Die Stimme Kroatiens

22:13 / 02.08.2021.

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Hässliche Lieblingsorte

Omiš, Blick auf die Brücke und das Gebirge an einem bewölkten Tag

Omiš, Blick auf die Brücke und das Gebirge an einem bewölkten Tag

Foto: Dana Jungbluth / HRT

Schon zum Auftakt meines Blogs habe ich es erwähnt. Meine Vermutung, "dass es landschaftlich sogar noch reizvollere Orte auf unserem Planeten gibt als Kroatien". Sicherlich gibt es diese. Aber mal abgesehen von solchen Vergleichen darf man Kroatien bedenkenlos - und ganz objektiv natürlich - als atemberaubend bezeichnen. Faszinierend türkis-glitzerndes Wasser, das einen selbst bei klirrender Kälte von einem erfrischenden Sprung hinein tagträumen lässt. Zikaden, die wie nirgendwo sonst auf der Welt zu Konzerten imstande sind, die den Körper zu jeder Zeit in einem angenehmen Rhythmus halten. Fantastische Wunder der Natur, die man mit bloßem Auge gar nicht recht erfassen kann. Aber auch beeindruckende Bauten, die die Seele in die Vergangenheit reisen lassen. Ein Betören aller Sinne, unser Kroatien.

Und doch nochmal (europäische) Vergleiche


Kroatien ist in meinen Augen sogar um Längen schöner als etwa Spanien, das ich persönlich jedoch als blühender empfinde. Oder die kanarische Insel La Palma, die ich aufgrund ihres unvergleichlichen Flairs sehr gerne noch einmal bereisen würde. Auch habe ich noch nie derart kräftige Farben wie auf Rhodos gesehen und auch Kreta hat einen sehr einladenden Charme. Unser vielfältiges Europa ist wahrlich ein besonderes Fleckchen Erde! Kroatien eben dessen Diamant.


Ungeschliffene Seiten


Und dann gibt es da - es tut mir leid, es sagen zu müssen - auch echt hässliche Ecken und Kanten an diesem Schmuckstück. Alle, die jetzt noch weiterlesen, haben mir gedanklich entweder heimlich zugestimmt oder sind so erzürnt, dass sie es nun wissen möchten, schätze ich. Also gut. Ich muss gestehen, es gibt tatsächlich gewisse Orte in Kroatien, die ich als hässlich empfinde. Sei es aus optischen Gründen oder einfach aus "so einem Gefühl" heraus.

Meine Empfindung etwa, als ich das erste Mal nach Split reinfuhr werde ich ebenso wenig vergessen wie meinen Gesichtsausdruck, als hätte ich in eine Zitrone gebissen. Der erste Ort für mich überhaupt in Kroatien, den ich als unwahrscheinlich abschreckend empfunden habe. Und dennoch bin ich immer wieder dorthin, um gerade auch die verkommenen Hochhausecken zu erleben. Herrlich war es! Inmitten eines alltäglich kroatischen Großstadttreibens in einem Café zu sitzen, welches das deutsche Gesundheitsamt noch vor der Bedienung des ersten Gastes dicht gemacht hätte, um von dort aus dem Leben zuzuschauen, wie es in Kroatien nun einmal auch ist. Auch der Blick von Kaštela auf die Skyline von Split ist in meinen Augen gewöhnungsbedürftig. Ebenso wie die teils lieblos zugebaute dalmatinische Küste mit ihren etlichen Betonstränden. Im istrischen Rabac hätte ich am liebsten gleich wieder kehrtgemacht und bin sehr froh, dies aufgrund der nervigen Anfahrt nicht getan zu haben. Rabac entspricht aufgrund des skandalös zugebauten Hangs und seiner Hotelanlagen ganz und gar nicht meinen optisch bevorzugten Vorstellungen und doch war es ein Genuss, bei einem guten Mittagessen auf die funkelnde Bucht zu blicken und im Anschluss an der Promenade zu flanieren. Medulin war bei mir eine reine Gefühlssache. Ein sehr schönes Plätzchen, an dem ich das mitunter beste Essen in Kroatien genießen durfte. Einzig die - für meine Begriffe - Möchtegern-Ausrichtung auf Monaco-Publikum schmeckte mir dort nicht. Aber ich gehöre halt ebenfalls zu einem recht eigenen Publikum, weswegen ich gar nichts gesagt haben will.

Hassliebe


Es gibt noch wenige Orte in Kroatien, die mich bislang zunächst eher abgeschreckt als direkt in ihren Bann gezogen haben, aber ich beschränke mich bei den hässlichen Seiten nun abschließend auf meine persönliche Hassliebe: Omiš. Hier war es ganz seltsam. Bei meinem ersten Besuch dort war ich höchst angetan von dessen Schönheit und konnte die voneinander unabhängige Aussage einiger Familienmitglieder "Omiš sei furchtbar hässlich" überhaupt nicht nachvollziehen. Bis ich öfter und öfter dort war. Nein, ich meine nicht einmal die Optik der paar Betonklötze vor dem imposanten Gebirge als vielmehr diesen andauernden Baustellen-, Touristen- und generellen Menschentrubel, der einen durchaus wahnsinnig machen kann. Vor allem, wenn man gezwungen ist, dort einige Erledigungen zu machen. Und dennoch: mindestens ebenso oft wie gezwungen treibt es mich auch ganz freiwillig dorthin. Und wenn es nur für ein kurzes "Hallo" oder "Auf Wiedersehen" ist. Ich liebe es!

Was soll das jetzt alles?


Ich möchte Sie einladen, sich gerade auch die vermeintlich hässlichen Seiten Ihres Lieblingslandes anzuschauen. Seien Sie offen dafür und lassen Sie sich auf alle Seiten dieses Schmuckstückes ein. Erkunden Sie es. Akzeptieren Sie es, wie es ist. Sie werden die schönen Seiten der hässlichen ebenso entdecken wie umgekehrt. Und so eine Hassliebe hat auch ihren Reiz. Lassen Sie sich also nicht abschrecken. Erst recht nicht von individuellen Berichten.

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