Die Stimme Kroatiens

06:21 / 09.01.2026.

Autor: Antunela Rajič

Tin Ujević kehrt als Hologramm nach Imotski zurück

Tin Ujević
Tin Ujević
Foto: HRT / HRT

Was würden Sie für ein Gespräch mit dem Dichter Tin Ujević geben? Ein echtes Gespräch ist zwar nicht möglich, doch zuhören, anstossen und ihm ganz nahekommen – das geht ab sofort in der Stadtbibliothek von Imotski. Mit dem innovativen Projekt «Selfie mit Tin» beweist die Bibliothek, dass sie längst mehr ist als ein Ort zum Ausleihen von Büchern.


Eine kleine Stadt, eine überschaubare Bibliothek – aber ein Empfang von grosser Bedeutung. Alles steht hier im Zeichen von Tin Ujević. Sobald das Hologramm aktiviert wird, bleibt man unwillkürlich stehen.

«Vor euch stehe ich, Tin Ujević, aus der kargen Landschaft von Imotski, aus dem Herzen Dalmatiens. Ich bin ein Dichter, der seine Worte aus der tiefen Seele des Menschen dieser Region schöpft. Ein Liebhaber der Freiheit, ein Träumer des Unendlichen, ein Sänger der Weltseele. Meine Gedichte und der Wein stammen aus derselben Traube, und das Leben ist eine ewige Suche nach Sinn», erklingt es aus dem Hologramm.


Das Projekt ist einzigartig in Kroatien. Mithilfe moderner Projektionstechnologie und künstlicher Intelligenz wird die Figur des Dichters zum Leben erweckt. Besucherinnen und Besucher können – barfuss – sogar seine kristallklare «Würfelwelt» betreten, Tin umarmen, mit ihm anstossen oder ihm einfach aufmerksam zuhören.


«Tin war ein Mensch mit einem weiten Geist und einer grossen Seele. Mit diesem Hologramm wollten wir ihn vor allem den jungen Generationen näherbringen und zeigen, welchen kulturellen Wert wir in Imotski haben. Auf diese Weise ist Tin nach Imotski zurückgekehrt», sagt Marija Jović, Direktorin der Stadtbibliothek «Don Mihovil Pavlinović» in Imotski.


Eine besondere Herausforderung stellte die Stimme dar, da es keine öffentlich zugänglichen Tonaufnahmen von Tin Ujević gibt. Mehrere Schauspieler versuchten, seinen Klang zu treffen – die Wahl fiel schliesslich auf Goran Grgić.


«Wir leben in einer Zeit, in der alles digital ist – online, virtuell, holografisch. Auch wenn das nicht immer nur positiv ist, kann man Technologie sinnvoll einsetzen, um junge Menschen für Kultur und Literatur zu begeistern», betont Luka Kolovrat, Bürgermeister von Imotski.


Das vergangene Jahr stand in der Stadtbibliothek ganz im Zeichen von Tin Ujević. Gedenkt wurden der 70. Todestag und der 135. Geburtstag des Dichters. Im laufenden Jahr, in dem sich die Veröffentlichung seiner Gedichtsammlung Kolajnazum hundertsten Mal jährt, wird zudem der Sammelband «Zagonetna prisustva» vorgestellt. Herausgeberin Marija Jović versammelte darin rund zwanzig Dichterinnen, Schriftsteller und Wissenschaftler, die sich mit Leben und Werk von Tin Ujević auseinandersetzen.

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