Das Wachstum der kroatischen Wirtschaft dürfte sich im zweiten Quartal 2026 abgeschwächt haben. Nach einer aktuellen Schätzung der Hrvatska narodna banka (HNB) könnte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,6 Prozent wachsen. Im ersten Quartal war die Notenbank noch von einem Wachstum von 2,2 Prozent ausgegangen. Im Vergleich zum Vorquartal erwartet die HNB einen Zuwachs von 0,3 Prozent.
Wie die Zentralbank in ihrem aktuellen Bulletin erklärt, deuten die jüngsten Konjunkturindikatoren auf eine nur verhaltene wirtschaftliche Entwicklung hin. Insbesondere die Industrieproduktion und der Einzelhandel entwickelten sich im zweiten Quartal schwächer als erwartet. Die Prognose wurde deshalb gegenüber der vorherigen Schätzung nach unten korrigiert.
Die Industrieproduktion lag in den ersten beiden Monaten des zweiten Quartals um 2,5 Prozent unter dem Durchschnitt des ersten Quartals. Besonders deutlich ging die Produktion im Energiesektor sowie bei Investitionsgütern und langlebigen Konsumgütern zurück.
Auch der Einzelhandel verzeichnete im Mai einen Rückgang. In den Monaten April und Mai lag der reale Einzelhandelsumsatz 0,8 Prozent unter dem Durchschnitt des ersten Quartals. Nach Einschätzung der HNB könnte dies teilweise auf gestiegene Energiepreise infolge der Spannungen im Nahen Osten zurückzuführen sein, die das verfügbare Einkommen der Haushalte belasteten und das Konsumklima verschlechterten.
Darüber hinaus verschlechterten sich auch die touristischen Kennzahlen. Im zweiten Quartal gingen sowohl die Zahl der Ankünfte als auch der Übernachtungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund ein Prozent zurück.
Am Arbeitsmarkt setzte sich hingegen eine positive Entwicklung fort. Die Beschäftigung stieg leicht an, während die Bruttolöhne weiterhin kräftig zulegten. Im Mai lagen die durchschnittlichen nominalen Bruttolöhne 9,1 Prozent über dem Vorjahresniveau, die realen Bruttolöhne stiegen um 3,7 Prozent. Gleichzeitig verringerte sich die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum ersten Quartal weiter.
Bei der Inflation setzte sich im Juni die Abschwächung fort. Nach der ersten Schätzung lag die Inflationsrate gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) bei 4,2 Prozent, nach 4,9 Prozent im Mai. Ausschlaggebend waren vor allem niedrigere Energiepreise infolge des Rückgangs der Ölpreise. Die HNB weist jedoch darauf hin, dass die erneuten Spannungen zwischen den USA und dem Iran Anfang Juli die Unsicherheit wieder erhöht und die Energiepreise erneut steigen lassen haben.
Deutlich zugenommen hat im Mai die Kreditvergabe. Besonders stark stiegen die Unternehmenskredite, vor allem für Betriebsmittel. Auch die Kredite an private Haushalte legten weiter zu, wobei sowohl Wohnbaukredite als auch Konsumkredite weiterhin ein hohes Wachstum verzeichneten, sich die jährlichen Wachstumsraten jedoch aufgrund von Basiseffekten leicht abschwächten.