Die Stimme Kroatiens

08:00 / 16.06.2022.

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Was ist eigentlich Lebensgefühl?

Frau trägt Krone auf den Händen

Frau trägt Krone auf den Händen

Foto: Dellon Thomas / Pexels

Ich mache mir gerade Gedanken über den Namen meines an dieser Stelle regelmäßig erscheinenden Blogs: Kroatien - ein Lebensgefühl.


Kroatien beschreibe ich in diesem Rahmen natürlich immer wieder und aus meiner ganz persönlichen Perspektive. Oftmals liebevoll sarkastisch verpackt, was sich für den ein oder anderen zwischen den Zeilen sicherlich herauslesen lassen dürfte, manchmal romantisch, verträumt und mit Wehmut betrachtet und beständig aber stets bedacht mit aufrichtigem Respekt und Liebe für das Land und seine Menschen. Aber bevor ich mich nun in einer Ode an meine geliebte Wunschheimat verliere, versuche ich es heute mit einer Definition des Lebensgefühl-Aspektes. Ein, wie ich bereits spüre, schwieriges Unterfangen, da sich Gefühle bei jedem von uns anders gestalten und äußern.


Lebensgefühl also. Was soll das eigentlich sein? Dem Wort nach ist es das Gefühl von Leben, des Lebens oder das Leben zu fühlen. Aber wie fühlt sich Leben denn an bzw. wie sollte es sich anfühlen und wie fühlen wir es letztlich tatsächlich? Gefühle können sowohl negativ, als auch positiv behaftet sein. Leben hingegen ist grundsätzlich etwas oder DAS Positive. Aber selbst das trifft, wenn wir uns genau umschauen, nicht einmal auf jeden zu. Dennoch assoziieren die meisten das Wort Lebensgefühl wahrscheinlich mit überaus schönen Empfindungen. Mit Lebendigkeit und (Glücks-)Gefühl eben.


Denke ich an Lebensgefühl, kommen mir spontan Energie, Freude und Leidenschaft in den Sinn, resultierend aus Liebe und Wärme. Reichen aber solche selbst definierten Basics eines Lebensgefühls auch wirklich zum Leben aus? Zu einem genussvollen und glücklichen, meine ich. Was, trüge man seine Lebensgefühl-Basics zwar, wenn auch zeitweise nur teilweise, in sich, wäre aber vielleicht der einzige Mensch auf der Welt? Ich meine, reicht es, (allein) ein Lebensgefühl zu besitzen oder wird dieses doch erheblich durch das eigene Umfeld mitbestimmt? Ich denke, Lebensgefühl steckt in jedem von uns. Bereits im Mutterleib geborgen damit ausgestattet, erweitern und etablieren wir es durch Neugier, mit Liebe und aus Erfahrungswerten, um es bestenfalls als Teil eines Umfeldes selbst verbreiten zu können. Lebensgefühl wird nach meinem Empfinden demnach ganz wesentlich vom Umfeld beeinflusst, wenngleich es nicht davon abhängt, wohl aber sogar eklatant dadurch getrübt, wenn nicht gar erstickt, werden kann.


Es ist also ein Trugschluss, zu behaupten, jemand nähme seine Probleme stets mit, der ebendiese aus seinem angegriffenen positiven Lebensgefühl zu verbannen versucht, indem er sich ihnen entledigt. Durch Entfernung. Ob räumlich oder gedanklich. Und mit dieser Schatztruhe an verbliebenem positiv konnotierten Lebensgefühl begibt man sich auf die Suche nach dem Ort, an dem man sie vorsichtig wieder öffnen kann. Es sind also nicht zwangsläufig Probleme im Gepäck des Reisenden, als vielmehr ein geborgener und geliebter Schatz. Etwa aus Energie, Freude und Leidenschaft. Eigenschaften, die dem Umfeld Deutschland übrigens wohlbekämen, am Fließen allein dort aber gehindert werden. Manchmal habe ich den Eindruck, das deutsche Lebensgefühl besteht in Selbstaufgabe. Auf allen erdenklichen Ebenen übrigens, bevor man mich missversteht.


Und das kroatische? Passte nach meinem Eindruck hervorragend zur oben beschriebenen Schatztruhe, gefüllt mit ihren überlebenswichtigen Werten. Aber sind die Kroaten von diesem Schatz, auf dem sie unbemerkt zu sitzen scheinen, bereits gesättigt? Was machen da ein paar Klunker mehr oder weniger schon aus? Hätten sie dort einen erkennbaren Wert? Was hat man also von einem versteckten und wohl behüteten Schatz, den niemand sieht? Mit wem teilt man ihn, ohne weitere Beschädigungen zu riskieren? Spontan tendiert man vermutlich dazu, ihn mit denjenigen teilen zu wollen, die ihn scheinbar ebenso nötig haben wie man - vermeintlich - selbst. Doch diejenigen, die am ärmsten wirken, tragen die wertvollsten Schätze mit sich. Gut versteckt zum Schutz vor Eindringlingen. Eine Mammutaufgabe, trägt man diesen Schatz allein. Aber einfach liegenlassen, ihn unbekümmert an den nächsten verschenken? Wer Liebe verschenkt, wird verletzt. Das Bedürfnis nach dem Like des Lebens sollten Sie daher vor allem durch ein Selbstlike stillen. In selbstbewusster Bescheidenheit.


Und die rappelnde Schatzkiste? Die im Gepäck immer schwerer zu werden scheint? Stellen Sie sie aus. In einem Museum, wohlbehütet, aber sichtbar, sodass die Welt sie betrachten und von ihr lernen, zehren und sie bewundern kann. Doch Vorsicht vor mächtig wirkenden, jedoch oberflächlichen Geboten - eine Auktion ist Ihres Schatzes nicht würdig. Den wahren Wert wird nur derjenige erkennen, der die Mühe, das Risiko und die Last des Diebstahls auf sich nimmt. Respektvoll und behutsam, nicht gewaltsam und zerstörerisch. Und findet sich niemand, der sich mit ehrenvollen Absichten Ihres Schatzes annimmt, so thront er mahnend und erhaben über alle Zeiten als Erinnerung an das wahre Leben. Und über dem Umfeld. Der Gesättigte sieht nicht einmal seinen eigenen Schatz, der Ignorante hat noch nie davon gehört. Das eigene, großartige Gefühl von Leben, Glück und Freude scheint manchen so fern, dass sie - gewiss unwissend - das Umfeld verletzlicher Lastenträger bilden. Sie könnten das Leben mit seinen Gefühlen darin wieder wahrnehmen. In einem Museum finden sich Inspirationen. Aus Impressionen derjenigen, die ihren Schatz schützen, aber nicht mehr tragen konnten.


...

Kompliziert, so ein Lebensgefühl, finde ich. Mögen Sie Ihres stets, einer funkelnden Krone gleich, mit Begrifflichkeiten, die es tatsächlich widerspiegeln, besetzen können.


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