Die Stimme Kroatiens

17:43 / 17.10.2026.

Autor: Glas Hrvatske

Plenković in Drvar: Die katholische Kirche hat das Überleben des kroatischen Volkes bewahrt

Illustration
Illustration
Foto: - / HINA

Nach Jahrzehnten des Wartens, des Leidens und des Kampfes um einen eigenen Gebetsraum haben die katholischen Kroaten in Drvar endlich die Weihe der neuen Pfarrkirche St. Joseph erlebt. An den Feierlichkeiten, die rund 500 Gläubige versammelten, nahm auch der kroatische Premierminister Andrej Plenković teil. Er betonte, dass Kroatien die Bewahrung der kroatischen Identität in Bosnien und Herzegowina weiterhin unterstützen werde. Die neue Kirche ist ein Symbol des Glaubens, des Überlebens und des Zusammenhalts des kroatischen Volkes in einer Region, die von schweren historischen Leiden geprägt ist.

Nach Jahrzehnten des Wartens: Großer Wunsch der Gläubigen erfüllt


Die feierliche Weihe der neuen Pfarrkirche St. Joseph wurde vom Banjalukaer Bischof Željko Majić geleitet. Sie fand am 120. Jahrestag der Gründung der Pfarrei Drvar und am 30. Jahrestag der Wiederbelebung des kirchlichen Lebens nach dem letzten Krieg in Bosnien und Herzegowina statt.

Für die kroatisch-katholische Gemeinschaft in Drvar hat dieser Tag eine ganz besondere Bedeutung. Nach Jahren des Gebets in improvisierten Räumen, zahlreichen Hindernissen und langem Warten haben die Gläubigen endlich ihre eigene Kirche erhalten.

„Nach so vielen Mühen, Versuchen, Anstrengungen und allem anderen haben wir diesen Tag der Weihe der neuen Pfarrkirche St. Joseph in Drvar erlebt. Die Kirche ist nicht an Zahlen gebunden, sie lebt nicht von der Anzahl, sondern vom Glauben. Hier gibt es zwar nur eine kleine Zahl von Gläubigen, aber dies ist eine lebendige Kirche“, sagte Bischof Majić.


Plenković: Kroatien hilft den Kroaten in Bosnien und Herzegowina weiterhin


Premierminister Andrej Plenković hob die Bedeutung der Bewahrung der kroatisch-katholischen Identität in der Region Drvar hervor und bekräftigte die fortlaufende Unterstützung durch die kroatische Regierung.

„Wir freuen uns, dass wir als Regierung über unser Zentrales Staatsamt für Kroaten außerhalb Kroatiens an der Kofinanzierung dieses wichtigen Projekts mitgewirkt haben“, sagte Plenković.

Er betonte, dass die katholische Kirche über Jahrhunderte hinweg die Identität und das Überleben des kroatischen Volkes in diesem Gebiet bewahrt habe, und brachte den Wunsch zum Ausdruck, dass die neue Kirche ein Ort der Begegnung, des Zusammenhalts, des Friedens und des Zusammenlebens wird.

An den Feierlichkeiten nahm auch die Vorsitzende des Ministerrats von Bosnien und Herzegowina, Borjana Krišto, teil. Sie dankte der kroatischen Regierung für die Unterstützung der Kroaten in Bosnien und Herzegowina.

Begleitet wurde Premierminister Plenković vom stellvertretenden Premierminister und Minister für kroatische Veteranen Tomo Medved, dem Minister für Arbeit, Rentensystem, Familie und Sozialpolitik Alen Ružić sowie dem Staatssekretär des Zentralen Staatsamtes für Kroaten außerhalb der Republik Kroatien, Zvonko Milas.


Eine Geschichte des Leidens: Mehr als 650 Katholiken getötet


Die Geschichte der kroatisch-katholischen Gemeinschaft in Drvar ist von zahlreichen Tragödien und Unterbrechungen des religiösen Lebens geprägt.

Nach Angaben der Diözese Banjaluka wurden im Juli 1941 in den Pfarreien Drvar, Bosansko Grahovo und Krnjeuša mehr als 650 Katholiken getötet – größtenteils Kroaten und überwiegend Zivilisten.

Unter den Opfern befanden sich auch drei Pfarrer: Waldemar Maksimilijan Nestor in Drvar, Juraj Gospodnetić in Bosansko Grahovo und Krešimir Barišić in Krnjeuša. Zusammen mit Barišić wurden auch drei Seminaristen getötet.

Der Pfarrer von Drvar, Nestor, wurde während einer Zugfahrt von Knin nach Drvar zusammen mit anderen Gläubigen bei einem Angriff serbischer Aufständischer getötet, die sich später als Tschetniks formierten.

Die in den 1930er Jahren errichtete katholische Kirche wurde 1949 vollständig abgerissen.

Die neue Kirche wird auch als Gedenkkirche für die Kriegsopfer dieser Region dienen. In ihren Altar wurden Reliquien des seligen Miroslav Bulešić eingemauert – eines istrischen Priesters, der 1947 ermordet wurde.


Kroatische und katholische Wurzeln reichen über tausend Jahre zurück


Die katholische Präsenz in der Region Drvar ist weitaus älter als die heutige Pfarrei.

Wie Don Davor Klečina berichtet, wird ein archäologischer Fund aus den Überresten einer mittelalterlichen katholischen Kirche – das Fragment einer Altarschranke mit altkroatischen Flechtwerk-Motiven – auf das 9. Jahrhundert datiert.

Die heutige Pfarrei St. Joseph wurde 1906 gegründet, in einer Zeit des starken industriellen Aufschwungs von Drvar. Der bayerische Unternehmer Otto von Steinbeis baute die dortige Holzindustrie auf. Die Entwicklung von Sägewerken und einer Schmalspurbahn zog Arbeiter aus verschiedenen Teilen von Österreich-Ungarn an, darunter viele Katholiken.

Nach der osmanischen Eroberung war die kroatisch-katholische Bevölkerung in diesem Gebiet fast vollständig verschwunden; eine Wiederbesiedlung erfolgte erst unter österreichisch-ungarischer Verwaltung.


Vertriebene Kroaten bauten das religiöse Leben wieder auf, warteten aber Jahrzehnte auf eine Kirche


Nach dem jüngsten Krieg in Bosnien und Herzegowina kamen 1996 vertriebene Kroaten aus 48 verschiedenen Gemeinden, hauptsächlich aus Zentralbosnien, nach Drvar. Mit ihrer Ankunft wurde auch das katholische Gemeindeleben wiederbelebt. Eine eigene Kirche gab es jedoch nicht.

Die Messen wurden jahrelang in provisorischen Räumlichkeiten gefeiert, unter anderem im ehemaligen Sokol-Heim, das später als „Dom Partizan“ bekannt wurde.

Der Weg zur neuen Kirche war geprägt von langjährigen Bemühungen um Grundstücke und Genehmigungen, aber auch von Anfechtungen, der Missachtung von Gerichtsentscheidungen und Verboten durch die lokalen Behörden.

Der Bau konnte schließlich im Jahr 2021 beginnen.


Die neue Kirche als Symbol des Überlebens und der Hoffnung


Für die Kroaten, die in Drvar geblieben sind, dort Familien gegründet und ihren Glauben sowie ihre Identität bewahrt haben, ist die Kirchweihe weit mehr als ein rein religiöses Fest.

Sie steht als Symbol für jahrzehntelanges Warten, das Gedenken an die Opfer und als Zeichen der Hoffnung für die Zukunft der kroatischen Gemeinschaft. Bischof Majić dankte allen Institutionen, die den Bau ermöglicht haben, und betonte, dass die lokale Bevölkerung Ermutigung und das Gefühl brauche, nicht vergessen zu sein.

So wird die neue St.-Josephs-Kirche zu einem dauerhaften Ort des Gebets und der Gemeinschaft, aber auch zu einem starken Zeichen kroatisch-katholischer Präsenz in Drvar.

Nach allen Zerstörungen, Leiden und Jahrzehnten des Wartens hat die kroatisch-katholische Gemeinschaft in Drvar nun einen Ort erhalten, der ihren Glauben, ihre Geschichte und ihren Zusammenhalt für künftige Generationen bewahren wird.


Vijesti HRT-a pratite na svojim pametnim telefonima i tabletima putem aplikacija za iOS i Android. Pratite nas i na društvenim mrežama Facebook, Twitter, Instagram, TikTok i YouTube!