Die Reise durch Deutschland führte das Team von Global Kroatien nach Wolfenbüttel — eine historische Stadt in Niedersachsen, in der mitteleuropäische Eleganz fast an jeder Ecke zu sehen ist. Alte Fachwerkhäuser, Kanäle, der erhaltene Stadtkern und das malerische „Kleine Venedig“ machen sie zu einer jener Städte, die nicht durch Lärm, sondern durch stille Schönheit und ein Gefühl für die Zeit, die hier tiefe, aber harmonische Spuren hinterlassen hat, beeindrucken.
Wolfenbüttel ist auch bekannt für die Herstellung eines der bekanntesten Kräuterliköre der Welt, Jägermeister, sowie für seine reiche Kulturgeschichte. Dort befindet sich die berühmte Herzog-August-Bibliothek, eine der wichtigen europäischen Wissensschätze, mit der die Namen Leibniz und Lessing verbunden sind. In einer solchen Stadt, geprägt von starker Tradition und erkennbarem Identität, schreibt heute Ivica Lukanić, ein Deutscher kroatischer Herkunft, eine besondere politische und Lebensgeschichte.
Er wurde in Leverkusen geboren, in einer Familie kroatischer Gastarbeiter aus Bistra bei Zagreb. Seine Lebensgeschichte ist die Geschichte der zweiten Generation kroatischer Auswanderer in Deutschland — einer Generation, die zwischen Sprache, Bräuchen, familiären Erinnerungen und einer Gesellschaft aufwuchs, in der sie ihren eigenen Weg fand. Gerade aus diesem Raum zwischen zwei Kulturen hat Lukanić eine Identität aufgebaut, die nicht trennt, sondern verbindet.
Seit 2021 ist er Bürgermeister von Wolfenbüttel, und zwar der erste unabhängige Bürgermeister in der Geschichte der Stadt. Diese Position erreichte er nach Jahren der Arbeit in der Stadtverwaltung, insbesondere im Bereich Stadtplanung und Raumordnung. Die Bürger lernten ihn durch konkrete Projekte, die Erneuerung der Fußgängerzone und die Entwicklung der Stadt kennen, aber auch durch eine Herangehensweise, bei der, wie er selbst sagt, nicht mit großen Worten, sondern mit Ergebnissen gesprochen wurde.
Sein politischer Weg war nicht ohne Herausforderungen. Während des Wahlkampfes versuchten einige Gegner, seine kroatische Herkunft als Schwäche darzustellen. Doch gerade das Vertrauen der Bürger zeigte, dass Arbeit, Verantwortung und sichtbare Ergebnisse stärker sein können als Vorurteile. Als unabhängiger Kandidat gewann Lukanić und eröffnete ein neues Kapitel in der politischen Geschichte von Wolfenbüttel.
Obwohl er sein Leben in Deutschland aufgebaut hat, ist Kroatien in seiner Biografie nahe geblieben. Es ist nicht nur das Herkunftsland seiner Eltern, sondern ein Raum familiärer Erinnerungen, Sprache, Sommerferien, Verwandte und Zugehörigkeitsgefühl. Bistra, der Ort, von dem seine Eltern einst nach Deutschland aufbrachen, blieb ein wichtiger Punkt auf seiner familiären Landkarte. Heute sind sie dorthin zurückgekehrt und genießen den wohlverdienten Ruhestand.
Lukanić spricht mit Stolz über seine kroatischen Wurzeln, aber auch mit dem Bewusstsein, dass die Identität heutiger europäischer Generationen oft nicht einfach oder eindeutig ist. Er fühlt sich als Europäer – ein Mensch, der in verschiedenen Kulturen keine Grenze, sondern Berührungspunkte sieht. In seiner Geschichte sind Kroatien und Deutschland keine Gegensätze, sondern zwei Räume, die dasselbe Leben geprägt haben.
Im September erwarten ihn neue Kommunalwahlen und der Kampf um eine zweite Amtszeit. Und in Wolfenbüttel, einer Stadt mit altem Stadtkern, Kanälen, Bibliotheken und Tradition, schreibt Ivica Lukanić weiterhin die Geschichte von Arbeit, Zugehörigkeit und Identität – eine Geschichte, die im Alltag deutsch, in den Wurzeln kroatisch und in der Weite europäisch ist.
Über das Leben in Deutschland, die kroatische Herkunft, die Sehnsucht nach der Heimat und die Identität zwischen zwei Kulturen sprach Dijana Čović mit Bürgermeister Ivica Lukanić.