Der Karfreitag ist für Gläubige der zweite Tag des Ostertriduums – eine Zeit der Stille, des Innehaltens und des Gebets. Es ist der einzige Tag im Jahr, an dem keine Messe gefeiert wird, die Kirchenglocken schweigen und Fasten sowie Abstinenz verpflichtend sind.
Auf der Insel Hvar fand in der vergangenen Nacht erneut eine über fünf Jahrhunderte alte Tradition statt: die Prozession «Za križen». Sie startete um 22 Uhr gleichzeitig in sechs Ortschaften und endete am frühen Morgen.
Über den Karfreitag, Volksfrömmigkeit und die Bedeutung des Ostertriduums sprachen in der Sendung «U mreži Prvog» die ausserordentliche Professorin der Katholisch-Theologischen Fakultät, Valerija Kovač, sowie Pater Stanko Perica.
«Alle Orte leben für diese Prozession, besonders der Kreuzträger und seine Familie. Es entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, das wir heute nur noch selten erleben», sagte Pater Perica.
Neben der langen Tradition handle es sich um ein Ritual, das über fünf Jahrhunderte zurückreiche und unter dem Schutz der UNESCO stehe – ein Zeichen seiner grossen kulturellen Bedeutung. Für Gläubige habe die Prozession zudem eine tiefe spirituelle Dimension.
«Während der Prozession wird das Leiden Jesu vergegenwärtigt. Ein schweres Kreuz wird über anspruchsvolles Gelände getragen. Damit zeigen wir, dass uns Jesus nicht von den Kreuzen des Lebens befreit hat. Tragödien, Schwierigkeiten, Unglücke und der Tod gehören weiterhin zum Leben. Wenn wir diese Kreuze jedoch mit ihm tragen, erhalten sie einen Sinn», erklärte Pater Perica.
Der Karfreitag ist zudem ein Tag des Fastens.
«Fasten bedeutet, eine volle Mahlzeit einzunehmen, ohne sich zu sättigen. Es ist eine Verpflichtung, aber auch Ausdruck der Solidarität mit dem Leiden Christi und der Bereitschaft zu persönlichem Verzicht. Körperliches Fasten ist anspruchsvoll, doch geistliche Lehrer betonen, dass es den Geist reinigt, die Sinne schärft und uns zu den wesentlichen Werten zurückführt. Wir werden dadurch spirituell sensibler», erklärte Valerija Kovač.