Die Stimme Kroatiens

02:17 / 15.01.2022.

Autor: Tonči Petrić

Kroatien hat in einem Jahrzehnt fast 400.000 Einwohner verloren

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Foto: Pixabay / Pixabay

Das staatliche Amt für Statistik hat die ersten Ergebnisse der Volkszählung veröffentlicht. In Kroatien leben 3.888.529 Menschen.

Im Vergleich zur Volkszählung von 2011 ist die Einwohnerzahl um 9,25 Prozent zurückgegangen, d.h. Kroatien hat in einem Jahrzehnt fast 400.000 Einwohner verloren, was fast vier Städte der Größe von Osijek entspricht. Alle Gespannschaften sind von diesem Bevölkerungsrückgang betroffen. Der größte Rückgang ist in der Gespanschaft Vukovar-Srijem, Sisak-Moslavina und Brod-Posavina zu verzeichnen. Der geringste Rückgang wurde in den Gespanschaften Zagreb, Dubrovnik-Neretva und Zadar verzeichnet.


Das staatliche Amt für Statistik erklärtes, dass diese Daten hauptsächlich ein negatives Verhältnis von Geburten zu Todesfällen widerspiegelt – ein Problem, welches das Land seit Jahrzehnten plagt.


Ein weiterer Faktor, der zum Bevölkerungsrückgang Kroatiens beiträgt, ist die Emigration, die sich nach dem Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union im Juli 2013 – als der EU-Arbeitsmarkt für Kroaten geöffnet wurde – erheblich intensivierte.


Städte mit mehr als 100.000 Einwohner


Nur drei Städte in Kroatien haben mehr als 100.000 Einwohner – nur Zagreb, Split und Rijeka, zeigen die Resultate der Volkszählung. Zagreb hat 769.944 Einwohner, die zweitgrößte Stadt Split besitzt 161.312 und Rijeka 108.622 Einwohner. In allen drei größten kroatischen Städten ist die Einwohnerzahl in den letzten zehn Jahren zurückgegangen.


Im Vergleich zur Volkszählung von 2011 verlor Zagreb etwa 20.000 Einwohner, ebenso viel wie Rijeka. In Split ist die Einwohnerzahl um ca. 16.000 Einwohner zurückgegangen. Die viertgrößte Stadt Kroatiens ist nach den Ergebnissen der neuen Volkszählung Osijek mit 96.848 Einwohnern. Es folgen Zadar (70.782), Bjelovar (67.600) und Velika Gorica (61.198).


Laut der neuen Volkszählung erreichen nur acht kroatische Städte eine Einwohneranzahl von mehr als 50.000 Einwohner.


Vorhersagen bewahrheiten sich


Demografen sind sich einig, dass sich ihre schwarzen Vorhersagen bewahrheitet haben. Der stetige Rückgang des natürlichen Zuwachses durch Geburten und eine große Auswanderungswelle haben dafür gesorgt, dass Kroatien fast 400.000 Einwohner weniger besitzt als vor zehn Jahren, was man einfach nach Ansicht der Demografen als Katastrophe bezeichnen kann. Dr. Stjepan Šterc sagte hierzu: 


"Für mich ist nur erschreckend, dass das politische System diese Problematik nur ruhig betrachtet und fast gar nicht auf diese überaus negativen Prozesse, die Kroatien betreffen, reagiert. Wir Demografen haben den Politikern einhundert Mal erklärt, dass dies ein Schlüsselproblem darstellt und man sich darauf fokussieren muss und dass davon die ganze Entwicklung des Landes Kroatien abhängt. Aber es ist so, als wenn man die ganze Zeit zu einer Wand sprechen würde."


Kommentare von Bürgern aus Kroatien


"Dies ist wirklich katastrophal, anstatt dass es von uns 10-20 Prozent mehr gibt, ist dies schrecklich. …. Die jungen Menschen haben schlichtweg keine Wahl, was sollen, sie tun, sie gehen ins Ausland…. Es wäre schön, wenn sie sie nicht auswandern würden. Es wäre vielleicht besser, dass wir uns alle bemühen würden, etwas zu verändern."


Gleichzeitig warnt der Demograf Stjepan Šterc, vor einem weiteren Exodus:  "In Anbetracht, dass die Schweiz ihre Grenzen für Arbeitskräfte aus Kroatien Anfang dieses Jahres geöffnet hatte und in Anbetracht, dass die Kroaten eine ideale Migration für die Schweiz darstellt, da sie sich relativ leicht der Gesellschaft und der Lebensweise in einem neuen Land anpassen können, wird eine Auswanderungswelle aus Kroatien erwartet, und zwar vorwiegend von jungen und gut ausgebildeten Fachkräften.“


Kommentare aus der Politik


Die Regierung hat die Zahlen der Volkszählung noch nicht kommentiert. Dagegen hat sich die Opposition zu Wort gemeldet. Die Heimatbewegung sagte, dass Kroatien zerfällt und verschwindet, währen die MOST Partei wiederholt von einer Katastrophe spricht, die leider zu erwarten gewesen war.


Hier sind die Statements der Abgeordneten Nino Raspudić von der MOST-Partei und von Stipe Mlinarić von der Heimatbewegung:


"Dies, was heute geschehen ist, den Tatsachen ins Auge sehen, dass Kroatien fast 400.000 Menschen verloren hat, etwas weniger als Prozent der Gesamtbevölkerung, ist einer der schwärzesten Tage in der zeitgenössischen Geschichte Kroatiens. Die ganze Aufzählung vom wirtschaftlichen Aufschwung, der Entwicklung, der Verbesserung des Lebensstandards der Bürger, fallt mittelfristig schon ins Wasser und ist unmöglich (zu erreichen) in so einer demografischen Situation", erklärte Raspudić.


"Vom Projekt Slawonien, dass sich die HDZ Partei zur Fahne geschrieben hatte, haben wir ein zerstreutes Slawonien erhalten. Es gibt keine Strategie, es gibt keine Verbesserung der Lebensverhältnisse in den Dörfern, der Osten von Kroatien, wenn wir von der Gespanschaft Vukovar-Srijem sprechen, ist ein Randgebiet entlang der Grenze zu Serbien und zu Bosnien-Herzegowina. Jeder Staat, der an sich seinen Grenzen festhält, gewährleistet die grundlegendste Sicherheit - dass das Grenzgebiet dicht besiedelt ist und keine dünne Besiedlung aufweist", sagt Mlinarić.

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