Im Franziskanerkloster St. Franziskus in Zadar ist die älteste Inkunabel Kroatiens entdeckt worden. Der Guardian des Klosters, Fra Stipe Nosić, informierte die Öffentlichkeit am Donnerstag über den Fund, der bereits vor drei Tagen gemacht wurde. Bei dem Werk handelt es sich um eine Inkunabel, die lange Zeit als verschollen galt.
Wie Fra Nosić erklärte, befinden sich in den Bibliotheken der Franziskanerklöster insgesamt rund hundert Inkunabeln. Die nun entdeckte sei jedoch die älteste darunter. Es handelt sich um ein Fragment von lediglich vier Seiten eines lateinischen Bibeltextes (Vulgata), der im Jahr 1462 in Mainz in der Druckerei von Johannes Fust und Peter Schöffer gedruckt wurde.
Die beiden Pergamentblätter seien bereits 1916 in der Klosterbibliothek vom Wiener Antiquar und Bibliophilen Ernst Philip Goldschmidt registriert worden. Auch der Bibliograf Josip Badalić habe die Inkunabel in seinem Werk Inkunabule u Narodnoj Republici Hrvatskoj unter der Signatur der Bibliothek von St. Franziskus aufgeführt. Darüber hinaus hätten Šime Jurić und Vatroslav Frkin in den Jahren 1985 und 1990 über das Werk geschrieben, wobei unklar sei, ob sie es tatsächlich selbst gesehen hätten.
Fra Nosić wies darauf hin, dass auch die Franziskaner, die in den vergangenen rund zwanzig Jahren im Kloster St. Franziskus in Zadar lebten, nicht wussten, wo sich die Inkunabel befand. Aus diesem Grund hätten die Zadarer Denkmalpfleger sie im Jahr 2010 im Inventar der Kunstgegenstände des Klosters als „fehlend“ vermerkt.
Die nun gefundenen Fragmente enthalten einen Abschnitt aus dem Buch des Propheten Amos sowie ein Blatt aus dem Evangelium nach Markus. Die Seiten sind mit handgemalten Initialen in schwarzer und roter Farbe versehen, was charakteristisch für die frühesten gedruckten Bücher ist.
„Einen Preis für diese Inkunabel gibt es eigentlich nicht“, betonte Fra Nosić. „Für die kroatische Kultur ist sie von unschätzbarem Wert, da sie überall als das älteste gedruckte Buch Kroatiens geführt wird.“