Nach mehreren organisatorischen und politischen Wendungen ist die kroatische Handball-Nationalmannschaft am Montagabend nach dem Gewinn der Bronzemedaille an der Handball-Europameisterschaft 2026 schliesslich doch feierlich empfangen worden. Zehntausende Fans versammelten sich auf dem Ban-Josip-Jelačić-Platz im Zentrum Zagrebs, um die Mannschaft zu feiern, die in Dänemark, Norwegen und Schweden ihre vierte EM-Bronzemedaille in der Verbandsgeschichte errungen hatte.
Der Weg zu diesem Empfang war jedoch alles andere als geradlinig. Ursprünglich sollte die Stadt Zagreb die Feierlichkeiten organisieren. In den Tagen nach dem dramatischen 34:33-Sieg gegen Island im Spiel um Platz drei kam es jedoch zu Unstimmigkeiten zwischen der Stadtverwaltung und dem Kroatischen Handballverband (HRS). Streitpunkt war vor allem das musikalische Rahmenprogramm der Veranstaltung.
Zagreber Bürgermeister Tomislav Tomašević sprach sich gegen den Auftritt des Sängers Marko Perković Thompson aus. Die Spieler und der Verband wiederum wollten keinen Empfang akzeptieren, bei dem ihre musikalischen Wünsche nicht respektiert würden. In der Folge sagte der HRS den ursprünglich geplanten Empfang ab, was in der Öffentlichkeit für grosse Irritation sorgte.
Nach der Absage reagierte die kroatische Regierung rasch. In einer Telefonsitzung beschloss sie, die Organisation des Empfangs selbst zu übernehmen. Tourismus- und Sportminister Tonči Glavina erklärte, es handle sich um einen Erfolg von nationaler Bedeutung.
"Diese Mannschaft hat Grossartiges geleistet. Es ist unsere Pflicht, den Spielern einen Empfang zu ermöglichen, den sie sich wünschen und den sie verdient haben", sagte Glavina.
Die Entscheidung der Regierung führte jedoch zu neuen Spannungen mit der Stadt Zagreb. Bürgermeister Tomašević kritisierte öffentlich, dass keine formelle Genehmigung für die Nutzung des zentralen Platzes eingeholt worden sei, und warf der Regierung eine Überschreitung ihrer Kompetenzen vor. Trotz dieser Kritik wurde der Empfang durchgeführt.
Gegen 18.40 Uhr betrat die Mannschaft gemeinsam mit Nationaltrainer Dagur Sigurdsson die Bühne. Jeder Spieler wurde mit lauten Ovationen empfangen, der grösste Jubel brandete jedoch auf, als Kapitän Ivan Martinović den Pokal für den dritten Platz präsentierte.
Sichtlich bewegt sprach Martinović zu den Fans:
"Das ist ein Wunder. Wir standen vor einem Jahr schon einmal hier und haben gesagt, wie schön es wäre, das zu wiederholen. Wir wollten beweisen, dass der Erfolg kein Zufall war und jetzt sind wir wieder hier. Diese Medaille gehört auch euch." Der Kapitän gab zu, dass er kurz davor gewesen sei zu weinen: "Ich habe fast keine Tränen mehr."
Auch David Mandić, einer der entscheidenden Spieler im Spiel um Platz drei, meldete sich zu Wort. Trotz sichtbarer Schnittwunden im Gesicht aus dem Duell mit Island sagte er:
"Wir sind Kämpfer, wie Gladiatoren. Trotz aller Verletzungen könnte ich heute Abend noch zwei Spiele machen."
Nationaltrainer Dagur Sigurdsson hielt sich in seiner Ansprache kurz und dankte vor allem den Fans:
"Es ist wie im letzten Jahr. Geniesst diesen Moment. Danke, dass ihr gekommen seid und danke für eure Unterstützung."
Für zusätzliche Emotionen sorgte schliesslich der Auftritt von Marko Perković Thompson, der gemeinsam mit den Spielern das Lied «Ako ne znaš što je bilo» sang, das als inoffizielle Hymne der Mannschaft gilt. Währenddessen wurden auf einer Grossleinwand Szenen aus den Spielen der kroatischen Handballer bei der Europameisterschaft gezeigt. Thompson bezeichnete die Spieler als «kroatische Ritter», die unabhängig von äusseren Umständen stets Haltung bewahrt hätten.
Der Kroatische Handballverband zeigte sich in einer offiziellen Stellungnahme dankbar für das Eingreifen der Regierung. Verband, Trainerstab und Spieler betonten, dass der Empfang frei von politischen Botschaften bleiben solle. Im Mittelpunkt stünden ausschliesslich der sportliche Erfolg der Mannschaft sowie der Dank an die Fans. Gleichzeitig rief der HRS die Bevölkerung zu einem friedlichen und würdigen Feiern auf. Am Ende rückte der sportliche Erfolg in den Vordergrund.