Die Stimme Kroatiens

08:00 / 01.03.2022.

Autor:

"Hier zu leben ist etwas anderes, als Urlaub zu machen."

Dubrovnik

Dubrovnik

Foto: Dana Jungbluth / HRT

Immer wieder liest man in verschiedenen Auswandererforen den superschlauen Hinweis an Auswanderungsinteressierte, in Kroatien zu leben, sei etwas anderes, als dort Urlaub zu machen. Und ebenso wie superschlau ist dieser allererste Ratschlag - oder besser: diese überflüssige Warnung - natürlich auch allgemeingültig. Nicht.

Mir ist aufgefallen, dass dieser wenig hilfreiche Lebens-Urlaubs-Vergleich lediglich von in Kroatien lebenden Deutschen gezogen wird. Von Paraguay, USA-, Schweden- oder Australienauswanderern liest und hört man so etwas nicht, macht es den Eindruck. Ok, in Australien könnte sich das zwischenzeitlich geändert haben, aber es macht den Anschein, als seien etliche Auswanderer selbst weitere Schritte gelassener und selbstverständlicher gegangen, als so mancher nach Kroatien. Aber jeder so, wie er eben mag und kann. Das ist ja das Feine, nicht!?

Jedenfalls stelle ich mir bei der Aussage, irgendwo zu leben sei etwas anderes, als dort Urlaub zu machen, neben einem augenrollenden "Ach echt?" folgende Fragen: Warum eigentlich? Wer sagt das? Und: Machen da vielleicht nicht eher die Mahner etwas falsch?


Auf denjenigen, der sich immer wieder zu solchen Hoch-erhobenen-Zeigefinger-Aussagen hinreißen lässt, mag das ja zutreffen. Aber somit auch auf jeden anderen? Irgendwie anmaßend. Vor allem, wenn man die Hintergründe des Fragestellers nicht im Ansatz kennt. Vielleicht ist er reich, hat geerbt, einen Top-Job oder ist auch einfach nur mit sehr viel weniger zufrieden als der andere. Vielleicht spricht er bereits die Sprache oder ist diesbezüglich einfach nicht so blockiert wie viele andere. Vielleicht bedeutet eine eventuelle Rückkehr für ihn dennoch wertvolle Erfahrung statt Gesichtsverlust. Vielleicht möchte er sich einfach woanders einmal ausprobieren. Vielleicht hat der Auswanderungswillige auch Freunde und Familie in Kroatien. Vielleicht ist aber auch das Gegenteil sein Beweggrund. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Jedenfalls wird er wissen, welche Amtssprache im Zielland gesprochen wird, wo es sich befindet und dass es vermutlich anders ist als sein aktueller Wohnort. Und falls nicht - spätestens nach seinem Umzug wird er es erfahren. Aber vielleicht ganz anders als derjenige, der ihn einst mahnte, keine übereilten Entscheidungen zu treffen.

Natürlich leuchtet es mir ein, was damit gemeint sein soll, wenn man daran erinnert, dass eine Auswanderung keinen Urlaub darstellt. Nur akzeptieren möchte ich das nicht und ich erkläre Ihnen auch, warum. Vielleicht gibt es Menschen, die tatsächlich genau das vorhaben: Ihr Leben zu einem Urlaub zu machen. Für mich als Träumerin der sinnvollste, weil schönste und einzig erfüllende Wunsch, den man nur verfolgen kann. Ich denke, allein diese Menschen sind es, die in ihrer vermeintlichen Naivität ganz genau wissen, was sie tun und für vermeintliche Hürden entsprechend viel gelassener gewappnet sind als derjenige, der mehr auf Plan und Sicherheit als auf Leben setzt.

Sich treiben lassen. Das ist doch das, was die meisten unter einem Urlaub verstehen. Warum sollte das nicht genauso für den Alltag gelten? Alltag - auch so ein verschwenderischer Begriff. Alltag sollte jeder Mensch für sich selbst definieren. Und wenn man ihn zur Auszeit umgestalten möchte, perfekt. Das gönne ich jedem Menschen dieser Erde. Ohne Neid.

Superschlaue Kommentare dazu würden sich jetzt womöglich um die Finanzierung eines Urlaubslebens drehen. Aber auch da hegt jeder Mensch eigene Ansprüche. Sowohl im Urlaub, als auch an das Leben. Es kommt eben darauf an, was Leben jedem wert ist. Ist es in Geld zu messen oder doch vielleicht völlig abseits davon?


Manchmal werde ich nach meiner Meinung zu einer geplanten Auswanderung nach Kroatien gefragt. Ob ich es im jeweils geschilderten Fall empfehlen würde oder nicht. Natürlich kann ich niemandem eine explizite Empfehlung aussprechen, da, wie gesagt, jeder Mensch anders ist. Aber eines kann ich empfehlen. Sogar allgemeingültig: Tun Sie, was Sie glücklich macht! Im Alltag, im Urlaub, im Leben. Und wo auch immer. Zum Beirren lassen ist keine Zeit. Nicht jeder stolpert über denselben Stein. Und wer fällt, steht in aller Regel auch wieder auf und sieht beim nächsten Mal eben genauer hin. Jeder wird aus Stürzen lernen und daran wachsen. Ihr Bauch und Ihr Herz weisen Ihnen den Weg. Ihren Weg. Und auf diesem treffen Sie in aller Regel auch die passenden Weggefährten.


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