Mit dem Fall von Hrvatska Kostajnica am 13. September 1991 erreichten serbische Aufständische eines ihrer wichtigen Ziele an der Front in der Banovina. Nach dem Verlust der strategisch bedeutenden Anhöhe Djed und angesichts des zunehmenden Mangels an Munition und Sanitätsmaterial stand die kroatische Verteidigung vor dem Zusammenbruch.
Es folgten Gefangennahmen und die Verschleppung von Verteidigern in Lager. Eine Gruppe von rund 120 Menschen entschied sich dagegen für einen dramatischen Durchbruch in Richtung Hrvatska Dubica.
Monatelang hatten serbische Aufständische mit Unterstützung der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) versucht, die Verteidigung von Kostajnica zu brechen. Sie nahmen umliegende Dörfer ein und blockierten die Verkehrsverbindungen nach Hrvatska Dubica.
Die kroatischen Behörden versuchten unterdessen durch Verhandlungen, Zugeständnisse und die Einrichtung von Polizeistationen, die Lage in der Banovina unter Kontrolle zu bringen – jedoch ohne Erfolg.
Bevölkerung floh vor den Angriffen
Bereits im Juni floh die Bevölkerung ungeschützter Dörfer in grosser Zahl vor den Angriffen der serbischen Aufständischen. Zivilisten wurden getötet, einige sollen auch als «menschliche Schutzschilde» eingesetzt worden sein.
In der allgemeinen Panik wurde auch Kostajnica verlassen. Anfang August rückten Angehörige der 1. Brigade der Kroatischen Nationalgarde, des Innenministeriums und des Bataillons Zrinski in die Stadt ein.
Auch Journalisten kamen in den Kämpfen ums Leben
Die Kämpfe um Kostajnica fanden grosse mediale Aufmerksamkeit. Wegen der ausserordentlich gefährlichen Bedingungen kamen jedoch auch mehrere Journalisten ums Leben.
Besonders grosse Aufmerksamkeit erregten die Tötung des kroatischen Kameramanns Gordan Lederer sowie der russischen Journalisten Viktor Nogin und Gennadi Kurinnoj.
Trotz der gefährlichen Lage besuchte auch Präsident Franjo Tuđman die Stadt während dieser Zeit.
Der Fall
Der entscheidende Wendepunkt war der Fall der Anhöhe Djed, einer Schlüsselposition für die Verteidigung der Stadt. Kurz darauf gingen Munition und Sanitätsmaterial zur Neige. Die Verteidigung von Kostajnica stand vor dem endgültigen Zusammenbruch. Trotz Verhandlungen und vereinbarter Bedingungen für eine Übergabe begann für viele kroatische Verteidiger anschliessend eine schwere Leidenszeit.
Gefangene Verteidiger wurden in Lager verschleppt
Die meisten gefangenen Verteidiger wurden in das Lager Manjača gebracht. Eine kleinere Gruppe kam nach Glina, wo die Gefangenen über Monate hinweg Misshandlungen und Folter ausgesetzt waren. Die Zivilbevölkerung und die lokalen Verteidiger wussten, welche Gefahr ihnen im Falle einer Gefangennahme drohte. Deshalb entschied sich ein Teil von ihnen für einen äusserst riskanten Fluchtversuch.
Rund 120 Menschen wagten den dramatischen Durchbruch
Gemeinsam mit Angehörigen der «Tigrovi» und der Zagreber Polizei machten sich rund 120 Menschen auf den Weg, um nach Hrvatska Dubica durchzubrechen. Auf ihrem Weg gerieten sie mehrfach in Hinterhalte. Sieben Menschen kamen ums Leben, zwölf weitere wurden verletzt. Den Überlebenden gelang es schliesslich, Hrvatska Dubica zu erreichen.