Nachkommen kroatischer Auswanderer könnten eine wichtige Rolle bei der demografischen Erneuerung Kroatiens spielen. Gleichzeitig muss das Land bessere Voraussetzungen schaffen, um die Abwanderung zu stoppen. Darauf verwies der Rektor der Universität Zadar, Josip Faričić, in der HRT-Sendung „Globalna Hrvatska“.
Das wachsende Interesse von Nachkommen kroatischer Auswanderer an der kroatischen Staatsbürgerschaft sieht Faričić als Chance. Menschen, die Kroatien als Lebensmittelpunkt wählen möchten, seien willkommen. Besonders die Nachkommen kroatischer Auswanderer könnten aufgrund ihrer familiären und kulturellen Bindungen leichter in die Gesellschaft integriert werden.
Neben der Rückkehr aus Übersee spielt auch die Zuwanderung aus Deutschland eine wichtige Rolle. Faričić betont jedoch, dass Kroatien nicht nur Rückkehrer gewinnen, sondern auch die Abwanderung seiner Bevölkerung verhindern müsse. Dafür seien wirtschaftliche Stabilität, Rechtssicherheit und gute berufliche Perspektiven entscheidend.
Neues Demografiegesetz in Vorbereitung
Kroatien arbeitet derzeit an einem neuen Demografiegesetz. Nach Ansicht von Faričić sollte dieses konkrete Ziele festlegen und die Zuständigkeiten klar regeln. Demografische Auswirkungen müssten künftig auch bei politischen Entscheidungen, insbesondere im Bereich der Regionalentwicklung, stärker berücksichtigt werden.
Besondere Aufmerksamkeit benötigen Regionen, die seit Jahrzehnten von Abwanderung und Überalterung betroffen sind. Dazu zählen die Lika, das dalmatinische Hinterland, Teile Slawoniens und die kroatischen Inseln. Eine bessere Verkehrsanbindung, der Zugang zu Gesundheits- und Sozialleistungen sowie digitale Technologien könnten diese Gebiete für junge Familien attraktiver machen.
Langfristige Maßnahmen notwendig
Trotz einzelner positiver Entwicklungen bei den Geburtenzahlen verzeichnet Kroatien weiterhin einen negativen natürlichen Bevölkerungssaldo.
Faričić warnt deshalb vor überhöhten Erwartungen an das neue Gesetz. Die demografischen Probleme könnten weder durch eine einzelne gesetzliche Maßnahme noch kurzfristig gelöst werden.
Entscheidend sei eine langfristige Politik, die die Rückkehr von Auswanderern fördert, jungen Familien Perspektiven bietet und gleichzeitig die Lebensqualität der älteren Bevölkerung sichert.