Die Stimme Kroatiens

16:00 / 12.08.2026.

Autor: Natali Tabak Gregorić

Tomislav Marijan Bilosnić ist der 36. Preisträger von „Croatia rediviva – ča-kaj-što“

Tomislav Marijan Bilosnić  und Drago Štambuk
Tomislav Marijan Bilosnić und Drago Štambuk
Foto: Zadarski list / -

Auf dem Stjepan-Radić-Platz in Selca auf der Insel Brač fand die 36. gesamt­kroatische Sprach- und Lyrikveranstaltung „Croatia rediviva – ča-kaj-što“ statt. Eine der bedeutendsten kroatischen Literaturveranstaltungen versammelte auch in diesem Jahr Dichter, Schriftsteller, Sprachwissenschaftler, Kulturschaffende sowie angesehene Gäste aus Kroatien und dem Ausland und bestätigte damit erneut ihre dauerhafte Bedeutung für die Förderung des kroatischen sprachlichen und poetischen Erbes.

Der Höhepunkt des Abends war die Bekanntgabe des diesjährigen Preisträgers. Mit dem Olivenkranz (Maslinov vijenac) der 36. „Croatia rediviva“ wurde der renommierte kroatische Dichter Tomislav Marijan Bilosnić ausgezeichnet. Damit wurde sein Name in die Reihe bedeutender kroatischer Schriftsteller aufgenommen, die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte diese renommierte literarische Auszeichnung erhalten haben.


Bilosnić reiht sich damit unter große Namen der kroatischen Dichtung ein, die in Selca mit dem Olivenkranz gekrönt wurden, darunter Zlatan Jakšić, Drago Štambuk, Dragutin Tadijanović, Jakša Fiamengo, Božica Jelušić, Petar Gudelj, Vesna Parun, Luko Paljetak, Tonko Maroević, Ivan Golub, Slavko Mihalić, Joško Božanić, Ante Stamać, Ernest Fišer, Veselko Koroman, Tomislav Domović, Dražen Katunarić und Sibila Petlevski sowie weitere bedeutende kroatische Dichter.


Die diesjährige „Croatia rediviva“ fand vor der Christkönigskirche auf dem zentralen Platz von Selca statt. Unter den zahlreichen Ehrengästen war auch Dr. Anita Gamulin, Leiterin des Denkmalamtes in Split, die als Vertreterin der kroatischen Ministerin für Kultur und Medien, Nina Obuljen Koržinek, anwesend war. Dr. Gamulin übermittelte den Teilnehmern und dem Publikum die Grüße der Ministerin und betonte die Bedeutung der Veranstaltung sowie ihren Beitrag zur Bewahrung und Förderung des kroatischen kulturellen und sprachlichen Erbes.


Zu den Gästen gehörten außerdem Božo Biškupić, ehemaliger kroatischer Kulturminister, sowie Prof. Maciej Czerwinski, Leiter des Instituts für Slawistik an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Ebenfalls anwesend war Petar Bezmalinović, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Selca, der die Gäste begrüßte, neben zahlreichen weiteren Vertretern des kulturellen, gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens.


Vor dem eigentlichen Dichterwettbewerb wurde der Sammelband „7. Maslinov vijenac“ vorgestellt, ein wertvoller Beitrag zur Erforschung und Dokumentation der jahrzehntelangen Geschichte von „Croatia rediviva“.


Der Band enthält Gedichte der fünf letzten Träger des Olivenkranzes – des verstorbenen Ivan Kramar, Vera Grgec, Dražen Katunarić, Sibila Petlevski und Tomislav Milohanić Slavić – sowie zahlreiche Artikel, Essays und Abhandlungen über die Veranstaltung selbst. Auf unterschiedliche Weise dokumentiert und reflektiert der Band die 36-jährige Geschichte von „Croatia rediviva“, ihre Poetik, ihre kulturelle Rolle und ihren Stellenwert in der zeitgenössischen kroatischen Literatur.


Der Sammelband wurde von Prof. Dr. Sanja Knežević von der Universität Zadar vorgestellt. Sie hob insbesondere die Bedeutung der Goldenen Formel „ča-kaj-što“ hervor, die eines der grundlegenden Merkmale von „Croatia rediviva“ darstellt. Diese Formel ist inzwischen über den Rahmen der Dichterveranstaltung hinausgewachsen. Durch einen Beschluss des kroatischen Kulturministeriums wurde sie zum geschützten nationalen immateriellen Kulturerbe erklärt; ihre Bedeutung wurde zudem im vom kroatischen Parlament verabschiedeten Gesetz über die kroatische Sprache anerkannt.


Gerade in der Formel „ča-kaj-što“ begegnen und verbinden sich bei „Croatia rediviva“ unterschiedliche kroatische sprachliche und poetische Ausdrucksformen und schaffen einen besonderen literarischen Raum der Gemeinsamkeit des kroatischen sprachlichen Erbes.


Der Dichterabend begann mit Grußworten und anschließend mit der Rezitation des Gedichts „Maslina“ (Der Olivenbaum) von Vladimir Nazor durch Dr. Drago Štambuk, den Gründer und Leiter von „Croatia rediviva“. Vor Beginn des poetischen Programms wurde außerdem die 35. Tafel der „Mauer der Poesie“ enthüllt, in die die Verse des letztjährigen Preisträgers Tomislav Milohanić Slavić eingemeißelt wurden. Damit wurde eine besondere Tradition von „Croatia rediviva“ fortgesetzt, durch die die poetische Spur jedes Preisträgers dauerhaft in den öffentlichen Raum von Selca eingeschrieben wird.


Im Wettbewerbsprogramm traten Dichter verschiedener Generationen und mit unterschiedlichen poetischen Ausdrucksformen auf. Vor dem Publikum trugen ihre Gedichte Stanko Jerčić, Dražen Katunarić, Maja Tomas, Goran Gatalica, Sanja Mošić, Tomislav Marijan Bilosnić, Danica Bartulović, Drago Štambuk, Vlasta Vrandečić Lebarić, Davor Grgurić, Silvija Buvinić und Maciej Czerwinski vor.


Eine Besonderheit der diesjährigen Veranstaltung war auch die internationale Beteiligung von Prof. Maciej Czerwinski, dem Leiter des Instituts für Slawistik an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Damit wurde erneut die Offenheit von „Croatia rediviva“ gegenüber dem slawistischen und europäischen Kulturraum bestätigt.


Das poetische Programm wurde durch den musikalischen Auftritt von Domagoj Dorotić, Tenor und Solist des Kroatischen Nationaltheaters, zusätzlich bereichert. Mit seinem Auftritt verlieh er dem Abend eine besondere künstlerische Dimension.


Der Höhepunkt der diesjährigen Veranstaltung war schließlich die Ernennung von Tomislav Marijan Bilosnić zum 36. Preisträger von „Croatia rediviva“ und die Verleihung des Olivenkranzes (Maslinov vijenac).


Bilosnić gehört zu den bedeutenden zeitgenössischen kroatischen Dichtern; sein literarisches Schaffen ist auch über die Grenzen Kroatiens hinaus bekannt. Mit seiner Aufnahme in die Reihe der Preisträger von „Croatia rediviva“ wird die Tradition fortgesetzt, durch die Selca jedes Jahr eine der bedeutendsten Stimmen der kroatischen Dichtung in den Mittelpunkt des literarischen Lebens Kroatiens stellt.


Der Olivenkranz ist dabei nicht nur eine literarische Auszeichnung für den einzelnen Dichter. Er ist zugleich eine symbolische Verbindung des Preisträgers mit der langen Tradition der kroatischen Dichtung sowie mit der Idee von „Croatia rediviva“ als einem Ort der Begegnung verschiedener kroatischer sprachlicher und literarischer Ausdrucksformen.


Die diesjährige 36. „Croatia rediviva“ hat erneut gezeigt, dass diese Idee nicht nur ein kulturelles Konzept geblieben ist. Sie lebt in den poetischen Auftritten, in Büchern und Sammelbänden, auf den Mauern der Poesie, im Olivenkranz und vor allem in der Begegnung zwischen Dichtern und Publikum weiter.


Nach dem poetischen Programm wurde das gesellige Beisammensein der Dichter, Ehrengäste und Besucher im Restaurant Ružmarin in Selca fortgesetzt, wo in ungezwungener Atmosphäre Gespräche über Poesie, Sprache und Kultur weitergeführt wurden.


Quelle: Zadarski list

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