Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz betonte in einem exklusiven Interview für den kroatischen Rundfunk die enge Zusammenarbeit mit Premierminister Andrej Plenković.
23:35 / 01.02.2026.
Autor: Tonči Petrić

Autor:
Tonči Petrić
Veröffentlicht:
01. Februar 2026, 23:35
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz betonte in einem exklusiven Interview für den kroatischen Rundfunk die enge Zusammenarbeit mit Premierminister Andrej Plenković.
Friedrich Merz sprach in einem exklusiven Interview über die enge Zusammenarbeit mit Kroatien, die Stärkung der Verteidigung und Wettbewerbsfähigkeit der EU, über Investitionen und die kroatische Handball-Nationalmannschaft.
Reform der EU und die Stärkung der Verteidigung
Auf die Frage, ob er mit dem kroatischen Premierminister in Bezug auf EU-Reformen übereinstimmt, sagte Merz, dass er Plenković seit Jahren kenne: „Er ist einer der am längsten dienenden Ministerpräsidenten in der gesamten Europäischen Union. Wir sitzen im Europäischen Rat meistens nebeneinander, daher kennen wir uns gut. Wir stimmen uns eng ab und wir sind uns in den wesentlichen politischen Fragen der Europäischen Union einig. Das gilt für die Fragen der Wettbewerbsfähigkeit, das gilt für die Fragen der Verteidigungsfähigkeit, das gilt für das Thema, das wir an diesem Wochenende intensiv beraten haben, nämlich die Frage unserer demografischen Entwicklung, was das für unsere Bevölkerung, für unsere Länder, für unsere sozialen Sicherungssysteme gilt. Also Andrej Plenković und ich, wir sind sehr eng miteinander", betonte Merz.
Er fügte hinzu, dass sie auch über die Partnerschaft zwischen Deutschland und Kroatien im Bereich der Verteidigung gesprochen haben: „Ja, wir sprechen darüber. Wir sprechen mit den Ländern in der Europäischen Union jetzt viel intensiver als früher über gemeinsame Verteidigung. Das gilt auch für das Verhältnis zwischen Deutschland und Kroatien. Und ich bin dankbar, dass wir ein gleiches Verständnis von der Notwendigkeit haben, unsere Länder besser zu verteidigen. Dieses Verständnis, das teilen wir zwischen Deutschland und Kroatien“, sagte Merz.
EU-Erweiterung
Ein besonders wichtiges Thema ist die Erweiterung der EU, die russische Aggression und die Entstehung einer neuen Weltordnung, über die Kanzler Merz auch in Davos sprach. Er hofft, dass all dies den Erweiterungsprozess der EU nicht verlangsamen wird: „Ich hoffe nicht, und ich hoffe eher, dass das Gegenteil richtig ist, denn die Länder, über die Sie sprechen, und wir könnten auch noch über ein, zwei, drei andere Länder in Europa sprechen, die zurzeit nicht Mitglied der Europäischen Union sind, warten darauf, dass sie ihre Beziehungen zur Europäischen Union neu gestalten können, angesichts der Herausforderungen, vor denen wir stehen. Andrej Plenković ist für uns derjenige, der wahrscheinlich das beste Urteil hat über diese Region hier, also über die Staaten, die wir Westbalkanstaaten nennen. Und wir alle, auch ich, schätzen sehr seinen Rat, weil er eine sehr, sehr gute Kenntnis der Region und auch der Personen hat. Wir sprechen darüber, aber ich muss auch sagen, wir haben noch keine Lösung“, erklärte Merz.
Merz: Europa muss stark genug sein, um seine Interessen zu verteidigen
Wenn Kanzler Merz von Wettbewerbsfähigkeit spricht, meint er nicht nur die Wirtschaft: „Im Grunde genommen stehen wir ja vor der entscheidenden Frage: Wollen wir auf dieser Welt selbst eine aktive Rolle spielen oder wollen wir zum Spielball der Großmächte werden?“ Und ich plädiere nachdrücklich dafür, dass wir selbst eine Rolle spielen, selbstbewusst genug sind, stark genug sind, unsere eigenen Interessen auch auf dieser Welt durchzusetzen. Und das setzt dreierlei voraus: Verteidigungsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit auch im ökonomischen Sinne und Geschlossenheit der Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Und darüber sind wir uns in der Europäischen Union sehr weitgehend einig. Und ich sehe zwischen Andrej Plenković und mir, zwischen Kroatien und Deutschland keinen Widerspruch“, sagte der Kanzler.
Investitionen in der EU
Da Deutschland nicht mehr energieabhängig von Russland ist, sollte Europa auch wirtschaftlich unabhängiger werden. Auf die Frage, ob dies bedeutet, dass es mehr Investitionen innerhalb der Union und in Kroatien geben wird, antwortete der Kanzler zustimmend: „Ich habe auch von Andrej Plenkovic in den letzten Wochen einige Hinweise bekommen, zum Beispiel über die Energieversorgung, die auch über diesen Teil Europas verlaufen könnte. Sie könnte besser sein, als sie im Augenblick ist. Wir könnten noch unabhängiger sein, als wir im Augenblick sind. Und ich sage mal für Deutschland: die Entscheidung, aus der Atomenergie auszusteigen, ist irreversibel. Das ist so, das kann man bedauern. Ich bedauere das, aber es hat keinen Sinn, darüber nachzudenken. Die Entscheidung ist getroffen. Die Entscheidung, aus russischem Gas auszusteigen, ist getroffen und irreversibel, jedenfalls für lange Zeit. Wir wollen in den Bereich der Wind- und Sonnenenergie stark gehen. Wir tun das, aber wir wissen, dass wir für eine absehbare Zeit auf grundlastfähige Stromerzeugung angewiesen sind. Und das ist nicht Wind und Sonne allein, sondern das sind Gaskraftwerke, die wir neu bauen wollen. Und da spielt dieser Teil Europas natürlich auch eine wichtige Rolle“, betonte Merz.
Kroatien hat eine fantastische Handballnationallmanschaft
Zum Abschluss des Interviews kommentierte Merz das Handball-Halbfinale zwischen Deutschland und Kroatien: „Ich habe Andrej gestern Abend bedauert, dass Kroatien so knapp verloren hat gegen Deutschland. Ich habe mich für Deutschland gefreut. Wir spielen morgen im Endspiel gegen Dänemark. Ich werde dabei sein. Ich hätte mit großer Sympathie begleitet, wenn Kroatien gegen Dänemark gespielt hätte. Die Kroaten haben eine fantastische Handballmannschaft. Ich muss wirklich allergrößten Respekt. Wir haben ganz knapp gewonnen. Es war ein Spiel, das sehr ausgeglichen war. Zumindest in der ersten Halbzeit war es immer wieder ganz, ganz eng. Ich freue mich trotzdem auf das Endspiel morgen“, hob Merz hervor.
Quelle: HRT
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