Die Stimme Kroatiens

17:02 / 07.06.2021.

Autor:

Dalmatien vs. Istrien

Ausblick Omiš Riviera

Ausblick Omiš Riviera

Foto: Dana Jungbluth / HRT

Wo ist es schöner? (M)eine Liebeserklärung.


Die Urlaubszeit naht. Viele von Ihnen freuen sich auf eine wohlverdiente Auszeit, vor allem nach diesem hinter uns liegenden Jahr voll Unsicherheiten, Einschränkungen und Belastungen. Wer braucht da nicht eine wohltuende Atempause, um abzuschalten, aber auch Kraft zu tanken für alles, was noch kommen mag? Und wo ginge das besser, als in Kroatien? Richtig. Nirgends. Soweit, so einig.


Nicht wenige Menschen zieht es in Kroatien an die Küste, die sinnlich vom glasklaren Wasser umarmt und geküsst wird. Verführerisch und einladend schmiegt sich jeder Tropfen, mal sanft, mal rau um die starken Felsen, die königlich ins tiefe Blau hineinragen. Die kroatische Adria bietet eine unvergleichliche Erfrischung und unvergessliche Farbschauspiele der puren Natur, wobei jede Stelle mit ihren eigenen Reizen lockt. Ob in Istrien, Dalmatien oder auf den vorgelagerten Inseln.

So sehr wir alle auch die verschiedenen Regionen sicherlich zu schätzen wissen, genauso scheint es, bleibt ein jeder letztlich "seinem" Ort treu. Dem, wo das Herz am höchsten schlägt. Und da scheiden sich die Geister mit ihren unterschiedlichen Ansprüchen und Vorstellungen. Meine persönliche kroatische Herzensregion ist Dalmatien, ich oute mich. An alle Istrien-Liebhaber, bitte verstehen Sie mich nicht falsch, Istrien ist ein absoluter Traum, so wahnsinnig und umwerfend schön, dass einem teilweise der Atem stockt. In Istrien habe ich mitunter mit meiner Familie einst den schönsten Urlaub überhaupt in Kroatien verbracht. Dort gibt es viel zu entdecken und nicht wenige Ecken, die ich optisch sogar anziehender empfinde als so manches Fleckchen in Dalmatien. Und dennoch: mein Herz schlägt für Dalmatien.

Aber woran liegt das? Was gefällt mir dort besser? Was hat mich in Istrien gestört oder mir dort gefehlt? Auch wenn es dabei natürlich um rein persönliche Empfindungen geht, versuche ich, Sie Ihnen zu beschreiben. Sicherlich bin ich seinerzeit, als es das erste Mal anstatt nach Dalmatien nach Istrien ging, mit einer gewissen Voreingenommenheit und Erwartungshaltung angereist, etwas verunsichert, was mich dort erwarten würde. So mag der Blick vielleicht zu sehr auf Unterschieden gelegen haben, jedoch muss ich sagen, sie sind da. Angefangen bei sehr verhalten - im wahrsten Sinne des Wortes - raushängendem Patriotismus in Form einer Beflaggung des Hauses, über vergleichsweise sehr zurückhaltende Menschen bis hin zu den sehr italienischen Einflüssen, wirkte Istrien vom ersten Moment an auf mich sehr "unkroatisch". Rein aus dem Bauch heraus.

Selbst die Farben des Meeres, der Sonne und der Landschaft haben sich mir in Istrien ganz anders als in Dalmatien dargestellt. So fantastisch sie waren, so intensiver empfinde ich sie, je weiter es in Dalmatien Richtung Süden geht. Kräftiger ist vielleicht die korrekte Beschreibung. Strahlender. Wärmer. Wohingegen mir Istrien ein saftigeres Grün bot. Aber eben kein dalmatinisches. Das wird's gewesen sein.

Zu bestaunen und entdecken gibt es sowohl in Istrien als auch in Dalmatien reichlich. Beiderorts kommt jeder Urlauber auf seine Kosten, sehr wohl. Nun bin ich jedoch grundsätzlich nicht der typische Urlauber, sondern bereise gerne die Seele eines Landes, wozu für mich vorrangig die Menschen gehören, weswegen ich das Meer auch nicht zwangsläufig vor der Nase brauche. Den ein oder anderen mag dies verwundern, in Dalmatien erscheinen mir die Menschen zugänglicher und offener, wenngleich ich die Istrier für weltoffener halte und einer meiner kroatischen Lieblingsmenschen in Istrien zuhause ist. Ein Widerspruch in sich, mein Gefühl also wahrscheinlich daher, dass mein Wesen besser nach Dalmatien passt. Mit seinem theatralischen Fahnenmeer und unbändiger Leidenschaft, seiner Gelassenheit und zeitgleichen Hitzköpfigkeit, der weltweit herzlichsten und direktesten Art zugleich, dem Sinn für Humor und dem Gespür für Streit, der positiven Lebenseinstellung mit ausgeprägtem Hang zum Schimpfen, dem Verlangen nach Ruhe seitens unüberhörbarer Menschen, mit ausgiebigem Lachen und Weinen.... mit seinen puren Emotionen. Das "Heilige Land" eben, wie man dort ganz bescheiden zu sagen pflegt. Vielleicht aber auch einfach ein bisschen verrückt. Da muss man sich wohlfühlen.


Es kommt eben auf die Persönlichkeit an. Selbst die habe ich bei den Istrien-Urlaubern anders als bei den Dalmatien-Urlaubern empfunden. Wahrscheinlich halten Sie mich nun für verrückt. Das ist in Ordnung, bestätigt es mir doch meine Passgenauigkeit auf Dalmatien. In Istrien hatte ich, was die Urlauber angeht, stellenweise den Eindruck, in Spanien zu sein. Sehr auf deutschsprachiges, eher anspruchsvolles und oft kinderloses Publikum ausgerichtet, das einfach seinen zweiwöchigen Urlaub möglichst angenehm und stressfrei, mit bestem Service genießen möchte. Nichts Verwerfliches also, aber lediglich nicht meine bevorzugte Art des Reisens. Es liegt also an mir und nicht an Istrien. So mag ich es einfach lieber authentisch und nicht auf mich abgestimmt und möchte beispielsweise nicht in jedem Restaurant oder Geschäft gleich auf Deutsch angesprochen werden, mich nämlich vielmehr selbst um Verständigung bemühen müssen. Auch ein hoher Anspruch, ich weiß. Und der Kroate meint es ja auch nur gut und möchte, dass ich mich wohlfühle und wiederkomme. Zudem scheine ich aber auch einfach sehr Deutsch zu wirken. Nichts desto trotz sagt mir der skeptisch und mürrisch wirkende Besitzer eines versteckten Restaurants irgendwo im dalmatinischen Hinterland einfach mehr zu, wirkt es doch gleich viel echter und interessanter. Aber nun schweife ich ab. Von der Küste zum Hinterland, das einfach mein wahrer Favorit ist. Auch in Istrien. Ins Wasser springe ich jedoch lieber in Dalmatien. Und auch dort gerne abseits der rein touristisch ausgerichteten Orte. Denn diese gibt es natürlich dort wie hier.

Sie sehen, ich bin etwas eigen in meinen Vorstellungen. Dalmatien jedenfalls fesselt einen. Und doch bin ich mir sicher, dass Istrien ebenso dazu imstande ist. Wahrscheinlich kommt es auch darauf an, an welchem Ort man zuerst gewesen ist, wo man herkommt, wo Familie und Freunde sind und auch, wo man am besten hineinpasst, sich einfügen kann, ohne sich fremd, wie ein Urlauber zu fühlen. Daheim halt.


Wo auch immer Sie persönlich sich am wohlsten fühlen, gut aufgehoben sind Sie überall in Kroatien, das ist sicher. Genauso wie die Tatsache, dass Sie meine persönlichen Ansichten gewiss mit Ihren widerlegen oder bestätigen können. Das würde mich interessieren: Wo ist Ihr persönlicher Platz in Kroatien und warum? Und wie verbringen Sie Ihre Zeit am liebsten in Kroatien? Im Hotel, bei Freunden, beim Camping, beim Segeln? Was ist IHR Kroatien?


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