Die Stimme Kroatiens

12:59 / 12.09.2026.

Autor: Antunela Rajič

Tuđmans entscheidender Schritt am 12. September: Befehl zur Einnahme der JNA-Kasernen

Tuđmans entscheidender Schritt am 12. September: Befehl zur Einnahme der JNA-Kasernen
Tuđmans entscheidender Schritt am 12. September: Befehl zur Einnahme der JNA-Kasernen
Foto: HRT / HRT

Als die militärische Führung der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) sich weigerte, ihre Truppen in die Kasernen zurückzuziehen, zog Kroatiens Präsident Franjo Tuđman die Konsequenzen: Am 12. September 1991 ordnete er die Blockade und Einnahme der JNA-Kasernen und Waffenlager in Kroatien an. Der Beschluss sollte den weiteren Verlauf des Krieges entscheidend beeinflussen. Innerhalb kurzer Zeit gelangten die kroatischen Kräfte in den Besitz grosser Mengen an Waffen, Munition und militärischem Gerät – darunter auch Dutzende Kriegsschiffe.

Ende Sommer 1991 hatte die Jugoslawische Volksarmee ihre Rolle als vermeintlich neutrale Streitkraft endgültig aufgegeben. Sie unterstützte die serbischen Aufständischen zunehmend offen und beteiligte sich gemeinsam mit ihnen am Krieg gegen die Republik Kroatien. Ortschaften und Städte im ganzen Land gerieten unter Beschuss. Fast täglich entstanden neue Krisenherde und Frontabschnitte. 

In dieser dramatischen Lage ordnete Stipe Mesić, damals Präsident des Präsidiums Jugoslawiens, an, sämtliche Militäreinheiten innerhalb von 48 Stunden in ihre Kasernen zurückzuziehen. Der Befehl richtete sich an das Bundessekretariat für Volksverteidigung unter Verteidigungsminister Veljko Kadijević.  Die militärische Führung der JNA setzte die Anordnung jedoch nicht um. 


Tuđman ordnete Blockade und Einnahme der Kasernen an


Nachdem klar war, dass die JNA dem Befehl nicht Folge leisten würde, entschied Tuđman am 12. September 1991, die Kasernen und Waffenlager der Armee auf kroatischem Staatsgebiet zu blockieren und einzunehmen. Zwei Tage später forderten die kroatischen Behörden Soldaten, Offiziere und zivile Mitarbeiter der JNA auf, die Armee zu verlassen. Kasernen im ganzen Land wurden daraufhin von der Aussenwelt abgeschnitten. Die Versorgung mit Wasser, Strom und Gas wurde unterbrochen, Telefonleitungen abgeschaltet und Lebensmittellieferungen gestoppt.


Dutzende militärische Objekte fielen innerhalb weniger Tage


Die Entwicklung nahm rasch an Fahrt auf. Innerhalb von nur sechs Tagen ergaben sich oder fielen 36 Kasernen und Waffenlager sowie weitere 26 militärische Einrichtungen in kroatische Hände. Einige Waffenlager wurden nach ihrer Einnahme von jugoslawischen Kampfflugzeugen bombardiert. Mit Unterstützung der lokalen Bevölkerung gelang es den kroatischen Einheiten jedoch, die wertvollste Ausrüstung und Bewaffnung zuvor in Sicherheit zu bringen. Besonders grosse Mengen an militärischem Gerät und Munition fielen den kroatischen Streitkräften nach den bewaffneten Aktionen in Varaždin, Bjelovar und Ploče in die Hände. Während einige Kasernen erst nach langwierigen Verhandlungen geräumt wurden, blieben andere bis zum Waffenstillstand von Sarajevo im Jahr 1992 unter Kontrolle der JNA.


Mit der Einnahme begann auch der Aufbau der Kroatischen Kriegsmarine


Nur zwei Tage nach Tuđmans Entscheidung, am 14. September 1991, ernannte der Präsident Admiral Sveto Letica zum Kommandanten der Kroatischen Kriegsmarine. Damit begann offiziell der Aufbau der neuen kroatischen Seestreitkräfte. Das erste Schiff der Flotte war das Landungs- und Angriffsboot 103, das einen Tag später während einer Überholung in Vela Luka übernommen wurde. In der Kaserne Kuline bei Šibenik wurden 15 Schiffe erbeutet. Gleichzeitig übernahmen Mitarbeiter des Marine-Technischen Reparaturwerks Velimir Škorpik den Betrieb und sicherten weitere 19 Kriegsschiffe und Wasserfahrzeuge.


Kroatien übernahm rund einen Viertel der jugoslawischen Kriegsflotte


Insgesamt 34 in Šibenik übernommene Kriegsschiffe entsprachen rund einem Viertel der gesamten Flotte der jugoslawischen Kriegsmarine. Gemeinsam mit den Besatzungen der Küstenbatterien, Spezialeinheiten sowie zivilen Schiffen und Schnellbooten trugen diese Einheiten dazu bei, die Seeblockade zu durchbrechen und die jugoslawischen Kräfte aus weiten Teilen der kroatischen Adria zurückzudrängen.

Tuđmans entscheidender Schritt am 12. September: Befehl zur Einnahme der JNA-Kasernen

Tuđmans entscheidender Schritt am 12. September: Befehl zur Einnahme der JNA-Kasernen

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