In der Kroatischen Auswanderermatica in Zagreb wurde am Mittwoch das Buch „Emigrantska pisma“ („Emigrantenbriefe“) von Prof. Dr. Vinko Grubišić vorgestellt. Auf knapp 180 Seiten verbindet der Autor persönliche Erinnerungen mit bislang wenig bekannten Geschichten aus Leben und Wirken kroatischer Sprachwissenschaftler, Kroatisten und Schriftsteller, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausserhalb ihrer Heimat tätig waren.
Im Mittelpunkt stehen Briefe und Korrespondenzen aus den 1980er-Jahren. Sie dokumentieren nicht nur persönliche Beziehungen, sondern geben auch Einblick in die kulturellen und politischen Aktivitäten der kroatischen Emigration jener Zeit. Herausgeberin Renata Burai bezeichnete das Buch deshalb als eine Art kulturelle Autobiografie einer Generation kroatischer Emigranten-Intellektueller.
Grubišić stellt die Briefe nicht isoliert dar, sondern ordnet sie in ihren historischen, politischen und kulturellen Kontext ein. Dadurch entsteht ein persönliches Bild jener Menschen, die auch ausserhalb Kroatiens an der Bewahrung und Entwicklung der kroatischen Sprache und Kultur arbeiteten.
Zu den Persönlichkeiten, die im Buch eine Rolle spielen, gehören unter anderem Bogdan Radica, Ante Kadić, Vinko Nikolić, Jure Petričević, Antun Nizeteo, Dionizije Lasić, Lucijan Kordić, Stjepan Krešić, Marko Čović, Branko Franolić, Josip Matešić und Zdravko Sančević.
Akademiker Ratko Cvetnić betonte bei der Präsentation die Bedeutung dieser Generation kroatischer Intellektueller für die kulturelle Identität und die kroatische philologische Tradition im Ausland.
Vinko Grubišić wurde 1943 geboren und wirkte viele Jahre in Kanada. Als Professor für kroatische Sprache und Kultur an der University of Waterloo setzte er sich für die Vermittlung der kroatischen Sprache im englischsprachigen Raum ein. Parallel engagierte er sich in den kroatischen Auslandsschulen in den USA und Kanada. Dort arbeitete er als Pädagoge und verfasste Lehrbücher, Wörterbücher und Übungsmaterialien für Kroatisch und kroatische Kultur.
Als Philologe, Schriftsteller, Anthologe und Übersetzer beschäftigt sich Grubišić mit Lyrik, Prosa, Drama und sprachwissenschaftlichen Themen. Er schreibt und übersetzt in mehreren Sprachen und ist korrespondierendes Mitglied der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste (HAZU). Für sein Wirken erhielt er zahlreiche Auszeichnungen in Kroatien und in der kroatischen Diaspora.
Bei der Präsentation hob der Direktor der Kroatischen Auswanderermatica, Zdeslav Milas, hervor, dass Grubišićs Leben und Werk von einer Zeit zeugen, in der die Bewahrung der kroatischen Sprache und Kultur für viele Menschen im Ausland weit mehr als eine literarische oder wissenschaftliche Aufgabe war.
Grubišić selbst sprach sich für eine systematischere Bewahrung und Aufarbeitung der im Ausland entstandenen kroatischen Kultur- und Erinnerungsgeschichte aus. Zudem regte er eine eigene Veranstaltung an, die sich mit der umfangreichen Memoirenliteratur der kroatischen Auswanderung beschäftigt.
Die Buchpräsentation fand im Rahmen der Tage des Europäischen Kulturerbes statt. Veranstalter waren die Kroatische Auswanderermatica und die Zweigstelle der Matica hrvatska in Skradin.