Aktuellen Daten zufolge sind die Immobilienpreise in Europa im vierten Quartal des vergangenen Jahres im Vergleich zum dritten Quartal um 1,5 Prozent gesunken. Dies ist der erste Preisverfall seit 2015. Bisher war der kroatische Immobilienmarkt von stagnierenden Preisen und einer geringeren Fluktuationsrate geprägt.
Dennoch bleibt es für den kroatischen Durchschnittsbürger schwierig, eine eigene Wohnung zu erwerben. Dies gilt insbesondere für Zagreb, wo die Preise in den vergangenen Jahren stark angestiegen sind.
Lana Mihaljinac Knežević vom Verband der Immobilienwirtschaft erklärte: ""Wir erleben kein paralleles Wachstum des Lebensstandards und des Einkommens, die mit dem Immobilienmarkt und der Inflation, die wir in letzter sehen, Schritt halten. Daher sind die Menschen aufgrund der Inflation als auch wegen der Einführung des Euro derzeit weniger finanzielle Mittel zur Verfügung."
Während sich die Zinssätze für Immobilienkredite in den vergangenen Jahren faktisch verdoppelt haben, sind Bankenvertreter der Ansicht, dass Kredite sogar noch teurer sein würden, wenn Kroatien nicht der Eurozone beigetreten wäre.
Christoph Schoefboeck, der CEO der Erste Bank Kroatien erklärte," dass die Kreditzinsen in Kroatien im Vergleich zur gesamten Europäischen Währungsunion am wenigsten gewachsen sind: "Wenn ich Kroatien mit Ländern der Region vergleiche, die den Euro nicht eingeführt haben, zum Beispiel Ungarn oder Tschechien, sind die Zinsen dort deutlich höher, sowohl für Bürger als auch für Unternehmen. Ich würde also sagen, dass wir zum richtigen Zeitpunkt der Eurozone beigetreten sind. Ich gehe davon aus, dass sich die Zinssätze im nächsten Jahr stabilisieren werden, vielleicht mit einem kleinen Anstieg, zumindest wurde dies von der Europäischen Zentralbank angekündigt.
Während die Europäische Zentralbank versucht, die Inflation durch Zinserhöhungen einzudämmen, warnt der Internationale Währungsfonds, dass es in Europa zu einer „chaotischen Korrektur der Immobilienpreise" kommen könnte. Dies könnte für Gewerbeimmobilien zutreffend sein. Boris Vujčić, der Gouverneur der kroatischen Nationalbank, ist dagegen anderer Meinung: "Was wir sehen können, ist, dass die Anzahl der Transaktionen um 25 Prozent zurückgegangen ist, was letztlich normalerweise zu einer Stabilisierung und sinkenden Preisen führt. Ich erwarte keinen chaotischen Rückgang der Immobilienpreise, wir erleben bereits zwar einen Rückgang, aber ich glaube nicht, dass diese Preise in einer drastischen Weise fallen werden, die man als chaotisch bezeichnen könnte. Tatsächlich würde ich sagen, dass der Teil des Marktes, der in Amerika ziemlich exponiert ist, und zwar die Gewerbeimmobilien, in Europa nicht unter dem gleichen Preisdruck steht."
Mihaljinac Knežević rechnet nicht mit einem signifikanten Preisfall an der Küste, es sei denn, es gibt größere wirtschaftliche Probleme auf den Emissionsmärkten Kroatiens. Dabei ist die Situation an der Küste am stärksten von der Wirtschaftslage in den Märkten Deutschland, Österreich und Slowenien abhängig.