Die Stimme Kroatiens

14:30 / 13.09.2026.

Autor: Antunela Rajič

Grosse Anerkennung für die Mährischen Kroaten: Ihre Sprache erhält einen besonderen Status

Mährischen Kroaten
Mährischen Kroaten
Foto: Globalna Hrvatska / Glas Hrvatske

Seit fünf Jahrhunderten bewahren die Mährischen Kroaten ihre Wurzeln im Süden Tschechiens. Trotz Germanisierung, Assimilation und kommunistischer Verfolgung ist es der nördlichsten kroatischen Minderheit Europas gelungen, ihre Identität zu bewahren. Nun steht ein wichtiger Schritt bevor: Ihre Sprache soll bis Ende des Jahres einen besonderen Status im Rahmen der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen erhalten.

Die Mährischen Kroaten haben in den vergangenen Jahrhunderten eine bewegte Geschichte erlebt. Germanisierung, Assimilation und schliesslich die Zwangsumsiedlung durch die kommunistischen Behörden im Jahr 1948 hinterliessen tiefe Spuren. Heute entdeckt die Gemeinschaft ihre Identität jedoch zunehmend neu. 

Besonders grosse Aufmerksamkeit erregte in jüngster Zeit die Entdeckung weiterer Gruppen von rund 2'000 Mährischen Kroaten im Gebiet von Valtice und Lednice. Gleichzeitig könnte ihr Dialekt noch in diesem Jahr als Minderheitensprache im Rahmen der Charta des Europarates anerkannt werden.


Kiritof: «Wir sind noch da» 

Dass die Mährischen Kroaten weiterhin bestehen und ihre Herkunft nicht vergessen haben, zeigte sich auch beim traditionellen Kiritof in Jevišovka, ihrem wichtigsten jährlichen Treffen. Unter den zahlreichen Gästen war auch ein Team der HRT-Sendung Globalna Hrvatska. Aus Jevišovka berichtete Reporterin Majda Ivković. Der Kiritof ist für die Gemeinschaft weit mehr als eine traditionelle Feier. Er ist ein Zeichen des Zusammenhalts und des Fortbestehens einer Gemeinschaft, die sich trotz zahlreicher Rückschläge nicht vollständig verloren hat. Die kroatische Botschafterin in der Tschechischen Republik, Ljiljana Pancirov, betonte, die Mährischen Kroaten wollten mit dieser Feier vor allem eine Botschaft vermitteln: «Wir existieren noch.»


Fünf Jahrhunderte kroatischer Geschichte in Südmähren

Während fünf Jahrhunderten hinterliessen die Kroaten in Südmähren deutliche Spuren. Ihr Einfluss zeigt sich in der Architektur, der Landwirtschaft, im Weinbau und in der Weinproduktion. Ihre Geschichte war jedoch von zahlreichen Schwierigkeiten geprägt. Nach dem Zweiten Weltkrieg traf die Gemeinschaft ein besonders schwerer Schlag. Im Jahr 1948 wurden die Mährischen Kroaten von den kommunistischen Behörden in verschiedene Teile der damaligen Tschechoslowakei umgesiedelt. Durch die Zerstreuung verlor die Gemeinschaft einen grossen Teil ihrer bisherigen Verbindungen. In der Folge schwächte sich auch die Kenntnis der kroatischen Sprache zunehmend ab. 

Umso grössere Bedeutung hat der Kiritof heute. Die Botschafterin verglich die Feier mit traditionellen Kirchweihfesten, wie sie auch aus Kroatien bekannt sind, etwa aus Slawonien. Der Kiritof sei vor allem eine Gelegenheit für Begegnungen und das Zusammenkommen der Gemeinschaft. Eine besondere Tradition ist die Prozession in Volkstrachten, die von einer Ziege angeführt wird. Sie gilt als Symbol für Wohlstand und für den Wunsch nach einem fruchtbaren Jahr. Der Kiritof gehört zudem zu den seltenen Gelegenheiten, bei denen der mährisch-kroatische Dialekt noch unter den Teilnehmern zu hören ist.


Entdeckung weiterer 2'000 Mährischer Kroaten 

Jevišovka und die umliegenden Dörfer sind jedoch nicht die einzigen Orte, an denen Kroaten lebten und bis heute Spuren hinterlassen haben. Eine besonders interessante Entdeckung wurde vor einigen Jahren gemacht: Im Gebiet von Valtice und Lednice leben weitere rund 2'000 Mährische Kroaten. Dazu zählen Gemeinschaften in Hrvatska Nová Ves, Poštorná, Hlohovec und Hovorany sowie im Raum Valtice und Lednice. Viele Angehörige dieser Gemeinschaften beginnen heute, sich wiederzufinden und ihre gemeinsame kroatische Herkunft neu zu entdecken.


Die junge Generation baut neue Brücken 

Besonders ermutigend sind die Initiativen jüngerer Generationen. Sie möchten ihre Identität bewahren und die Beziehungen zu Kroatien wieder stärken. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Museum der Mährischen Kroaten in Jevišovka. Mit einer interaktiven Ausstellung dokumentiert es die Geschichte der kroatischen Bevölkerung in dieser Region. Nach Angaben von Botschafterin Pancirov zeigt das Museum, wie verschiedene Gruppen von Kroaten ab dem Jahr 1533 in mehreren Wellen aus dem Gebiet des heutigen Kroatiens nach Südmähren kamen. Parallel dazu entsteht ein kroatisches Kulturhaus. Es soll künftig Raum für Ausstellungen, Konzerte, Begegnungen und weitere Veranstaltungen bieten und damit zum Erhalt des kroatischen Kulturerbes beitragen.


Ein wichtiger Schritt für die Sprache 

Besonders bedeutend ist die aktuelle Entwicklung rund um die Sprache der Mährischen Kroaten. Der mährisch-kroatische Dialekt wird heute nur noch von einer vergleichsweise kleinen Zahl von Angehörigen der Gemeinschaft gesprochen. Umso wichtiger ist die geplante Anerkennung. Nach Angaben von Botschafterin Pancirov soll das Mährische Kroatische bis Ende des Jahres den Status einer Minderheitensprache im Rahmen der Charta des Europarates erhalten. «Es sind keine grossen Schritte, aber jeder Schritt bringt etwas Neues und etwas Gutes», sagte die Botschafterin. Sie betonte zugleich die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Kroatien und Tschechien beim Schutz nationaler Minderheiten. Die tschechische Minderheit in Kroatien und die kroatische Minderheit in Tschechien seien eine Brücke zwischen beiden Ländern und zugleich lebendige Zeugen einer gemeinsamen europäischen Geschichte.


Trachten, Musik und Tanz als Zeichen des Fortbestehens 

Der Kiritof in Jevišovka ist deshalb weit mehr als eine Folkloreveranstaltung. Für eine Gemeinschaft, die Zwangsumsiedlung, Assimilation und einen schrittweisen Verlust ihrer Sprache erlebt hat, haben jede Tracht, jedes Lied und jede Begegnung eine besondere Bedeutung. Die farbenfrohe Prozession, traditionelle Tänze und Musik zeigten auch in diesem Jahr den lebendigen Geist der nördlichsten kroatischen Minderheit Europas. Und vielleicht ist die wichtigste Botschaft des diesjährigen Kiritof zugleich die einfachste: Nach fünf Jahrhunderten, nach Verfolgung, Zwangsumsiedlung und Assimilation sind die Mährischen Kroaten noch immer da.



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