Seit die kroatische Antikorruptionsbehörde USKOK Anfang des Jahres Ermittlungen wegen mutmaßlicher Korruption beim Kroatischen Skiverband aufgenommen hat, geraten zunehmend weitere Sportverbände ins Visier der Behörden. Im Raum stehen Vorwürfe wie Betrug, Veruntreuung und Missbrauch öffentlicher Gelder.
Jüngster Fall ist der Kroatische Schachverband, der sich nun neben dem nationalen Judo- und Volleyballverband, auch unter der Lupe der Antikorruptionsbehörde USKOK wiederfindet. Wie der Schachverband am Dienstag mitteilte, wurde Strafanzeige gegen den ehemaligen Geschäftsführer Alojzije Janković erstattet. Ihm wird vorgeworfen, rund 190.000 Euro veruntreut zu haben.
Besondere Aufmerksamkeit erhält der Fall auch deshalb, weil Finanzminister Tomislav Ćorić den Schachverband bis vor Kurzem leitete. Während seiner Amtszeit verdoppelte das staatliche Energieunternehmen HEP sein Sponsoring. HEP zählt zu mehreren Staatsbetrieben, die finanzielle Mittel an Verbände vergeben haben, die jetzt unter Verdacht stehen. Ćorić weist jegliches Fehlverhalten zurück.
Oppositionspolitiker sehen in den Vorgängen kein Einzelfallproblem, sondern ein strukturelles Defizit. Die Abgeordnete Marijana Puljak fordert umfassende Transparenz und die Offenlegung sämtlicher Finanzdaten der Sportverbände. Zudem plädiert sie für eine zentrale Datenbank, die Zuwendungen öffentlicher Unternehmen dokumentiert.
Auch Kritik an politischem Einfluss wird laut. Der Abgeordnete Marin Miletić erklärte, viele Verbände würden faktisch politisch gesteuert und als „Geldautomaten“ missbraucht, während Sportlerinnen und Sportler ihre Kosten oft selbst tragen müssten.
Justizminister Damir Habijan begrüßte die laufenden Ermittlungen von USKOK und Polizei und sprach sich für eine umfassende Überprüfung der Finanzströme in allen Sportverbänden aus.
Auslöser der aktuellen Untersuchungen war ein groß angelegter Skandal im Kroatischen Skiverband: Über mehr als ein Jahrzehnt sollen rund 30 Millionen Euro abgezweigt worden sein. Hauptverdächtiger ist der frühere Direktor Vedran Pavlek, der sich derzeit im Ausland aufhält und den kroatischen Behörden entzieht.