Die Stimme Kroatiens

14:23 / 16.09.2026.

Autor: Antunela Rajič

Wird sich der kroatische Tourismus verändern müssen?

Dubrovnik
Dubrovnik
Foto: -- / Shutterstock

Temperaturen von bis zu 40 Grad, Quallen, invasive tropische Arten und immer weniger heimische Fische: Die Adria verändert sich langsam. Fachleute warnen, dass bei einer Fortsetzung der aktuellen Entwicklung in einigen Jahrzehnten ein «relativ leeres Meer» mit deutlich mehr unerwünschten Arten entstehen könnte.

Hinter uns liegt ein weiterer heisser Sommer. Der Klimawandel verändert damit auch das, was für Kroatien seit Jahrzehnten zu den wichtigsten touristischen Trümpfen gehört: Sonne und Meer. Auch in diesem Sommer stiegen die Temperaturen auf bis zu 40 Grad. Gleichzeitig wurden im Meer Quallen, gallertartige Organismen und invasive tropische Arten beobachtet.


Währenddessen gibt es immer weniger heimische Fische. Grosse Hotelbetriebe servieren deshalb häufig importierten Fisch. Dadurch geht ein Teil der Authentizität des touristischen Angebots verloren – während sich die beiden wichtigsten Trümpfe Kroatiens, Sonne und Meer, dauerhaft verändern. «Daran ist der Mensch schuld, das ist völlig klar. Wir haben sehr viele Einträge von Abwässern», warnt Martin Pfannkuchen, Leiter des Labors für evolutionäre Ökologie am Zentrum für Meeresforschung in Rovinj.


 Besonders betroffen ist die nördliche Adria, die auch durch Industrieabwässer aus dem Fluss Po beeinflusst wird. Doch auch der Tourismus hat Auswirkungen. 

«Wenn man zehnmal mehr Menschen hat, hat man auch zehnmal mehr Einfluss – das ist klar», erklären Fachleute.


Nach einem Bericht der Europäischen Umweltagentur ist Kroatien bei der Qualität der Badegewässer vom dritten auf den fünften Platz zurückgefallen. Die Bedingungen in der Adria ähneln zunehmend jenen tropischer Meere. Es tauchen nicht nur neue Arten auf, sondern auch potenziell gefährliche tropische Mikroorganismen. Die höheren Wassertemperaturen begünstigen zudem das Wachstum von Bakterien. 

Damit stellt sich die Frage, was die Adria erwartet, wenn sich die aktuellen Entwicklungen fortsetzen. 

«Wenn es so weitergeht wie bisher, werden wir ein relativ leeres Meer haben und deutlich mehr Dinge im Meer, die uns stören», warnen Fachleute.


Die Veränderungen im Meer werfen gleichzeitig Fragen zur Zukunft des kroatischen Tourismus auf, der sich in hohem Masse auf Sonne und Meer stützt. Aljoša Vitasović vom Lehrstuhl für Tourismus der Juraj-Dobrila-Universität in Pula ist der Ansicht, dass der Klimawandel die touristischen Besucherzahlen im Juli und August nicht einfach verschwinden lassen wird.


Er weist jedoch darauf hin, dass Sonne und Meer derzeit das wichtigste Motiv für eine Reise nach Kroatien sind. Deshalb müsse das touristische Modell weiterentwickelt werden.

«Das Hauptmotiv sollte nicht mehr Sonne und Meer sein. Wir sollten einen Mehrwert schaffen oder, noch besser, einen neuen Wert», sagt Vitasović.


Der Klimawandel könne, so Vitasović, auch ein Anstoss dafür sein, dass der kroatische Tourismus weniger von der Saisonabhängigkeit abhängig wird.  Touristen, die der grössten Sommerhitze ausweichen können und nicht an die Schulferien gebunden sind, wählen für ihren Urlaub immer häufiger den September. 

«Weil die Temperaturen angenehmer sind und es weniger Touristen gibt. Auch Rochen und Quallen gibt es im September nicht, das gefällt uns ebenfalls», sagt Matea aus Nova Gradiška.


Es bleibt die Hoffnung, dass dies auch künftig so bleibt und sich die negativen Auswirkungen des Klimawandels noch reduzieren und verlangsamen lassen.


Bevor es zu spät ist.

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