Der kroatische Künstler, Designer und Fernsehexperte Tomislav Mikulić ist verstorben. Der langjährige Mitarbeiter des Kroatischen Rundfunks HRT wurde in diesem Jahr mit dem Lebenswerkpreis des Kroatischen Verbands der bildenden Künstler ausgezeichnet. Über Jahrzehnte hinweg verband er Kunst, Technologie und Fernsehen und gehörte zu den Pionieren der computerbasierten visuellen Gestaltung in Kroatien.
Mikulić begann seinen ungewöhnlichen beruflichen Weg mit einem Doppelstudium an der Fakultät für Elektrotechnik und an der Akademie der bildenden Künste in Zagreb. Schon früh interessierte er sich für die Verbindung von Kunst und neuen Technologien. Seine künstlerische Arbeit entwickelte sich dabei parallel zum rasanten technischen Fortschritt.
1973 nahm Mikulić an der international beachteten Ausstellung «Tendencije 5» teil und wurde damit Teil der avantgardistischen Bewegung «Neue Tendenzen». Die Bewegung beschäftigte sich mit neuen Formen der Kunst und insbesondere mit den Möglichkeiten von Wissenschaft, Technik und Computer.
Drei Jahre später präsentierte Mikulić in der Galerie Nova in Zagreb seine erste Einzelausstellung. Im Mittelpunkt stand «2548A», auch unter dem Titel «Random» bekannt. Das Werk gilt als erster computeranimierter Film in Kroatien. Mikulić entwickelte dafür eigene Computerprogramme und einen Algorithmus, der später unter dem Begriff Morphing weltweit bekannt wurde.
Eine bedeutende Phase seiner Karriere verbrachte Mikulić beim damaligen Fernsehen Zagreb. Während zwölf Jahren leitete er die Abteilung für TV-Design und setzte sich für den Einsatz elektronischer Technologien in der Fernsehproduktion ein. Mit seinen Arbeiten prägte er die visuelle Entwicklung des kroatischen Fernsehens und trug dazu bei, neue technische Möglichkeiten für die Gestaltung von Fernsehinhalten nutzbar zu machen.
Später führte ihn sein Weg nach Australien. In Melbourne gründete Mikulić ein eigenes Studio für Animation und Grafikdesign und arbeitete unter anderem für Channel Seven. Gemeinsam mit seinem Team entwickelte er zahlreiche innovative Lösungen für das Fernsehen.
International besondere Aufmerksamkeit erhielt eine von ihm mitentwickelte grafische Lösung bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney: Eine gelbe Linie machte während der Leichtathletikwettbewerbe die aktuelle Weltrekordmarke auf dem Bildschirm sichtbar. Die damals innovative Darstellung wurde zu einem viel beachteten Beispiel dafür, wie Technologie und Grafik die Übertragung von Live-Sport verändern können.
Tomislav Mikulić hinterlässt ein bedeutendes Werk an der Schnittstelle von Kunst, Design, Technologie und Fernsehen. Sein Schaffen begann zu einer Zeit, als Computer in der Kunst noch weitgehend Neuland waren. Er erkannte früh deren kreative Möglichkeiten und trug dazu bei, diese in Kroatien und später auch international sichtbar zu machen.
Mit seinem Tod verliert Kroatien einen Künstler und Technologieleiter, der seiner Zeit in vielerlei Hinsicht voraus war.