In der amerikanischen Kleinstadt Roslyn im Bundesstaat Washington erinnern drei kroatische Friedhöfe an die Geschichte der Auswanderer, die einst auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben in die USA kamen. Schätzungen zufolge sind dort mindestens tausend Kroaten begraben.
Roslyn liegt zwischen Wäldern und Bergen im US-Bundesstaat Washington und zählt heute weniger als tausend Einwohner. Die Stadt wurde 1886 nach der Entdeckung großer Kohlevorkommen gegründet und entwickelte sich zu einem bedeutenden Bergbauort.
Unter den zahlreichen Einwanderern befanden sich auch viele Kroaten, die vor allem in den Kohleminen und bei der Eisenbahn arbeiteten. Historischen Aufzeichnungen zufolge lebten zur Blütezeit rund 4.000 Menschen in Roslyn. Etwa die Hälfte stammte aus dem südosteuropäischen Raum, überwiegend aus Kroatien, aber auch aus Slowenien und Serbien.
Drei kroatische Friedhöfe
Eine Besonderheit Roslyns sind seine 26 historischen Friedhofsanlagen, die von unterschiedlichen ethnischen und beruflichen Gemeinschaften angelegt wurden. Drei davon gehören zur kroatischen Gemeinschaft.
Eine wichtige Rolle spielte dabei die Kroatische Brüderliche Union (Hrvatska bratska zajednica), die sich an der Finanzierung der Friedhöfe beteiligte und den Zusammenhalt der Einwanderer förderte.
Die genaue Zahl der dort bestatteten Kroaten ist nicht bekannt. Schätzungen gehen jedoch von mindestens tausend Menschen aus. Viele ärmere Einwanderer, insbesondere Kinder, wurden ohne Grabstein beigesetzt.
Auf den erhaltenen Grabsteinen finden sich bis heute kroatische Familiennamen wie Marić, Kovačević und Bebić, aber auch amerikanisierte Schreibweisen wie Maritch, Kovach und Babich. Kreuze, historische Fotografien und kroatische Symbole erinnern an die Herkunft der Verstorbenen.
Kroatische Spuren bis heute
Die Geschichte der kroatischen Einwanderer ist auch in den örtlichen Archiven, der Bibliothek und historischen Sammlungen dokumentiert.
Roslyn ist heute unter anderem als Drehort der Fernsehserie „Ausgerechnet Alaska“ bekannt. Zu seinen historischen Sehenswürdigkeiten gehört außerdem die 1889 eröffnete Brick Tavern, eine der ältesten Gaststätten im Bundesstaat Washington.
Mehr als ein Jahrhundert nach der Ankunft der ersten kroatischen Einwanderer zeugen die Friedhöfe und erhaltenen Familiennamen weiterhin von ihrem Beitrag zur Entwicklung der amerikanischen Bergbaustadt und von der Geschichte der kroatischen Auswanderung.