Die Stimme Kroatiens

14:01 / 04.02.2026.

Autor: Antunela Rajič

Elisabeth von Erdmann verstorben – eine Schlüsselfigur der Kroatistik in Europa

Elisabeth von Erdmann
Elisabeth von Erdmann
Foto: hazu.hr / /

Die international anerkannte Slavistin und Kroatistin Prof. em. Dr. Elisabeth von Erdmann ist am Freitag, 30. Januar 2026, völlig unerwartet im Alter von 69 Jahren verstorben. Mit ihr verliert die europäische Wissenschaft eine der bedeutendsten Vermittlerinnen kroatischer Sprache und Kultur im deutschsprachigen Raum.


Elisabeth von Erdmann wurde 1956 in Frankfurt am Main geboren. Sie studierte Slawische Philologie, Osteuropäische Geschichte und Philosophie, unter anderem auch in Zagreb, was ihren wissenschaftlichen Weg nachhaltig prägte. Nach ihrer Promotion und Habilitation lehrte sie an mehreren deutschen Universitäten und war von 2005 bis 2022 Professorin für Slawische Literaturwissenschaft an der Universität Bamberg.


Ein zentraler Schwerpunkt ihres Wirkens war die Kroatistik. Bereits 1988 initiierte sie die wissenschaftliche Editionsreihe „Quellen und Beiträge zur kroatischen Kulturgeschichte“ – bis heute die einzige systematische Edition kroatischer kulturhistorischer Texte ausserhalb Kroatiens. Damit machte sie zentrale Werke kroatischer Denker und Autoren erstmals einem breiten europäischen Fachpublikum zugänglich und stärkte die wissenschaftliche Anerkennung der kroatischen Sprache als eigenständige kulturelle und historische Grösse.


Von Erdmann setzte sich früh und konsequent für die sprachliche und kulturelle Eigenständigkeit des Kroatischen ein und widersprach damit etablierten Paradigmen der Slawistik. Ihre Arbeiten zur kroatischen Literatur- und Ideengeschichte, aber auch zur russischen und ukrainischen Kultur, verbanden literaturwissenschaftliche Präzision mit philosophischer und kulturhistorischer Tiefe.


Von 2007 bis 2018 war sie die erste Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Kroatistik, deren Aufbau sie massgeblich mitgestaltete. Unter ihrer Leitung entwickelte sich die Gesellschaft zu einer zentralen Plattform für Forschung, Nachwuchsförderung und kulturellen Austausch.


Für ihre Verdienste wurde Elisabeth von Erdmann vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Kroatischen Kulturpreis (INA-Preis). Seit 1998 war sie korrespondierendes Mitglied der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste (HAZU). Am Tag ihres Todes wurde an deren Gebäude in Zagreb eine schwarze Trauerflagge gehisst.


Mit Elisabeth von Erdmann verliert Kroatien eine starke Stimme im Herzen Europas – und die Slavistik eine Wissenschaftlerin, die Wissen nicht nur erforschte, sondern lebendig weitergab. Ihr Werk wirkt über Institutionen und Ländergrenzen hinaus fort.

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