Die Stimme Kroatiens

19:21 / 16.09.2026.

Autor: Antunela Rajič

Gerard Stantić – 150 Jahre seit der Geburt eines Mannes, der bis heute in den Herzen der Gläubigen lebt

Grab von Pater Gerard in der Karmelitenkirche in Sombor
Grab von Pater Gerard in der Karmelitenkirche in Sombor
Foto: Zavod za kulturu vojvođanskih Hrvata / Glas Hrvatske

Am 16. September 2026 jährt sich die Geburt von Pater Gerard Tomo Stantić zum 150. Mal. Der Karmelit wurde 1876 in Đurđin bei Subotica in einer kroatischen Familie bunjewatzischer Herkunft geboren. Er gilt als einziger Kandidat für eine Selig- und Heiligsprechung aus dem Gebiet der Diözese Subotica.



Fast ein halbes Jahrhundert war Pater Gerard mit Sombor verbunden. Dort widmete er sich insbesondere der Seelsorge, der Betreuung kranker Menschen und der Beichte. Wegen seines engagierten Wirkens und seiner tiefen Spiritualität wurde er nach seinem Tod vom Volk als „Heiliger von Sombor“ bezeichnet.


Gerard Tomo Stantić wurde am 16. September 1876 in Đurđin bei Subotica geboren. Nach der Grundschule besuchte er das Gymnasium in Subotica und später das Priesterseminar in Kalocsa. Dort reifte sein Entschluss, dem Karmelitenorden beizutreten.


1896 begann er sein Noviziat bei den Karmeliten in Graz und erhielt den Ordensnamen Gerard vom heiligen König Stephan. Nach seiner Ausbildung in Győr wurde er am 29. Juni 1902 zum Priester geweiht.


Nach seiner Rückkehr nach Bačka kam Pater Gerard in die Karmelitengemeinschaft nach Sombor. Er sprach Kroatisch, Ungarisch und Deutsch und wirkte in einer mehrsprachigen und multinationalen Gemeinschaft.


Besonders kümmerte er sich um kranke und sterbende Menschen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit war er bereit, sie zu besuchen und ihnen die Sakramente zu spenden. Auch als Prediger und Beichtvater genoss er grosses Vertrauen. Seine Predigten waren für die Menschen leicht verständlich, da er häufig Beispiele aus dem Alltag der Bevölkerung in der Bačka verwendete.


Sein bekanntes Lebensmotto lautete: „Seelen sind teuer wie das Leben Jesu!“


Auch als geistlicher Autor hinterliess er wichtige Spuren. Er war einer der Ersten, der Werke der heiligen Teresa von Ávila, des heiligen Johannes vom Kreuz und der heiligen Therese von Lisieux auf Kroatisch auslegte.


Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet Pater Gerard unter den Druck der kommunistischen Behörden. Aus Sorge um seine Sicherheit hielt er sich mehrere Jahre ausserhalb Sombors auf – zunächst in Győr und später im Franziskanerkloster in Subotica. Nach drei Jahren kehrte er nach Sombor zurück und setzte seine seelsorgerische Arbeit fort.


Pater Gerard starb am 24. Juni 1956 in Sombor. Sein Tod löste in der Stadt grosse Trauer aus. Bald verbreitete sich unter den Gläubigen die Bezeichnung „Somborski svetac“ – „Heiliger von Sombor“. Zu seiner Beerdigung am 25. Juni 1956 kamen fast 10'000 Menschen. Der Trauerzug führte von der Karmelitenkirche zum Grossen Katholischen Friedhof.



Nach seinem Tod begannen Gläubige, sich in ihren Gebeten auf seine Fürsprache zu berufen. Das Verfahren für seine Selig- und Heiligsprechung wurde am 12. September 1985 auf Diözesanebene eröffnet. Im Zuge des Verfahrens wurde sein Leichnam exhumiert und in die Karmelitenkirche St. Stephan König in Sombor überführt. Dort befindet sich sein Grab bis heute.


Das Jahr 2026 steht in der Diözese Subotica ganz im Zeichen von Pater Gerard: Es jähren sich sowohl seine Geburt zum 150. als auch sein Tod zum 70. Mal. Bischof Franjo Fazekas erklärte 2026 zum Jahr des Dieners Gottes Pater Gerard Tomo Stantić. In Sombor befindet sich zudem ein nach ihm benanntes geistliches Zentrum.


Sein Leben ist bis heute eng mit der Geschichte der kroatischen Gemeinschaft in der Bačka und insbesondere mit Sombor verbunden.

Vijesti HRT-a pratite na svojim pametnim telefonima i tabletima putem aplikacija za iOS i Android. Pratite nas i na društvenim mrežama Facebook, Twitter, Instagram, TikTok i YouTube!