Die Stimme Kroatiens

15:08 / 01.04.2026.

Autor: Antunela Rajič

Naher Osten als globales Konfliktfeld: Wer profitiert langfristig vom Krieg?

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Foto: -- / Shutterstock

Der Krieg im Nahen Osten verschärft die geopolitischen Spannungen weiter und wirft zentrale Fragen auf: Ist eine amerikanische Bodenoffensive im Iran wahrscheinlich? Welche Auswirkungen haben zunehmende Spannungen zwischen den USA und ihren Verbündeten auf die Zukunft der NATO? Und welche Folgen ergeben sich für Europa und kleinere Staaten wie Kroatien?


Die Professorin für internationale Beziehungen Đana Luša erklärte, dass ein langwieriger Konflikt den USA nicht entgegenkomme. Auch die Verlegung zusätzlicher Streitkräfte in die Region sei aus amerikanischer Sicht problematisch. Gleichzeitig befinde sich der Iran derzeit in einer relativ günstigen Position. Trotz Schäden habe sich das Regime stabil gehalten und setze weiterhin auf eine hybride Strategie, die auf Verzögerung und Druckausübung abzielt. Eine wichtige Rolle spiele dabei die Kontrolle über die Strasse von Hormus, wodurch der Iran Einfluss auf die Energiepreise ausüben könne.

Der politische Analyst Božo Kovačević betonte, dass die Rhetorik von Donald Trump zwar wechselhaft sei, die Kritik an den Verbündeten jedoch konstant bleibe. Gleichzeitig werde übersehen, dass die USA ihre Partner von Beginn des Konflikts an kaum konsultiert hätten. Zudem erinnerten mehrere Staaten daran, dass die NATO laut ihrer Charta ein Verteidigungsbündnis sei und präventive Militäraktionen nicht unterstütze.

Der Militäranalyst Marinko Ogorec hält eine Form der Bodenintervention im Iran dennoch für möglich. Die iranischen Bodentruppen, insbesondere die Revolutionsgarde, seien gut ausgebildet und kampferfahren. Eine solche Intervention wäre daher mit erheblichen Risiken verbunden. Gleichzeitig stellte er die Frage nach den strategischen Zielen einer möglichen amerikanischen Bodenoffensive.


Geopolitisch könnten vor allem China und Russland von der Situation profitieren. Laut Kovačević verfolgt China weiterhin eine zurückhaltende, diplomatische Linie und versucht langfristig, vom schwindenden Vertrauen in die USA und den Westen zu profitieren. Russland wiederum könne indirekt vom Konflikt profitieren, da sich der Fokus der internationalen Gemeinschaft vom Krieg in der Ukraine verlagere. Lockerungen bei Sanktionen im Ölhandel könnten Moskau zusätzliche Einnahmen ermöglichen.


Auch für Kroatien hat die Entwicklung sicherheitspolitische Bedeutung. Angesichts der globalen Spannungen treten der Nationale Sicherheitsrat und der Verteidigungsrat zusammen, um die Lage zu analysieren. Đana Luša betonte, dass eine koordinierte Aussenpolitik in dieser Situation besonders wichtig sei. Kroatien müsse seine Position im Hinblick auf die Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine klar definieren.


Ein weiteres Thema der Beratungen ist die Modernisierung der kroatischen Streitkräfte. Militäranalyst Ogorec betonte, dass die Armee ausgewogen weiterentwickelt werden müsse, insbesondere im Bereich der Luftverteidigung, der derzeit als besonders sensibel gelte.


Der Konflikt im Nahen Osten entwickelt sich zunehmend zu einem globalen geopolitischen Schauplatz. Während militärische Spannungen anhalten, bleibt offen, welche Akteure langfristig von der neuen internationalen Machtverschiebung profitieren werden.

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