Mehrere Zehntausend Bürger versammelten sich in Kroatien zu einer Gewerkschaftsdemonstration in Zagreb. Die Gewerkschaftsführer warnten vor Korruption und forderten höhere Löhne sowie Renten. Zugleich richteten sie eine Botschaft an die Regierung: Sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden, würden die Bürger ihre Bewertung bei den Parlamentswahlen 2028 abgeben.
Der Vorsitzende des Bundes unabhängiger Gewerkschaften Kroatiens (SSSH), Mladen Novosel, wies auf der Kundgebung die Behauptung zurück, steigende Löhne seien die Ursache der Inflation. Diese sei in den vergangenen 30 Tagen um 1,6 Prozent gestiegen und liege nun bei 4,8 Prozent, obwohl die Löhne nicht erhöht worden seien,.
Als Hauptursache für den Inflationsanstieg nannte er die Erhöhung der Energiepreise.
Die Demonstration wurde von drei Gewerkschaftsdachverbänden organisiert – SSSH, NHS und MHS – sowie vom Rentnerverband (SUH). Sie fordern eine gerechtere Verteilung der Gewinne, niedrigere Lebensmittelpreise, leistbaren Wohnraum, eine Gesellschaft ohne Korruption und Schattenwirtschaft sowie einen besseren Lebensstandard. Tausende Demonstranten aus allen Teilen Kroatiens nahmen teil.
Auf Transparenten standen unter anderem Slogans wie „Stopp der Besteuerung der Armut“, „Meine Rente ist ein Almosen“, „Wenn alles teurer wird, warum nicht unsere Arbeit?“, „Wir bauen Luxus, leben aber von Aktionen und Rabatten!“, „Wenn das Gehalt geheim ist, ist es offenbar auch eine Schande“ und „In diesem Tempo ist die einzige Erhöhung, die ich erwarten kann, die Sozialhilfe!“.
Forderungen der Gewerkschaften
Die Gewerkschaften fordern von der Regierung eine Erhöhung des Mindestlohns auf 1.100 €, des Durchschnittslohns auf 2.200 € sowie der durchschnittlichen Rente auf 1.100 € netto. Zudem verlangen sie, dass Renten wieder auf Basis der besten zehn Erwerbsjahre berechnet werden – eine Regelung, die 2010 abgeschafft wurde.
Sie weisen darauf hin, dass die Inflation in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 28 Prozent erreicht habe, die Lebensmittelpreise um 47 Prozent und die Immobilienpreise um mehr als 60 Prozent gestiegen seien. Kroatien verliere jährlich Milliarden Euro durch Korruption, so die Gewerkschaften.
Kroatien liegt innerhalb der EU bei den Lebensmittelpreisen auf Platz sechs, bei der durchschnittlichen Lohnhöhe jedoch nur auf Rang 19. Der Anteil der Lebensmittelkosten an den Lebenshaltungskosten beträgt in Kroatien 26,7 Prozent – im Vergleich zu 16,5 Prozent in Slowenien und 12,5 Prozent in Deutschland.
Beschäftigte im öffentlichen Dienst geben derzeit 75,2 Prozent ihres Nettoeinkommens für grundlegende Lebenshaltungskosten aus. Zwischen 2015 und 2024 stieg der Nettogewinn der Unternehmen um 336 Prozent, während die Durchschnittslöhne nur um 72 Prozent zunahmen.
Zudem haben rund 750.000 Rentner ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze von 617 € und kämpfen damit, Ausgaben für Wohnen, Lebensmittel, Hygiene und Kleidung zu decken. 61 Prozent von ihnen leben allein, was ihre Lage zusätzlich verschärft.
Die Konföderationssekretärin des Europäischen Gewerkschaftsbundes (ETUC), Tea Jarc, erklärte, die kroatischen Arbeitnehmer seien nicht allein – sie hätten die Unterstützung von Beschäftigten aus ganz Europa. Sie betonte, man sei heute auf der Straße, weil „etwas grundlegend nicht stimmt“.
„Man sagt uns, die Wirtschaft wachse. Man sagt uns, dies sei eine Erfolgsgeschichte. Aber lassen Sie mich fragen: Wenn die Wirtschaft wächst, warum kämpfen die Arbeitnehmer dann weiterhin ums Überleben?“, so Jarc.
Sie wies darauf hin, dass die Preise in Zagreb nahezu auf dem Niveau Sloweniens lägen, die Löhne jedoch nicht.
Die Vorsitzende der Matica hrvatskih sindikata (MHS), Sanja Šprem, betonte, es sei schmerzhaft, dass Arbeit nicht mehr für ein würdiges Leben ausreiche – erst recht nicht für Renten. Kroatien sei für seine eigenen Bürger zu teuer geworden.
Durch Korruption seien 8,5 Milliarden Euro verloren gegangen, während die Bürger die Folgen in Form von Wartelisten im Gesundheitswesen, Abwanderung junger Menschen und wachsender Ungleichheit trügen.
Die Gewerkschaften fordern unter anderem ein würdiges Leben, angemessene Löhne, starke Kollektivverträge und Perspektiven, damit junge Menschen im Land bleiben.