Lady Jadranka Njerš Beresford-Peirse, Gründerin des International Trust for Croatian Monuments und langjährige Förderin der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste (HAZU), ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Mehr als drei Jahrzehnte lang widmete sie ihr Leben dem Schutz und der Bewahrung des kroatischen Kulturerbes.
Mit Lady Jadranka verliert Kroatien eine aussergewöhnliche Persönlichkeit und eine unermüdliche Fürsprecherin seines kulturellen Erbes. Ihr Engagement reichte weit über finanzielle Unterstützung hinaus: Sie brachte Menschen, Institutionen und Fachleute zusammen und setzte sich mit grosser Beharrlichkeit für bedrohte Denkmäler und Kulturgüter ein.
Die Nachricht von ihrem Tod gab die Kroatische Akademie der Wissenschaften und Künste bekannt.
Eine Stiftung als Antwort auf die Zerstörung des Krieges
Gemeinsam mit ihrem Ehemann Sir Henry Beresford-Peirse gründete Jadranka Njerš Beresford-Peirse 1991, mitten im Krieg in Kroatien, den International Trust for Croatian Monuments. Die Stiftung entstand als Antwort auf die schweren Schäden, die historische Bauwerke, Museen und andere Kulturgüter während des Krieges erlitten hatten.
Zu den ersten Unterstützern gehörte der heutige britische König Charles III. Seine Spende kam unter anderem der Restaurierung des Arboretums der HAZU in Trsteno zugute. Darüber hinaus setzte er sich mit einem Appell für die Rettung des kroatischen Kulturerbes ein.
Hilfe für bedrohte Kulturdenkmäler
Während mehr als drei Jahrzehnten sammelte die Stiftung Mittel und förderte den fachlichen Austausch für die Restaurierung und den Schutz kroatischer Kulturdenkmäler. Unterstützt wurden Projekte, die durch Krieg, Naturkatastrophen, Vernachlässigung oder fehlende finanzielle Mittel gefährdet waren.
Zu den bedeutenden Projekten zählten die Restaurierung des Schlosses Eltz in Vukovar und die Instandsetzung der Konkathedrale in Osijek, die 1991 von mehr als 100 Granaten getroffen worden war.
Auch in Dubrovnik leistete die Stiftung wichtige Unterstützung, unter anderem bei der Restaurierung des Dachs des Dubrovniker Sommerfestival-Palastes, des Franziskanerklosters und der Kirche des heiligen Blasius. Gefördert wurde zudem die Baltazar-Bogišić-Sammlung in Cavtat, die zur HAZU gehört.
Nach den schweren Erdbeben von 2020 unterstützte die Stiftung auch Bibliotheken und weitere Kultureinrichtungen in Zagreb und Petrinja. Hinzu kamen der Ankauf von Kunstwerken für Museen, Fachworkshops und Stipendien für Postgraduiertenstudien.
Von Kroatien nach Grossbritannien – und stets mit der Heimat verbunden
Jadranka Njerš Beresford-Peirse wurde 1938 in Đurđenovac geboren. 1963 schloss sie in Zagreb ein Studium der englischen und italienischen Sprache ab. Nach einem Postgraduiertenstudium in London heiratete sie 1966 Sir Henry Beresford-Peirse, der einer traditionsreichen britischen Adelsfamilie angehörte. Den grössten Teil ihres Lebens verbrachte sie in Grossbritannien, doch ihre Verbindung zu Kroatien blieb stets stark.
Diese Verbundenheit prägte auch ihr Lebenswerk: den Schutz jener kulturellen Schätze, die Geschichte, Identität und Erinnerung Kroatiens bewahren.
Hohe Auszeichnungen für ein Lebenswerk
Für ihr langjähriges Engagement wurde Lady Jadranka mit hohen britischen und kroatischen Auszeichnungen geehrt.
König Charles III. verlieh ihr 2024 den Titel MBE (Member of the Most Excellent Order of the British Empire). Gewürdigt wurden damit ihr mehr als 30-jähriger Einsatz für die Beziehungen zwischen Grossbritannien und Kroatien, ihr philanthropisches Wirken und ihr Engagement für den Schutz des kroatischen Kulturerbes.
Bereits 1997 hatte sie der erste kroatische Präsident Franjo Tuđman mit dem Orden der Kroatischen Morgenröte mit dem Bildnis der Katarina Zrinska ausgezeichnet.
Lady Jadranka Njerš Beresford-Peirse hinterlässt ein aussergewöhnliches Vermächtnis. Über Jahrzehnte hinweg setzte sie sich dafür ein, dass Kroatiens kulturelle Schätze nicht verloren gehen – und dass die Geschichte und Identität des Landes auch für kommende Generationen bewahrt bleiben.