Die Stimme Kroatiens

15:14 / 03.05.2026.

Autor: Natali Tabak Gregorić

Projekt über die Opfer des 20. Jahrhunderts nach festen wissenschaftlichen Kriterien

Kroatisches Institut für Geschichte
Kroatisches Institut für Geschichte
Foto: wikipedia.hr / /

Das Projekt „Žrtve ratova i političkog nasilja u Hrvatskoj tijekom 20. stoljeća/ Opfer von Kriegen und politischer Gewalt in Kroatien im 20. Jahrhundert“ wird nach festen wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt, teilen das Kroatische Institut für Geschichte jüngst mit.

Der Staat finanziert das Projekt mit 1,7 Millionen Euro


Nachdem 2017 der Rat zur Bewältigung der Folgen der Herrschaft undemokratischer Regime gegründet wurde und letztes Jahr die Kommission zur Feststellung des Schicksals der Opfer von Verbrechen, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg begangen wurden, hat die Regierung auch ein wissenschaftliches Projekt "Opfer von Kriegen und staatlicher/politischer Gewalt in der kroatischen Geschichte des 20. Jahrhunderts" gestartet. Es wird vom Kroatischen Institut für Geschichte durchgeführt und koordiniert.



„Die Initiative für das Projekt entstand aus der Synergie und der langjährigen Zusammenarbeit unseres Instituts und des Kroatischen Memorial- und Dokumentationszentrums des Unabhängigkeitskrieges. Die Idee entstand schon viel früher. Nachdem sie der Regierung vorgestellt wurde, wurde das Projekt zur Finanzierung angenommen, wofür wir ihr dankbar sind“, erklärten die Vertreter des Instituts für Geschichte.



Kriege, Revolutionen, politische Veränderungen und ideologische Kämpfe haben tiefe Spuren in der kroatischen Gesellschaft hinterlassen, und Forschungen über die Opfer dieser Konflikte sind oft politischen Interpretationen und ideologischen Spaltungen unterworfen, betonen die Vertreter des Instituts weiter.


Deshalb soll dieses Projekt, so auch die Regierung, zu einem besseren Verständnis und zur Überwindung der negativen Folgen der Vergangenheit, zur Verbesserung der demokratischen und humanistischen Identität des Landes sowie zur Entwicklung einer Kultur des Dialogs und der Erinnerungspolitik beitragen.


Das Hauptziel des Projekts ist die systematische und wissenschaftlich fundierte Erforschung, Dokumentation und Analyse der Opfer von Kriegen und staatlicher/politischer Gewalt im 20. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Kroatien und der Staaten, deren Teil es war.


Untersucht werden sollen die Opfer aus der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs, der Nachkriegszeit, der Zeit des kommunistischen Jugoslawiens sowie des Unabhängigkeitskriegs, wobei der Schwerpunkt auf der Feststellung der Identität der Opfer, den Umständen ihres Leidens sowie der Analyse des breiteren gesellschaftlichen und politischen Kontextes von Gewalt und Repression liegt.



Institut: Projekt nach festen wissenschaftlichen Kriterien


Die Frage, die sich stellt, ist, ob mit seinem Abschluss ein Punkt hinter die ideologischen Debatten gesetzt wird oder Bedingungen für neue geschaffen werden.


„Wie die mediale und öffentliche Wahrnehmung des Projekts sein wird, können wir nicht wissen, aber was wir versprechen können, ist, dass das Projekt nach festen wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt wird und so zu einem besseren und umfassenderen Verständnis der Problematik der Opfer des 20. Jahrhunderts beiträgt. Wir sind der Ansicht, dass nur wissenschaftlich fundierte Daten die Grundlage für eine fundierte Auseinandersetzung mit diesen traumatischen Themen unserer Vergangenheit sein sollten“, heißt es aus dem Institut.

Aus dem Institut weisen sie darauf hin, dass es eine Fülle von Projekten und einzelnen Institutionen gibt, die sich mit der Problematik der Opfer des 20. Jahrhunderts in den Ländern Europas beschäftigen, dass diese jedoch meist memoralen Charakters sind, „und nicht so umfassend wissenschaftlich-forschend wie unseres“. 


„Die meisten anderen Projekte befassen sich normalerweise mit den Opfern eines oder zweier Regime gleichzeitig, einem Krieg oder einem kürzeren Zeitraum, während in unserem Fall das gesamte 20. Jahrhundert und alle Kriege und Regime, die Spuren in der kroatischen Geschichte hinterlassen haben, im Mittelpunkt stehen“, bekräftigten Vertreter des Instituts.


Vom Institut wird des Weiteren betont, dass das Kroatische Memorial- und Dokumentationszentrum des Unabhängigkeitskriegs bisher einen bedeutenden Beitrag zur Identifizierung und Dokumentation von Kriegsopfern aller Nationalitäten geleistet hat, die Forscher jedoch mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert sind, wie der Nichtverfügbarkeit bestimmter Archivquellen oder dem „Wirken einzelner gesellschaftlicher Gruppen, die versuchen, die Geschichte zu instrumentalisieren und Druck auf Institutionen und Einzelpersonen ausüben, die die Geschichte erforschen“.



Digitale Datenbank über Gefallene, Ermordete und Vermisste


Dieses Projekt wird fünf Jahre dauern, nach denen, so glauben sie, die Grundlagen für weitere Arbeiten an diesem wichtigen Thema gelegt sein würden. Im Rahmen des Projekts ist die Arbeit von etwa 15 Wissenschaftlern und Fachmitarbeitern vorgesehen, von denen, so sagen sie, die meisten neu im Wissenschaftssystem beschäftigt werden, und die Arbeit wird durch Ratschläge, Erfahrungen und Wissen auch von anderen relevanten Wissenschaftlern der kroatischen Universitäten sowie weiterer in- und ausländischer wissenschaftlicher Institute unterstützt.



Besonderer Wert wird auf die Erstellung einer umfassenden digitalen Datenbank über getötete, ermordete und vermisste Personen gelegt, die bisherige Forschungen zusammenführen und deren weitere Erweiterung und Überprüfung ermöglichen wird.



Die Ergebnisse des Projekts werden in relevanten nationalen und internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften sowie durch spezielle Publikationen und öffentliche Präsentationen veröffentlicht.



Im Projekt wird auch an der Auffindung und Kennzeichnung von Tatorten und Massengräbern gearbeitet sowie an der Sicherstellung einer würdigen Bestattung der Opfer.


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