Die Sabotage der Gaspipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 in der Ostsee vor fast vier Jahren hat nun auch einen Bezug zu Kroatien. In Pula wurde ein ukrainischer Staatsbürger festgenommen, den die deutschen Behörden verdächtigen, an der Sprengung der Pipelines beteiligt gewesen zu sein.
Der Verdächtige, Vladimir Z., wurde am Mittwochmorgen in einer touristischen Unterkunft in Pula festgenommen. Dies bestätigte die Polizei der Gespanschaft Istrien. Die Festnahme erfolgte auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls des deutschen Bundesgerichtshofs und in Zusammenarbeit mit der kroatischen Polizeidirektion in Zagreb.
Nach Angaben der deutschen Generalstaatsanwaltschaft soll Vladimir Z. Teil einer Gruppe gewesen sein, die im September 2022 Sprengstoff an den Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 nahe der dänischen Insel Bornholm angebracht hatte.
Den Ermittlern zufolge beteiligte sich Z. persönlich an den erforderlichen Tauchgängen und am Anbringen der Sprengsätze. Der Ukrainer ist ausgebildeter Apnoetaucher. Gemeinsam mit weiteren Verdächtigen soll er außerdem eine Segelyacht in Deutschland gemietet haben. Dabei seien gefälschte Ausweisdokumente verwendet worden.
Die Sprengsätze wurden am 26. September 2022 gezündet und verursachten erhebliche Schäden an beiden Pipelines.
Die deutsche Generalstaatsanwaltschaft wirft Vladimir Z. unter anderem gemeinschaftlich herbeigeführte Explosionen, verfassungsfeindliche Sabotage sowie die Zerstörung von Gebäuden und Anlagen vor.
Vladimir Z. war bereits im vergangenen Jahr in Polen festgenommen worden. Die polnischen Behörden ließen ihn jedoch wieder frei, da Deutschland ihrer damaligen Einschätzung zufolge nicht genügend Informationen für eine Auslieferung vorgelegt hatte.
Ob der Verdächtige diesmal nach Deutschland ausgeliefert wird, ist noch offen. Darüber entscheidet das zuständige kroatische Gericht, in diesem Fall das Gespanschaftsgericht in Pula. Zunächst soll der Verdächtige vernommen und seine Identität offiziell festgestellt werden.
Die deutsche Generalstaatsanwaltschaft hatte im Juni dieses Jahres gegen einen weiteren Verdächtigen, Serhii K., Anklage vor einem Gericht in Hamburg erhoben.
Die Festnahme in Pula ist die zweite bekannte Festnahme im Zusammenhang mit den Ermittlungen zur großangelegten Sabotage der Pipelines. Die deutschen Ermittler versuchen weiterhin, die Hintergründe des Anschlags auf die strategisch wichtige Energieinfrastruktur in der Ostsee aufzuklären.