Fra Šimun Šito Ćorić, Franziskaner, Schriftsteller, Psychologe, Musiker und während Jahrzehnten eine wichtige Stütze für Kroatinnen und Kroaten in aller Welt, hat bekanntgegeben, dass er nach mehr als einem halben Jahrhundert Leben und Wirken im Ausland definitiv in die Heimat zurückkehrt – ins Franziskanerkloster in Mostar sowie in sein Heimatdorf Paoča in der Herzegowina.
Die Nachricht über seine Rückkehr hat zahlreiche Kroatinnen und Kroaten in der Diaspora tief berührt – besonders jene, die mit ihm aufgewachsen sind, bei ihm Trost, Rat oder aufmunternde Worte gesucht haben oder dank ihm ein Stück Heimat fern der Heimat fanden. Denn für viele war Fra Šito nie «nur ein Priester». Er war ein Mensch, der zuhören konnte, Verständnis zeigte und jedem auf Augenhöhe begegnete.
Er dankte allen, die ihn während Jahren zu Begegnungen, Vorträgen und Auftritten eingeladen, begleitet und unterstützt haben – von Neuseeland und Australien über Kanada, Nord- und Südamerika bis nach Südafrika und Europa. Wo immer er wirkte, versuchte er, Kroatinnen und Kroaten zu verbinden, ihnen Mut zu machen und dabei zu helfen, in der Fremde das Wichtigste nicht zu verlieren: den Glauben, die Sprache, das Gemeinschaftsgefühl und die Verbundenheit mit der Heimat.
Fra Šimun Šito Ćorić wurde 1949 in Paoča bei Međugorje geboren. Sein Lebensweg führte ihn weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus. Er studierte Theologie, Psychologie und Philosophie in Sarajevo, Luzern, Washington und New York, promovierte in klinischer Psychologie und wurde zu einem der bekanntesten und bestausgebildeten kroatischen Franziskaner in der Diaspora. Trotz aller Titel blieb er für die Menschen einfach: Šito.
Während vieler Jahre wirkte er in der Schweiz als Leiter der Kroatischen katholischen Mission in Solothurn. Gerade dort hinterliess er tiefe Spuren. Aus einer kleinen Gemeinschaft entstand unter seiner Leitung eine der aktivsten kroatischen Missionen der Schweiz. Die Mission war nicht nur ein Ort des Gebets, sondern für viele ein zweites Zuhause. Neben dem geistlichen Leben entwickelten sich Folkloregruppen, Sportaktivitäten, Jugendtreffen, Familienanlässe und zahlreiche kulturelle Programme.
Fra Šito verstand es, den Menschen das Leben in der Fremde zu erleichtern. Viele werden sich an seine warmen Worte nach der Messe erinnern, an Predigten, die Herzen berührten, an Lieder mit der Gitarre und an Gespräche, in denen er Menschen oft besser verstand als irgendjemand sonst. Nicht ohne Grund war er unter Kroatinnen und Kroaten in der Diaspora als «der Pater mit der Gitarre» bekannt. Seine geistlichen Lieder, Vorträge und Auftritte haben das Leben Tausender geprägt.
Besonders gut verstand er die Herausforderungen des Lebens in der Emigration. Als Psychologe und langjähriger Seelsorger sprach er oft über Heimweh, Einsamkeit und innere Konflikte von Menschen, die fern der Heimat leben. Gerade deshalb waren seine Worte nicht bloss Predigten, sondern Trost und Ermutigung für jene, die versuchten, zwischen zwei Heimaten ihren Platz zu finden.
Er war zudem Präsident des Kroatischen Weltkongresses und setzte sich unermüdlich dafür ein, kroatische Gemeinschaften weltweit zu vernetzen sowie kroatische Identität, Kultur und Zusammenhalt zu fördern. Ebenso motivierte er seine Gemeindemitglieder immer wieder zu humanitären Aktionen und zur Unterstützung Bedürftiger – sowohl in der Heimat als auch anderswo. Zahlreiche Hilfsprojekte und gemeinsame Aktionen innerhalb der Diaspora stärkten dank seines Engagements das Gemeinschaftsgefühl und die Verantwortung gegenüber dem eigenen Volk.
Mit Büchern, Poesie, Musik und Vorträgen hinterliess Fra Šito einen bleibenden Eindruck unter Kroatinnen und Kroaten in aller Welt.
Als eine der Gläubigen, die Gelegenheit hatten, Fra Šito zuzuhören, kann ich sagen: Vielen werden seine Einfachheit, seine Wärme und das Gefühl fehlen, von jemandem aufrichtig verstanden zu werden. In einer Zeit, in der viele fern der Heimat ein Zuhause suchten, verstand er es, Menschen ein Gefühl der Zugehörigkeit zu geben. Er verband Menschen, schenkte Hoffnung und erinnerte daran, wie wichtig es ist, Mensch zu bleiben.
Seine Rückkehr in die Herzegowina ist nicht nur der Abschied eines Priesters aus der Diaspora. Sie markiert auch das Ende eines bedeutenden Kapitels im Leben vieler kroatischer Familien, die mit ihm ihre Gemeinschaft im Ausland aufgebaut haben. Doch das, was er den Menschen hinterlässt – Worte, Glauben, Musik, Menschlichkeit und Gemeinschaftssinn – bleibt dauerhaft in den Herzen vieler Kroatinnen und Kroaten weltweit verankert.