Der chilenische Architekt kroatischer Herkunft, Smiljan Radić Clarke (60), ist mit dem diesjährigen Pritzker-Preis ausgezeichnet worden. Die seit 1979 vergebene internationale Auszeichnung würdigt lebende Architektinnen und Architekten für ihren bedeutenden Beitrag zur Menschheit und zur gebauten Umwelt.
Radić Clarke wurde in Santiago de Chile als Sohn einer Einwandererfamilie geboren. Die Grosseltern väterlicherseits stammen von der kroatischen Insel Brač, die Familie seiner Mutter aus dem Vereinigten Königreich.
Bekannt wurde der Architekt vor allem durch seine Arbeiten in Chile, wo er Wohnbauten, kulturelle Einrichtungen sowie temporäre Installationen realisierte. Seine Architektur zeichnet sich durch ungewöhnliche, teilweise bewusst fragil wirkende Strukturen aus, die dennoch Schutz und Geborgenheit vermitteln.
Internationale Aufmerksamkeit erhielt Radić unter anderem 2014 mit dem Entwurf des Serpentine Gallery Pavilion in London. Die Konstruktion bestand aus einer transparenten Glasfaserschale, die von einem grossen Stein aus einem Steinbruch getragen wurde.
2017 gründete Radić in Santiago die Fundación de Arquitectura Frágil, die sich mit experimenteller Architektur befasst. Zu seinen weiteren Projekten zählt unter anderem das Theatergebäude in Concepción, das 2018 fertiggestellt wurde.
Der Pritzker-Preis wurde von der Pritzker-Familie aus Chicago über die Hyatt-Stiftung ins Leben gerufen und gilt als bedeutendste Auszeichnung in der Architektur – häufig auch als «Nobelpreis der Architektur» bezeichnet. Die Auszeichnung ist mit 100'000 US-Dollar sowie einer Bronzemedaille dotiert.
«Es ist eine grosse Ehre», sagte Radić nach der Bekanntgabe. Gleichzeitig scherzte er, die Auszeichnung könne auch «ein wenig Kopfzerbrechen» bereiten, da sie vermutlich deutlich mehr mediale Aufmerksamkeit mit sich bringe, als ihm lieb sei.
In Chile leben heute rund 200'000 Kroatinnen und Kroaten sowie deren Nachkommen. Die ersten Einwanderungswellen begannen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vor allem aus Dalmatien und von den Inseln Brač und Hvar, ausgelöst durch wirtschaftliche Krisen und Krankheiten im Weinbau.