Die Stimme Kroatiens

15:11 / 12.09.2026.

Autor: Antunela Rajič

Steigende Dieselpreise überschatten den Anstieg der Rohölpreise

Steigende Dieselpreise
Steigende Dieselpreise
Foto: -- / Shutterstock

Die stark gestiegenen Dieselpreise infolge rückläufiger Lieferungen aus dem Nahen Osten und Russland haben den jüngsten Anstieg der Rohölpreise in den Schatten gestellt. Gleichzeitig arbeiten die Raffinerien nahe an ihrer Kapazitätsgrenze, warnte die Internationale Energieagentur (IEA) am Freitag.



Die Ölpreise auf den internationalen Märkten stiegen am Donnerstag auf über 105 US-Dollar pro Barrel. Der Anstieg des Rohölpreises verblasst jedoch im Vergleich zur Verteuerung raffinierter Ölprodukte, für die eine noch deutlichere Lücke zwischen Angebot und Nachfrage verantwortlich ist, erklärte die IEA in ihrem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht.


So überschritt der Preis für Diesel auf dem US-Markt in der ersten Jahreshälfte 200 US-Dollar pro Barrel. Damit lag er nahezu doppelt so hoch wie vor dem Krieg im Iran. Auch in Europa und Asien wurden ähnlich starke Preissteigerungen verzeichnet, so die Agentur.


Der Preis für ein Barrel Rohöl stieg im gleichen Zeitraum dagegen um 45 Prozent. Für den drastischen Preisanstieg bei Ölprodukten seien vor allem Lieferstörungen aus der Region am Persischen Golf und aus Russland verantwortlich, teilte die IEA mit.


Nach aktuellen Schätzungen exportierten die Staaten am Persischen Golf im August rund 13 Millionen Barrel Öl pro Tag. Das entspricht etwa 54 Prozent des Vorkriegsniveaus. Möglich wurde dies unter anderem durch die Umleitung von Lieferungen über alternative Routen. Die Ausfuhren von Ölprodukten und Flüssiggas lagen dagegen nur noch bei rund 40 Prozent des Vorkriegsniveaus.


Besonders stark betroffen ist der Dieselmarkt: Die Nettoexporte von Diesel sanken im August auf nur noch ein Viertel des Vorkriegsniveaus und beliefen sich durchschnittlich auf 390'000 Barrel pro Tag.


Zusätzlich verschärften Störungen im russischen Raffineriesystem die Lage. Nach ukrainischen Drohnenangriffen auf Raffinerien kam der Export von Ölprodukten aus Russland laut IEA nahezu vollständig zum Erliegen. 

 

Der kombinierte Nettoexport von Diesel aus der Region am Persischen Golf und aus Russland lag im August um 1,6 Millionen Barrel pro Tag unter dem Niveau vom Februar, errechnete die IEA.


Damals hatten Produkte aus diesen Regionen noch fast 45 Prozent des weltweiten Seehandels ausgemacht. Teilweise wird der Ausfall durch andere Regionen ausgeglichen. Dort fahren Raffinerien ihre Produktion bis an die Grenzen ihrer Kapazitäten hoch, um von den aussergewöhnlich hohen Gewinnmargen zu profitieren.


Im Atlantikbecken erreichten die Raffineriemargen laut IEA inzwischen Rekordwerte. Die deutlich geringeren Liefermengen und die hohen Preise dämpfen inzwischen auch den Verbrauch. Die IEA rechnet für dieses Jahr mit einem Rückgang der weltweiten Ölnachfrage um 2,5 Millionen Barrel pro Tag und erhöhte damit ihre Prognose vom August um fast eine Million Barrel.


Im dritten Quartal dürfte die Nachfrage um 3,4 Millionen Barrel pro Tag sinken, nachdem sie im zweiten Quartal bereits um 5,3 Millionen Barrel pro Tag eingebrochen war. Für die letzten drei Monate des Jahres erwartet die IEA einen Rückgang der weltweiten Nachfrage um zwei Millionen Barrel pro Tag.


 

Bislang spielten die globalen Ölreserven eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung des Marktes. Seit Beginn des Krieges sind die weltweiten Ölbestände laut IEA jedoch um 507 Millionen Barrel geschrumpft. Das entspricht einem Rückgang von durchschnittlich 2,8 Millionen Barrel pro Tag. Allein im August gingen die weltweiten Bestände um 95 Millionen Barrel zurück – das entspricht 1,3 Millionen Barrel pro Tag.


Da die Reserven weiter sinken und das weltweite Raffineriesystem bis an seine Grenzen ausgelastet ist, seien Fortschritte bei der Lösung des Konflikts im Nahen Osten und des russisch-ukrainischen Krieges wichtiger denn je, warnt die IEA.


Andernfalls drohten eine weitere Verschärfung der Versorgungslage und ein noch stärkerer Einbruch der Nachfrage.

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