Die Stimme Kroatiens

19:11 / 16.07.2026.

Autor: Antunela Rajič

Gericht bestätigt Anklage gegen Ivica Todorić im Agrokor-Verfahren

Ivica Todorić
Ivica Todorić
Foto: Robert Anic / PIXSELL

Das Bezirksgericht Zagreb hat die Anklage gegen den ehemaligen Agrokor-Eigentümer Ivica Todorić und den früheren Wirtschaftsprüfer Oliver Discordia im milliardenschweren Agrokor-Komplex bestätigt. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden vor, den Handelskonzern durch Bilanzmanipulationen und weitere Unregelmässigkeiten um nahezu 180 Millionen Euro geschädigt zu haben.

Mit der Bestätigung der Anklage ist der Weg für den Hauptprozess frei. Gegen den Entscheid des Anklagerats ist kein separates Rechtsmittel zulässig. Als Nächstes wird ein Richter bestimmt, der die Hauptverhandlung leiten und den Termin für den Prozess festlegen soll.



Nach Angaben des Gerichts könnte das Verfahren gegen den ehemaligen Revisor Oliver Discordia wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands vom Hauptverfahren getrennt und vorläufig ausgesetzt werden. In diesem Fall müsste sich zunächst nur Ivica Todorić vor Gericht verantworten.



Die aktuelle Anklageschrift wurde im Juli 2025 erhoben und ist bereits die dritte Fassung des Verfahrens. Ursprünglich richtete sie sich gegen 15 Beschuldigte, nach neuen Gutachten und einer Überprüfung der Beweislage umfasst sie jedoch nur noch sechs Angeklagte.



Die Staatsanwaltschaft beziffert den Gesamtschaden für den Agrokor-Konzern auf knapp 180 Millionen Euro. In einer früheren Version der Anklage war noch von einem Schaden von mehr als 1,2 Milliarden Kuna die Rede.



Gemäss Anklage sollen Todorić und sein damaliger enger Vertrauter Tomislav Lučić zwischen 2006 und Mitte 2016 die finanzielle Lage des Konzerns bewusst besser dargestellt haben, als sie tatsächlich war. Dadurch sollen unrechtmässige Dividendenausschüttungen ermöglicht und finanzielle Vorteile für Todorić sowie mit ihm verbundene Unternehmen erzielt worden sein.



Die Ermittler werfen Todorić zudem vor, zwischen 2013 und 2017 mehr als 100 Millionen Euro aus Agrokor-Mitteln verwendet zu haben, um Anteile des Konzerns von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) zurückzukaufen. Die Transaktionen sollen ohne die erforderlichen Beschlüsse der zuständigen Unternehmensorgane erfolgt sein. Zudem soll Todorić Bargeld von Konten einer Agrokor-Gesellschaft in der Schweiz für private Ausgaben seiner Familie verwendet haben. 

 


Bereits im vergangenen Herbst hatten drei Mitangeklagte ihre Schuld eingeräumt und sich mit der Staatsanwaltschaft auf mildere Strafen geeinigt. Der ehemalige Agrokor-Vorstand Tomislav Lučić erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten mit einer Probezeit von vier Jahren sowie eine Geldstrafe von 50'000 Euro.


Auch die früheren Manager Alojzije Pandžić und Marijan Alagušić wurden nach ihren Geständnissen zu bedingten Freiheitsstrafen von jeweils neun Monaten bei einer Probezeit von vier Jahren verurteilt.



Am Donnerstag bekannte sich zudem die ehemalige Agrokor-Revisorin Sanja Hrstić schuldig. Sie erhielt ebenfalls eine bedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten mit einer Probezeit von vier Jahren und muss zusätzlich 10'000 Euro Verfahrenskosten bezahlen. 

 


Die Agrokor-Affäre zählt zu den bedeutendsten Wirtschafts- und Korruptionsverfahren in der jüngeren Geschichte Kroatiens. Nach jahrelangen Ermittlungen, mehreren überarbeiteten Anklagen und neuen Gutachten ist nun der Weg für den Hauptprozess gegen den früheren Konzernchef Ivica Todorić frei. Mit dem Prozess soll geklärt werden, ob die Vorwürfe der systematischen Bilanzfälschung und des Vermögensentzugs zulasten des einst grössten Privatunternehmens des Landes strafrechtlich nachgewiesen werden können.

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