Die Europäische Union und der südamerikanische Staatenbund Mercosur haben am Samstag in Paraguay ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. Nach 25 Jahren Verhandlungen ebnet der Vertrag den Weg für das bislang größte Handelsabkommen in der Geschichte der EU.
Das transatlantische Abkommen sieht den Abbau von Zöllen auf eine Vielzahl von Produkten vor. Dazu zählen europäische Autos, Maschinen, Wein und Käse ebenso wie südamerikanisches Rindfleisch, Geflügel, Zucker, Reis, Honig und Sojabohnen.
Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva betonte die wirtschaftlichen Chancen des Abkommens: „Im Handel bedeutet mehr Investitionen neue Arbeitsplätze und neue Chancen für alle. Bislang waren wir wichtige Lieferanten für den europäischen Markt, aber wir wollen dieses Geschäft auf ein noch höheres Niveau heben. Wir wollen Produzenten und Lieferanten von Waren höchster Qualität sein, die hergestellt werden können“, sagte Lula da Silva.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einem bedeutenden Signal. „Das EU-Mercosur-Abkommen sendet eine starke Botschaft. Es sagt: „Willkommen auf dem weltweit größten Markt und in der größten Freihandelszone.“
Gleichzeitig stößt das Abkommen in Europa auf Widerstand, insbesondere bei Landwirten. Kritiker befürchten, dass günstigere Importe aus Südamerika die heimische Landwirtschaft unter Druck setzen und nicht immer den hohen EU-Standards entsprechen könnten. Befürworter hingegen sehen in dem Pakt eine Chance, die angeschlagene europäische Wirtschaft zu stärken und die politischen Beziehungen zu Lateinamerika zu vertiefen.
Die Sorgen vieler Landwirte sind deutlich. „Der Einkaufspreis für Reis ist nicht mehr wettbewerbsfähig. Vergangenes Jahr lag er bei 50 Cent pro Kilogramm, heute sind es 25 Cent. Und jetzt, da das Mercosur-Abkommen unterzeichnet wurde und die zollfreien Importe morgen beginnen, werden wir alle bankrottgehen. Wir sind dem Untergang geweiht“, sagte der griechische Reisbauer Menelaos Koukourdis.
Ähnliche Kritik kommt aus Frankreich. Landwirt Adrien Minet bemängelte mangelnde Kommunikation seitens der Politik. „Die Minister treffen Entscheidungen, ohne in einer Weise mit uns zu kommunizieren. Diese Entscheidungen ergeben keinen Sinn, und die zusätzlichen Maßnahmen sind sehr hart und betreffen uns direkt“, fügte der französische Landwirt Adrien Minet hinzu.
Quelle: HRT