Man sagt, dass Heilige zweimal begraben werden, einmal in der Erde und ein zweites Mal im Archiv. Jahrzehntelang wartete die Geschichte von Danica Širola auf ihre Zeit. Die Erinnerung an sie lebte Jahr für Jahr in den Kerzen weiter, die auf ihrem Grab brannten.
Sie wurde oft als die „kleine Therese Kroatiens“ bezeichnet. Die kroatische Lehrerin und Dichterin starb am 2. September 1926 in Zagreb, im Alter von nur 26 Jahren. Sie verschied im Ruf der Heiligkeit.
Ihre Autobiografie, ihre Tagebücher, ihre Korrespondenz und ihre Gedichte zeugen von ihrer geistlichen Reifung durch innere und äussere Leiden.
Jesus in jede ihrer Lebenssituationen einzubeziehen, hatte sie schon als kleines Mädchen ganz selbstverständlich gelernt. Wenn sie nach der Schule Ungerechtigkeit und Schläge ihrer Lehrerin erdulden musste, verweilte sie oft noch lange im Gebet in der Kirche. In diesen Tränen vor dem Tabernakel fand sie in Gott nicht bloss Trost, sondern auch Liebe.
In der vierten Klasse verspürte sie am Fest Mariä Lichtmess ganz besonders deutlich die Berufung zum Ordensleben. Für Danica war es ganz selbstverständlich, in der Gegenwart Gottes zu leben. Ihren Altersgenossen erschien sie deshalb oft etwas ungewöhnlich, dennoch mochten sie sie sehr. In dieser Zeit begann Danica, Gedichte zu schreiben
An ihrem 19. Geburtstag gelobte sie Gott die Jungfräulichkeit
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs begannen auch ihre gesundheitlichen Beschwerden. Zuerst ein Lungenkatarrh, dann die Spanische Grippe und schliesslich eine schwere Nervenentzündung. Trotz dieses Kampfes schloss sie ihre Ausbildung ab und begann ihren Weg als Lehrerin.
Die Berufung zu einem Gott geweihten Leben wurde in ihr immer stärker, und an ihrem 19. Geburtstag gelobte sie Gott die Jungfräulichkeit. Aus Angst davor, dass sie ins Kloster eintreten könnte, verlangte ihr Vater von ihr, ihre pädagogische Ausbildung fortzusetzen. Als sie schliesslich kurz vor dem Eintritt in das Ursulinenkloster in Varaždin stand, erwartete sie ein entscheidendes und unüberwindbares Hindernis. Der Arzt stellte fest, dass sie an Tuberkulose litt.
Die verbleibenden Jahre verbrachte sie mit Beten und Schreiben.
«Mein Jesus, mein Gott, für alles danke ich Dir. Dass ich mich kaum noch auf den Beinen halten kann – ist das verwunderlich? Und doch kann ich noch so viel tun.»
Dies waren die letzten Worte, die sie schrieb, während sie sich um ihren kranken Vater kümmerte.
Über sie schrieb der Jesuitenpater Josip Antolović, indem er sie in Erinnerung an grosse geistliche Persönlichkeiten erwähnte: Auch Danica gehört zum Kreis der heiligen Persönlichkeiten Zagrebs – zu jenem Zagreb der Bischöfe Kažotić und Lang, von Ivan Merz, Marica Stanković, Pater Ante Antić, Kardinal Stepinac und so vielen weiteren Helden und Heldinnen des Geistes.
Ihr Lebenszeugnis ist für uns eine grosse Ermutigung.