewusst, dass die Zeichen auf ihrer Haut ihre Zugehörigkeit zur kroatischen und katholischen Identität symbolisierten.
„Sicanje drang bis in die Knochen vor“, erzählte Mara.
Das Buch wurde von Marija Maračić und Josipa Karača herausgegeben. Im Sommer 2019 dokumentierten sie die Zeugnisse von Frauen über einen Brauch, der über Generationen hinweg mit Glauben, Zugehörigkeit und der Bewahrung der eigenen Identität verbunden war.
Die Autorinnen leben heute in Cleveland und Österreich. Das Buch entstand auch aus ihrer persönlichen Verbundenheit mit Bosnien und Herzegowina.
„Mein größtes Anliegen ist es, Raum für Frauen zu schaffen, deren Geschichten niemals vergessen werden sollten. Für Frauen, die diese Tradition in stillen, alltäglichen Momenten lebendig hielten, auch wenn die Geschichte sie nur selten beim Namen nennt“, betonte Maračić.
Die Autorin Marija Maračić stammt aus Kraljeva Sutjeska bei Kakanj und lebt heute in Cleveland, wo sie 2016 ihr Masterstudium der Kunstgeschichte abschloss.
Sicanje, also die traditionelle Tätowierung der Haut durch Einstiche mit einer Nadel und das Einbringen einer dunklen Mischung, wurde hauptsächlich an Mädchen und Frauen durchgeführt. Die Motive standen dabei in Verbindung mit christlichen Symbolen und der eigenen Identität.
Der Brauch ist insbesondere mit den Gebieten Zentralbosniens und Teilen der Herzegowina verbunden.
Das Buch enthält die Zeugnisse in kroatischer Sprache sowie Übersetzungen ins Englische und Deutsche. Damit richtet es sich auch an die kroatische Diaspora, insbesondere an die zweite und dritte Generation, die die Tradition ihrer Vorfahren durch Familiengeschichten kennenlernt.
Quelle:HINA