Die Stimme Kroatiens

20:02 / 11.09.2026.

Autor: Antunela Rajič

Kroatien ist ihre Heimat geworden: Amerikanerin erklärt, wovor Rückkehrer am meisten Angst haben

 Sara Dyson
Sara Dyson
Foto: Globalna Hrvatska / HRT

Für viele Menschen mit kroatischen Wurzeln klingt eine Rückkehr oder ein Umzug nach Kroatien zunächst einfach. Doch spätestens bei der Bürokratie, den zahlreichen Verfahren und der Frage, wo man überhaupt anfangen soll, wird deutlich, wie anspruchsvoll ein solcher Schritt sein kann.



Genau deshalb können sich  Kroaten im Ausland bald bei kostenlosen Workshops über den Erwerb der kroatischen Staatsbürgerschaft und einen Umzug nach Kroatien informieren. Die Workshops finden in Los Angeles, San Francisco, Seattle, Calgary und Dallas statt und werden von Sara Dyson, der Gründerin der Plattform Expat in Croatia, organisiert.


Dyson weiss aus eigener Erfahrung, wie herausfordernd ein Umzug nach Kroatien sein kann. Sie zog 2012 nach Kroatien und wusste damals nach eigenen Angaben fast nichts über das System und die notwendigen Schritte. Heute möchte sie mit ihrer Plattform Menschen, die über eine Rückkehr oder einen Umzug nach Kroatien nachdenken, genau die Informationen bieten, die ihr selbst damals gefehlt haben.


Die grösste Herausforderung ist nicht die Bürokratie

Auf die Frage, wo Menschen bei einem Umzug und der Anpassung an das Leben in Kroatien am häufigsten Schwierigkeiten haben – sei es bei der Arbeit, der Schulbildung der Kinder, dem Gesundheitswesen, dem Wohnen, den Steuern oder der Verwaltung –, sagt Sara Dyson: All diese Bereiche seien Herausforderungen, doch eine Frage stehe über allen anderen.


Wie soll man seinen Lebensunterhalt verdienen?

Gerade diese Frage halte viele Menschen aus der kroatischen Diaspora von einer Rückkehr ab. Dabei gehe es darum, ob sie weiterhin remote arbeiten können, eine Arbeitsstelle in Kroatien finden oder welche Möglichkeiten sie haben, wenn sie die kroatische Sprache nicht sprechen. 

Besonders Rückkehrer aus Nordamerika sorgen sich über die niedrigeren Löhne in Kroatien. Viele können sich nur schwer vorstellen, mit einem kroatischen Gehalt zu leben, da sie einen anderen Lebensstandard gewohnt sind. 

Sara Dyson sieht das jedoch anders. 

Entscheidend sei nicht allein, wie viel man verdiene, sondern wie viel am Ende des Monats übrig bleibe und welche Lebensqualität man habe.


Nicht unbedingt für jemand anderen arbeiten

Sara Dyson ermutigt Menschen aus der Diaspora zudem, über das Leben in Kroatien aus einer anderen Perspektive nachzudenken. 

Sie müssten nicht unbedingt eine Anstellung suchen und für jemanden arbeiten. Eine Möglichkeit sei auch, ein eigenes Unternehmen aufzubauen oder einen bestehenden Betrieb zu übernehmen. 

Gerade Unternehmen, deren Eigentümer in den Ruhestand gehen, könnten für neue Unternehmerinnen und Unternehmer interessant sein. So könnten bestehende Betriebe weitergeführt und gleichzeitig neue Arbeitsplätze und Perspektiven geschaffen werden.  Auf die Frage, ob Menschen in Kroatien ein gutes und angenehmes Leben führen können, ist ihre Antwort klar: Sie glaubt, dass dies möglich ist.


Ohne Informationen nach Kroatien gekommen

Sara Dyson zog 2012 aus Texas nach Kroatien. Heute sagt sie, dass sie vieles anders gemacht hätte – vor allem hätte sie gerne früher mehr über Kroatien und das Leben dort gewusst. Von Kroatien erfuhr sie nach eigenen Angaben erst 2011. Als sie im Land ankam, wusste sie kaum, was sie erwartete. Eine Frau, die ihr bei der Suche nach ihrer ersten Wohnung in Split half, begleitete sie auch zur Steuerverwaltung, um eine persönliche Identifikationsnummer, den OIB, zu beantragen. Anschliessend ging es zur Polizei, um den Antrag auf einen Aufenthaltstitel einzureichen. Damals habe es kaum Informationen für Menschen wie sie gegeben. Deshalb sei sie Schritt für Schritt vorgegangen und habe jeweils das getan, was von ihr verlangt wurde.


„Die Kroaten haben mich herzlich aufgenommen“

Besonders geholfen habe ihr, dass sie von den Menschen in Kroatien herzlich aufgenommen worden sei. Die Kroatinnen und Kroaten hätten ihr viel geholfen, wodurch ihr der Neuanfang leichter gefallen sei. Sie wusste, dass das System anders sein würde, doch gerade das sei auch Teil des Abenteuers gewesen. Aus ihrem eigenen Bedürfnis nach Informationen entstand zunächst ein Blog und später die Plattform Expat in Croatia.


Kostenlose Workshops über Staatsbürgerschaft und Umzug

Über ihre Plattform organisiert Sara Dyson nun eine Tour für potenzielle Rückkehrerinnen, Rückkehrer und Zuwanderer. Die Workshops sind kostenlos und finden in Los Angeles, San Francisco, Seattle, Calgary und Dallas statt. 

Jeder Workshop beginnt mit einer 90-minütigen Präsentation. Anschliessend gibt es 30 Minuten Zeit für Fragen und Antworten mit Sara Dyson und einem kroatischen Anwalt. Besprochen werden unter anderem Fragen rund um die kroatische Staatsbürgerschaft, Steuern, Gesundheitsversorgung, Wehrdienst und Beschäftigungsmöglichkeiten. Obwohl die Tour den Schwerpunkt auf die Staatsbürgerschaft legt, geht es auch ausführlich um das Thema Umzug nach Kroatien. Denn immer mehr Menschen aus der kroatischen Diaspora denken über ein Leben in ihrer alten oder neuen Heimat nach.


84 Prozent denken über einen Umzug nach

Bereits im vergangenen Jahr organisierte Sara Dyson ihre erste Tour zum Thema Staatsbürgerschaft. Sie besuchte dabei die Region Toronto sowie Pittsburgh, Cleveland und Chicago. Insgesamt nahmen 530 Personen an den Veranstaltungen teil. Die Teilnehmenden wurden gefragt, ob sie darüber nachdenken, nach Kroatien zu ziehen. 84 Prozent antworteten mit Ja. Für Sara Dyson ist das eine bemerkenswert hohe Zahl. Interesse allein bedeute jedoch noch nicht, dass Menschen tatsächlich bereit seien, diesen Schritt zu gehen.


Ein grosses Problem sei der Mangel an Informationen.


Viele Menschen wüssten beispielsweise nicht, dass sie unter bestimmten Voraussetzungen bereits vor dem Erwerb der Staatsbürgerschaft in Kroatien leben können. Auch steuerliche Erleichterungen, finanzielle Unterstützung für die Gründung eines Unternehmens oder Stipendien zum Erlernen der kroatischen Sprache seien vielen nicht bekannt. Das Ziel der Workshops sei es deshalb, alle wichtigen Informationen an einem Ort bereitzustellen und konkrete Fragen zu beantworten.


Sara Dyson wartet noch auf die kroatische Staatsbürgerschaft 

Obwohl sie bereits seit vielen Jahren in Kroatien lebt, besitzt Sara Dyson noch immer nicht die kroatische Staatsbürgerschaft. Ihre Situation sei jedoch besonders. Sie habe keine kroatischen Wurzeln und könne deshalb keinen Antrag aufgrund ihrer Abstammung stellen. Ein Antrag aufgrund ihres langjährigen Aufenthalts wäre grundsätzlich möglich gewesen. Dies hätte für sie jedoch bedeutet, die amerikanische Staatsbürgerschaft aufzugeben.  Dazu sei sie nicht bereit. Deshalb hat sie einen Antrag aufgrund eines besonderen Interesses für Kroatien gestellt. In diesem Verfahren muss sie nachweisen, dass ihre Einbürgerung im Interesse des Landes liegt und dass sie einen besonderen Beitrag für Kroatien leistet. Den Antrag reichte sie im Juli 2022 ein. Ihre Unterlagen umfassten 147 Seiten, später folgten weitere Dokumente über ihre bisherigen Aktivitäten. Das Verfahren sei langwierig und nicht immer klar nachvollziehbar. Dennoch hofft Sara Dyson weiterhin auf eine positive Entscheidung. Für sie wäre es, wie sie sagt, die grösste Ehre ihres Lebens, kroatische Staatsbürgerin zu werden.


„Kroatien ist mein Zuhause“

Sara Dyson kam aus Texas nach Kroatien und hatte zunächst keine Verbindung zum Land. Entscheidend für ihre Entscheidung zu bleiben, sei von Anfang an die Gemeinschaft gewesen. Die Menschen in Kroatien hätten ihr Freundlichkeit, Grosszügigkeit und eine besondere Lebensfreude gezeigt. Das sei für sie neu gewesen. In Kroatien habe sie eine andere Art zu leben kennengelernt – mit mehr Gemeinschaft, persönlichen Beziehungen und Zeit für das Leben ausserhalb der Arbeit. 

„Ich habe hier keine Wurzeln. Aber Kroatien ist mein Zuhause“, sagt Sara Dyson. 

Und sie hofft, dass es bis ans Ende ihres Lebens so bleiben wird.

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