Die globale atmosphärische Zirkulation verläuft in diesem Winter anders als in den vergangenen Jahren – mit spürbaren Auswirkungen auf das Wetter in Kroatien. Darauf hat der Chefmeteorologe des kroatischen Rundfunks HRT, Zoran Vakula, im zentralen Nachrichtenformat Dnevnik hingewiesen.
Nach Vakulas Angaben ist die derzeitige Wetterlage ungewöhnlich: In Teilen Grönlands ist es seit mehreren Tagen wärmer als in Zagreb. Dort wurden Temperaturen von bis zu plus zehn Grad gemessen – Werte, die für diese Region untypisch sind.
«Die globale Zirkulation hat in diesem Winter kalte Luftmassen stärker nach Europa gelenkt und weniger nach Kanada und Nordamerika», erklärte Vakula. Dadurch sei auch nach Kroatien deutlich kältere Luft eingeströmt.
Gleichzeitig erinnerte er daran, dass der Jahresbeginn insgesamt überdurchschnittlich mild gewesen sei. Betrachtet man die ersten sieben Tage des Jahres, lägen die Temperaturen im Landesdurchschnitt im Bereich des Klimamittels, auf dem Festland teilweise leicht darunter.
Für die nächsten sieben Tage kündigte Vakula eine markantere Abkühlung an, vor allem im Landesinneren. Während es an der Adriaküste vergleichsweise milder bleibt, müsse man im kontinentalen Teil Kroatiens mit winterlicher Kälte rechnen – ähnlich wie bereits im Dezember.
Besonders warnte der Meteorologe vor dem möglichen Auftreten von Eisregen. Dieser entsteht, wenn es in höheren Luftschichten wärmer ist, während die Temperaturen am Boden unter dem Gefrierpunkt bleiben. Die Regentropfen gefrieren beim Auftreffen auf kalte Oberflächen und bilden eine gefährliche Eisschicht.
«Diese dünne Eisschicht ist äusserst gefährlich – nicht nur für Autofahrer, sondern auch für Fussgänger», betonte Vakula.
In Bezug auf langfristige Temperaturentwicklungen erklärte Vakula, dass die Erwärmung im Sommer deutlich stärkerausgeprägt sei als im Winter. Zwar seien starke Kältephasen heute seltener als früher, sie könnten aber weiterhin auftreten.
Er erinnerte daran, dass trotz globaler Erwärmung die höchste Schneehöhe erst 2018 gemessen wurde. «Veränderungen sind real und unbestritten, schliessen aber gelegentliche Kälteperioden keineswegs aus», so Vakula.
Langfristige Prognosen hätten für diesen Winter keine grossen Abweichungen vom Durchschnitt signalisiert, auch wenn alle Wintermonate tendenziell etwas wärmer ausfallen sollten. Dennoch bestehe die Möglichkeit, dass der Januar regional kälter als das langjährige Mittel werde.
Zum Abschluss erklärte Vakula, der aktuelle Winter bewege sich «im Rahmen des Durchschnitts – allerdings gemessen an den letzten 30 Jahren, die insgesamt deutlich wärmer sind als die 30 Jahre davor». In den kommenden Tagen sei jedoch mit kräftiger Kälte und zeitweise zweistelligen Minusgraden zu rechnen, insbesondere in der Nacht von Sonntag auf Montag. Danach folgten erneut mildere Phasen.