Die Stimme Kroatiens

16:39 / 09.07.2026.

Autor: Tonči Petrić

Vor 25 Jahren: Goran Ivanišević schrieb mit seinem Wimbledon-Triumph Sportgeschichte

Goran Ivanišević bei seinem Empfang in Split
Goran Ivanišević
Foto: Bozidar Vukicevic / CROPIX

Am 9. Juli 2001 erlebte der kroatische Sport einen seiner größten Momente: Goran Ivanišević gewann nach einem unvergesslichen Finale gegen den Australier Patrick Rafter den Titel in Wimbledon. Mit einem 6:3, 3:6, 6:3, 2:6, 9:7-Erfolg erfüllte sich der Kroate nach jahrelangen Rückschlägen endlich seinen größten Traum.

Der Wimbledon-Sieg war der krönende Abschluss einer langen und emotionalen Reise. Bereits dreimal zuvor hatte Ivanišević im Finale des prestigeträchtigsten Tennisturniers der Welt gestanden – 1992 unterlag er Andre Agassi, 1994 und 1998 musste er sich Pete Sampras geschlagen geben.


Als er 2001 nach London reiste, glaubte kaum jemand an seinen Triumph. Der damals nur auf Rang 125 der Weltrangliste geführte Kroate erhielt lediglich eine Wildcard der Organisatoren, da seine Platzierung nicht für die direkte Qualifikation zum Hauptfeld ausreichte. Rückblickend erwies sich diese Einladung als eine der bedeutendsten Wildcards der Tennisgeschichte.


Ein märchenhafter Weg ins Finale


Der Weg zum Titel war alles andere als einfach. Ivanišević setzte sich nacheinander gegen Fredrik Jonsson, Carlos Moyá, Andy Roddick, Greg Rusedski und im Viertelfinale gegen Marat Safin durch.


Im Halbfinale wartete mit Tim Henman der große britische Publikumsliebling. Nach einem dramatischen Match, das sich aufgrund von Regen über drei Tage erstreckte, besiegte Ivanišević den Engländer in fünf Sätzen und zog zum vierten Mal in ein Wimbledon-Finale ein.


Die vierte Matchballchance für die Ewigkeit


Im Endspiel gegen Patrick Rafter entwickelte sich eines der denkwürdigsten Finals der Wimbledon-Geschichte.


Die Entscheidung fiel erst im fünften Satz. Beim Stand von 8:7 servierte Ivanišević zum Matchgewinn. Nach zwei Doppelfehlern erreichte die Spannung ihren Höhepunkt. Doch bei seinem vierten Matchball behielt der Kroate die Nerven. Rafter setzte den letzten Ball ins Netz – und Goran Ivanišević war endlich Wimbledon-Champion.


Nach zehn Jahren des Wartens, drei verlorenen Finals und zahlreichen Enttäuschungen durfte er den begehrten Pokal endlich in die Höhe stemmen.


Mit diesem Erfolg schrieb er gleich mehrfach Geschichte: Er wurde der erste Kroate, der den Einzeltitel in Wimbledon gewann, der erste Grand-Slam-Sieger überhaupt, der das Turnier mit einer Wildcard gewann, sowie der am niedrigsten platzierte Wimbledon-Champion.


Ein emotionaler Empfang und die Widmung an Dražen Petrović


Nach dem historischen Triumph folgten unvergessliche Szenen in seiner Heimat. Am 10. Juli bereiteten ihm in Split mehr als 100.000 Menschen einen begeisterten Empfang.


Unmittelbar nach seinem Sieg widmete Ivanišević den Titel seinem verstorbenen Freund Dražen Petrović.


„Ich weiß nicht, ob das alles nur ein Traum ist. Ich hoffe, dass mich morgen niemand aufweckt und sagt, dass das nie passiert ist. Dieser Sieg ist für Dražen Petrović. Ich hoffe, dass er mich von oben sieht. Er war der Größte.“


Bei seiner Rückkehr nach Split trug Ivanišević das Trikot der New Jersey Nets von Dražen Petrović. Nach dem größten Erfolg seiner Karriere sagte er:


„Egal, was ich im Leben tue und wohin ich gehe – ich werde immer Wimbledon-Sieger sein.“


Sein Triumph war weit mehr als ein sportlicher Erfolg. Er wurde zu einer Geschichte über Ausdauer, Hoffnung und den Glauben daran, dass selbst scheinbar Unmögliches Wirklichkeit werden kann – und gilt bis heute als eines der größten Wunder der Tennisgeschichte.

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