Auf der COP29-Konferenz in Baku wurde am frühen Sonntagmorgen nach intensiven Verhandlungen eine Einigung über die Bereitstellung von 300 Milliarden US-Dollar jährlich erzielt. Diese Mittel sollen ärmeren Ländern helfen, die Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen.
Auf der COP29-Klimakonferenz in Baku wurde eine Vereinbarung getroffen, die Industrieländer verpflichtet, bis 2035 jährlich 300 Milliarden US-Dollar für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern bereitzustellen. Dieses neue kollektive quantifizierte Ziel (NCQG) ersetzt das vorherige Ziel von 100 Milliarden US-Dollar jährlich.
Die Vereinbarung sieht vor, dass mehr Länder entsprechend ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Finanzmittel beisteuern. Ziel ist es, durch Beiträge von Industrieländern, multilateralen Entwicklungsbanken und privaten Investitionen bis 2035 jährlich insgesamt 1,3 Billionen US-Dollar für den Klimaschutz zu mobilisieren.
UN-Klimachef Simon Steill begrüßte die Einigung als eine Versicherungspolice für die Menschheit: "„Es war ein schwieriger Weg, aber wir haben eine Vereinbarung getroffen“, sagte Steill, nachdem das Abkommen angenommen wurde.
Kritik an der Klimafinanzierung
Der Vertreter Nigerias bezeichnete den Betrag als „Beleidigung“, und Indiens Delegierter lehnte den Deal ab, da die Verpflichtungen an die Industrieländer „viel zu niedrig“ seien. Der Vertreter Boliviens kritisierte, dass Entwicklungsländer bei der Bewältigung der Klimakrise auf sich allein gestellt werden und betonte die historische Verantwortung der Industrieländer.
Ähnliche Kritik kam von Vertretern der am wenigsten entwickelten Länder sowie von Organisationen wie Oxfam International, die den Deal als unzureichend und unehrenhaft bezeichneten. Klimaorganisationen bezeichneten das 300-Milliarden-Dollar-Finanzierungsabkommen als „Tropfen im Ozean“, dessen Meeresspiegel bereits steigt.
Grünes Licht aus den USA
Auf der anderen Seite verteidigten einige Vertreter der Industrieländer die Vereinbarung. US-Präsident Joe Biden lobte das Abkommen als einen „historischen Meilenstein“. Die Industrieländer betonten, dass die zugesagten 300 Milliarden US-Dollar jährlich ein realistischer Ausgangspunkt seien und weitere Mittel mobilisiert werden könnten. Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock bezeichnete die Vereinbarung als Beginn eines neuen Kapitels der Klimafinanzierung. Einige Experten sehen in der Vereinbarung trotz ihrer Mängel ein Zeichen für die anhaltende, wenn auch fragile, multilaterale Zusammenarbeit im Klimaschutz.
Die Europäische Union spielte eine führende Rolle bei der Ausweitung der globalen Beitragszahlerbasis für die Klimafinanzierung. Sie betonte die Notwendigkeit, dass Länder entsprechend ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit ihren gerechten Anteil leisten. Die EU kündigte zudem an, im nächsten Jahr einen auf 1,5 Grad Celsius ausgerichteten national festgelegten Beitrag (NDC) vorzulegen.
Die Konferenz, die eigentlich am Freitag enden sollte, wurde bis Sonntag verlängert. Delegierte aus fast 200 Ländern versuchten, einen Konsens zu erreichen. Während der Verhandlungen verließen einige Vertreter kleiner Inselstaaten die Gespräche aus Protest aufgrund mangelnder Einbindung. Andere Staaten versuchten, die Vereinbarung zu verwässern.
Die Vereinbarung von Baku stellt einen wichtigen Schritt in der globalen Klimafinanzierung dar. Dennoch bleibt die Herausforderung bestehen, die zugesagten Mittel effektiv bereitzustellen und die Klimaschutzmaßnahmen weltweit zu intensivieren, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Der UN-Emissionsbericht 2024 warnt, dass die Welt mit aktuellen Maßnahmen auf eine Erwärmung von bis zu 3,1 °C bis Ende des Jahrhunderts zusteuert – weit entfernt vom Pariser Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen.