Kroatien begeht heute den Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit sowie den Tag der kroatischen Veteranen. Gleichzeitig erinnert das Land an den 31. Jahrestag der militärisch-polizeilichen Operation «Oluja». Im Zentrum der Feierlichkeiten steht traditionell Knin, wo die kroatische Staatsspitze, Veteranen, Angehörige der Gefallenen und zahlreiche Besucher zusammenkommen.
Seit den frühen Morgenstunden füllen sich die Strassen von Knin. Menschen aus verschiedenen Teilen Kroatiens reisen in die Stadt, die für den Gedenktag mit zahlreichen kroatischen Flaggen geschmückt ist.
Die Feierlichkeiten haben mit einem traditionellen musikalischen Weckruf begonnen. Anschliessend wurde in der Kirche «Gospe Velikog Hrvatskog Krsnog Zavjeta» eine Messe gefeiert.
Der Militärordinarius Jure Bogdan erinnerte dabei an die Opfer des Krieges. Die kroatische Flagge auf der Festung sei nicht nur ein nationales Symbol. Hinter ihr stünden die Menschen, die den höchsten Preis bezahlt hätten: Gefallene und Vermisste, Verwundete, Vertriebene sowie Familien, die während des Krieges in Unsicherheit lebten.
Die Erinnerung an diese Menschen dürfe nicht zu einer Last der Vergangenheit werden, sondern solle eine Quelle der Verantwortung und Hoffnung sein, erklärte Bogdan.
Am Denkmal «Hrvatska pobjeda – Oluja ’95» auf dem Dr.-Ante-Starčević-Platz wurde der gefallenen, vermissten und verstorbenen kroatischen Veteranen gedacht. Die Angehörige, Kriegsversehrte, ehemalige Kommandanten, Vertreter von Veteranenorganisationen und die politische Führung des Landes legten Kränze nieder.
Einer der wichtigsten Momente der Feierlichkeiten fand auf der Festung von Knin statt. Zwölf Vertreter der kroatischen Veteranen und der Opfer des Unabhängigkeitskriegs hissten dort die kroatische Flagge.
Während der Zeremonie wurden die Namen der gefallenen und vermissten kroatischen Soldaten und Polizisten verlesen. Kadetten der kroatischen Streitkräfte und Angehörige der Polizeiakademie erwiesen ihnen die Ehre.
Für viele Teilnehmer ist der 5. August nicht nur ein staatlicher Feiertag, sondern auch mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Die kroatische Staatsspitze richtet sich heute mit Botschaften an die Veteranen und die Bevölkerung.
Ministerpräsident Andrej Plenković stellte die Bedeutung der Veteranen für den heutigen kroatischen Staat in den Mittelpunkt seiner Rede. Gleichzeitig kündigte er weitere Verbesserungen für ehemalige Kriegsteilnehmer an.
Geplant sind höhere Veteranenrenten sowie eine zusätzliche Leistung, deren Höhe von der Dauer der Beteiligung an der Verteidigung des Landes abhängen soll.
Plenković sprach zudem über die Sicherheit Kroatiens und betonte, das Land werde «nie wieder unvorbereitet oder ungeschützt» sein.
Präsident Zoran Milanović betonte in Knin, Kroatien habe den Krieg nicht allein mit militärischer Stärke, sondern auch mit klugem und strategischem Handeln gewonnen.
Ohne die kroatische Armee, die Gardebrigaden und den Kroatischen Verteidigungsrat HVO hätte es seiner Ansicht nach auch das Friedensabkommen von Dayton nicht gegeben.
Mit Blick auf die heutige Sicherheitslage erklärte Milanović, Kroatien müsse nicht auf jede Botschaft aus Serbien reagieren. Gleichzeitig müsse das Land die militärische Entwicklung in der Nachbarschaft beobachten und die eigenen Verteidigungsfähigkeiten weiterentwickeln.
Bei höheren Verteidigungsausgaben müsse jedoch klar sein, welchen konkreten Nutzen Kroatien für das investierte Geld erhalte.
Parlamentspräsident Gordan Jandroković bezeichnete «Oluja» als eine gerechte und legitime Befreiungsoperation.
Die Operation habe einen grossen Teil des damals besetzten kroatischen Staatsgebiets wieder unter die Kontrolle Zagrebs gebracht und den Weg zum Ende des Unabhängigkeitskriegs geöffnet.
Jandroković wandte sich zugleich gegen Versuche, die damaligen Ereignisse aus seiner Sicht neu zu interpretieren. Die Erinnerung an den Sieg stehe auch für Werte wie Freiheit, Frieden, Patriotismus und politischen Pluralismus.
Veteranenminister Tomo Medved stellte die Gefallenen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt seiner Botschaft.
Er rief dazu auf, an jene zu erinnern, die ihr Leben für Kroatien gegeben haben. Gleichzeitig solle das Land den Zusammenhalt bewahren, der während des Krieges bestanden habe.
«Oluja» habe dem kroatischen Volk Frieden und Freiheit gebracht, erklärte Medved. Die Veteranen und die Erinnerung an die Operation sollten auch heute eine Inspiration für die weitere Entwicklung Kroatiens sein.
Verteidigungsminister Ivan Anušić betonte ebenfalls die Bedeutung der Veteranen. Kroatien dürfe seine Siege und den Mut der Menschen, die das Land verteidigt hätten, nicht vergessen.
Generalstabschef Tihomir Kundid erklärte, «Oluja» stehe für die Fähigkeiten, die Entschlossenheit und die Koordination der kroatischen Streitkräfte. Dieses Erbe müsse durch moderne und einsatzbereite Streitkräfte bewahrt werden.
Auch die kroatische Armee und Polizei sind Teil des heutigen Programms.
Über Knin ist die Kunstflugstaffel «Krila Oluje» zu sehen. Auch Rafale-Kampfflugzeuge fliegen über die Stadt. Anschliessend präsentieren Armee und Polizei ihre Fähigkeiten.
Neben dem offiziellen Gedenkprogramm finden weitere Veranstaltungen statt. Auf dem zentralen Platz werden Marathonläufer, Radfahrer und Motorradfahrer empfangen. Für die Besucher wird traditionell Militärbohneneintopf ausgegeben.
Am Abend endet das Programm mit einem Konzert auf dem zentralen Platz von Knin.
Im Mittelpunkt des heutigen Tages stehen die Veteranen, die Gefallenen und ihre Familien.31 Jahre nach «Oluja» verbindet der 5. August in Kroatien Feier und Gedenken. Die Flagge auf der Festung, die Kranzniederlegungen und das Verlesen der Namen erinnern an jene, die während des Krieges ihr Leben verloren haben oder bis heute als vermisst gelten.
Gleichzeitig richtet die politische Führung den Blick auf die Gegenwart und die Zukunft des Landes. Dabei stehen vor allem die Rechte der Veteranen, die Sicherheit Kroatiens und der gesellschaftliche Zusammenhalt im Zentrum.