Nach dem Zusammenbruch des Kroatischen Frühlings gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, blieb sie Kroatien in ihren Versen zeitlebens tief verbunden. Die Schriftstellerin Malkica Dugeč, die über Jahrzehnte hinweg in Deutschland lebte, schuf und unermüdlich das kroatische literarische Schaffen im Exil förderte, ist am Dienstag, dem 15. September, im Alter von 90 Jahren in Stuttgart verstorben.
Sie hinterlässt ein außerordentlich fruchtbares literarisches Werk mit mehr als 30 veröffentlichten Büchern. Ihre Gedichte fanden Eingang in zahlreiche kroatische und deutsche Anthologien – Zeugnisse eines Lebens, das ganz im Zeichen der Literatur, der kroatischen Sprache und einer unstillbaren Sehnsucht nach der Heimat stand.
Aufbruch ins Exil nach dem Kroatischen Frühling
Malkica Dugeč wurde 1936 in Zavidovići geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Sarajevo legte sie in Zagreb njihov Abitur ab und absolvierte anschließend an der dortigen Philosophischen Fakultät das Studium der Kroatistik.
Als Lehrerin für kroatische Sprache und Literatur wirkte sie an Schulen in Požega, Lobor, Gradac bei Drniš, Donji Miholjac und weiteren Orten.
Ihr lyrisches Debüt gab sie bereits 1953 in der Schülerzeitschrift „Polet“, gefolgt von Beiträgen im „Studentski list“. Im Jahr 1960 erschien in Požega ihr erster Gedichtband „Crveni biseri“ (Rote Perlen).
Da sie öffentlich für die kroatische Sprache eintrat, Mitglied der Matica hrvatska era, die „Deklaration über den Namen und die Stellung der kroatischen Literatursprache“ von 1967 unterstützte, an den Gründungsversammlungen der Matica-Zweigstellen in ganz Slawonien mitwirkte und sich aktiv am Kroatischen Frühling beteiligte, sah sie sich 1972 gezwungen, gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Professor Božo Dugeč, zu emigrieren.
In Deutschland ersuchte sie um politisches Asyl.
Botschafterin der kroatischen Literatur in Frankfurt
Auch im Exil setzte sie ihr literarisches und kulturpolitisches Wirken für die kroatische Kultur ungebrochen fort.
In den Jahrzehnten vor dem Fall der Berliner Mauer repräsentierte sie die kroatischen Exilschriftsteller systematisch auf der Internationalen Buchmesse in Frankfurt am Main.
Gemeinsam mit Vinko Nikolić, dem Herausgeber der „Hrvatska revija“, Ivona Dončević und Stjepan Šulek von den „Kroatischen Berichten“ sowie weiteren Autoren, die im westlich-demokratischen Ausland wirkten, gestaltete sie den Messestand „Hrvatska riječ“ (Das kroatische Wort).
Fast ein Vierteljahrhundert zwischen zwei Gedichtbänden
Obwohl sie auch in der Fremde kontinuierlich lyrisch tätig war, sollte nach ihrem Erstlingswerk fast ein Vierteljahrhundert vergehen, bis ihr zweiter Gedichtband erschien.
Erst 1984 wurde in Barcelona, herausgegeben von der Bibliothek der „Hrvatska revija“ unter der Redaktion von Vinko Nikolić, ihre Sammlung „Zemlja moja nebo moje“ (Mein Land mein Himmel) publiziert.
Ihre literarischen Beiträge erschienen in fast allen Publikationsorganen der kroatischen Emigration in Europa und Übersee. Nach 1991 konnte sie ihre Gedichte und Bücher schließlich wieder in Kroatien veröffentlichen.
Ein Œuvre von mehr als 30 Büchern
Bis Ende 2020 erblickten mehr als 30 ihrer Bücher das Licht der Welt. Zu den herausragenden Bänden ihrer Bekenntnislyrik zählen unter anderem „Kriška dobrote“, „Sve dalje od sebe“, „S Hrvatskom u sebi“, „Kroz pukotinu neba“, „Žudnja za smijehom“, „Zipka“, „O kamenu poj“, „Drhtaji ptica“, „Moć svjetla“, „U riječ unjedrena“, „Tragovima bezdomnosti“, „I cvijet može zaplakati“ und „Žigice vjere“.
Zudem schrieb sie auf Deutsch, woraus der Band „Vom Winde gerissen“ hervorging. Ihr Schaffen umfasste auch Kinderliteratur (darunter „Početak rasta u ljude“), während das Werk „Suzama pečatim uspomene“ als digitale Ausgabe erschien.
Ihre Arbeiten wurden in mehrere Fremdsprachen übersetzt.
Im Dienste des Gedenkens an kroatische Intellektuelle
Gemeinsam mit Professor Kazimir Katalinić gab sie die Reden und Essays ihres Ehemannes Božo Dugeč unter dem Titel „Nismo spremni robovati“ (Wir sind nicht bereit zu sklavieren) heraus, erschienen im Verlag der Kroatischen Republikanischen Gemeinschaft.
In Zusammenarbeit mit dem Akademiker Josip Pečarić veröffentlichte sie das Buch „Vjenceslav Čižek“, das dem Leben und Wirken des kroatischen Dichters und Märtyrers gewidmet ist.
Im Zagreber Verlag „Tkanica“ erschienen zudem ihre Werke „Slobodna misao“, „Anegdote – Iz tuđine i iz Domovine“, „Krik iz magle“ und „Za dane buduće“.
Würdigung des literarischen Lebenswerks
Ab 1991 publizierte sie in der Heimat und arbeitete mit zahlreichen renommierten Literaturmagazinen und Zeitschriften zusammen, darunter „Marulić“, „Jezik“, „Osvit“, „Motrišta“, „Hrvatski iseljenički zbornik“ und „Hrvatsko slovo“. Zudem bereicherte sie Lyrikfestivals und Autorentreffen in ganz Kroatien.
Ihre Gedichte sind in kroatischen und deutschen Anthologien, Lexika sowie in der Kroatischen Literarischen Enzyklopädie des Lexikographischen Instituts „Miroslav Krleža“ vertreten.
Im Jahr 2005 wurde ihr für den Gedichtzyklus „Sebe ne vidiš nikada“ der Literaturpreis „Dubravko Horvatić“ verliehen. 2007 folgte der Preis „Antun Branko Šimić“ des Schriftstellerverbandes der Kroaten in Bosnien und Herzegowina (DHK HB) für die Sammlung „U riječ unjedrena“.
Für ihren Gedichtband „Žigice vjere“ erhielt sie 2014 den renommierten Literaturpreis „Fra Lucijan Kordić“.
Ein Leben für das kroatische Wort
Malkica Dugeč war seit 1970 Mitglied der Matica hrvatska, des Kroatischen Schriftstellerverbandes (DHK) in Zagreb, des Schriftstellerverbandes der Kroaten in Bosnien und Herzegowina in Mostar, der Deutschen Gesellschaft für Kroatistik in Bamberg sowie der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste in der Diaspora mit Sitz in Basel und zahlreicher weiterer Kulturvereine.
Sie lebte und wirkte in Stuttgart; in ihren letzten Lebensjahren war sie gesundheitlich geschwächt und verstarb nach medizinischer Betreuung in einem Krankenhaus in Heilbronn.
In der kroatischen Diaspora genoss sie großes Ansehen und erfreute sich dank ihres literarischen Schaffens und ihres langjährigen Engagements eines weitreichenden Kreises von Freunden und Bewunderern.
Malkica Dugeč hinterlässt ein reiches Erbe aus Jahrzehnten des Schaffens und mehr als 30 Büchern – vor allem aber die Lebensgeschichte einer Frau, die ihre Heimat verlassen musste, Kroatien jedoch tief in ihren Versen bewahrte.
Autor: HMI/Ivona Zadro/Glas Hrvatske