Kroatien hat die sterblichen Überreste von rund 500 Opfern des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit aus Slowenien übernommen. Die Überführung gilt als bedeutender humanitärer und zivilisatorischer Schritt, damit die Opfer nach acht Jahrzehnten würdig in ihrer Heimat bestattet werden können.
Die offizielle Übergabe fand im Gedenkpark Dobrava bei Maribor statt. Von dort wurden die sterblichen Überreste nach Macelj in Kroatien transportiert.
Die sterblichen Überreste stammen aus mehreren Massengräbern in Slowenien und wurden in den vergangenen Jahren exhumiert. Laut den slowenischen Behörden handelt es sich um etwa 500 Menschen, deren Überreste bisher in einem Beinhaus in Maribor aufbewahrt wurden.
Wie der kroatische Veteranenminister Tomo Medved erklärte, handelt es sich ausschliesslich um Männer im Alter zwischen 18 und 40 Jahren, darunter auch Minderjährige. An den Überresten seien deutliche Spuren gewaltsamen Todes festgestellt worden, darunter Schussverletzungen und Knochenbrüche.
Vor der Überführung wurden im Gedenkpark Kränze niedergelegt und Kerzen entzündet. Slowenische und kroatische Geistliche hielten Gebete und segneten die Särge. Anschliessend fuhren die Fahrzeuge über den Grenzübergang Gruškovje nach Kroatien.
Minister Medved betonte, dass die Übernahme der ersten 500 Opfer Teil eines langfristigen Prozesses sei. In Slowenien gebe es weiterhin zahlreiche Massengräber aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
Derzeit laufen Untersuchungen an mehreren weiteren Standorten, unter anderem in Crngrob bei Škofja Loka.
Die Exhumierungen fanden zwischen 2013 und 2017 statt. Die meisten Opfer wurden in Košnica bei Celje gefunden. Weitere Fundorte waren Trebče, Podstenice/Rugarski klanci sowie Cerklje ob Krki.
Eine individuelle Identifizierung der Opfer wird laut Medved kaum möglich sein, da viele sterbliche Überreste stark fragmentiert sind. Geplant ist jedoch eine detaillierte anthropologische Untersuchung.
Die kroatische Regierung erklärte, die Überführung sei ein Akt des Respekts gegenüber Menschen, die ohne Gerichtsverfahren getötet wurden und jahrzehntelang aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden waren.
Minister Medved betonte, dass jede Opfergruppe unabhängig von ihrer Herkunft ein Recht auf Wahrheit und ein würdiges Begräbnis habe. Gleichzeitig verurteilte er alle totalitären Regime des 20. Jahrhunderts – den Nationalsozialismus, den Faschismus und den Kommunismus.
Kroatien wolle die Suche nach weiteren Massengräbern systematisch fortsetzen. Priorität habe jedoch weiterhin die Aufklärung des Schicksals der Vermissten aus dem Kroatienkrieg der 1990er-Jahre.