Die landwirtschaftliche Produktion in Kroatien ist seit dem EU-Beitritt deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig steigen Lebensmittelimporte kontinuierlich an. Davor warnt der kroatische Arbeitgeberverband Hrvatska udruga poslodavaca (HUP) in seinem aktuellen wirtschaftlichen Wochenfokus und fordert umfassende Reformen in der Agrar- und Ernährungspolitik.
Laut HUP ist der Wert der landwirtschaftlichen Produktion im Jahr 2025 rund 14 Prozent niedriger als vor dem EU-Beitritt 2013 und sogar 25 Prozent geringer als 2012. Auch die Produktivität der Branche sei stark gesunken: Die Arbeitsproduktivität liege heute rund 19 Prozent unter dem Niveau von 2013.
Besonders problematisch sei, dass die bisherige Agrarpolitik vor allem auf Verwaltung, Fördermittel und EU-Ausschreibungen ausgerichtet gewesen sei. Zwar habe Kroatien seit dem EU-Beitritt rund zehn Milliarden Euro an Fördermitteln genutzt, jedoch fehle eine klare Strategie darüber, welche Lebensmittel das Land selbst produzieren wolle und wie die heimische Lebensmittelindustrie gestärkt werden könne.
Zusätzlichen Druck verursachen laut HUP steigende Arbeitskosten. Während die Produktionswerte 2025 nur um 2,7 Prozent gewachsen seien, seien die Arbeitskosten um mehr als zwölf Prozent gestiegen. Trotz wachsender Investitionen bleibe die Rentabilität vieler landwirtschaftlicher Betriebe niedrig.
Kritisch sieht der Arbeitgeberverband auch das derzeitige Fördersystem. Ein großer Teil der Subventionen komme nicht den tatsächlichen Produzenten zugute, sondern habe zunehmend den Charakter sozialer Transferleistungen.
Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit Kroatiens von Lebensmittelimporten weiter. Das Defizit im Außenhandel mit Agrar- und Lebensmittelprodukten habe sich seit 2013 beinahe verdreifacht und liege inzwischen bei rund drei Milliarden Euro jährlich. Besonders stark sei der Importüberschuss bei Obst und Gemüse gestiegen: Während Kroatien 2025 Obst und Gemüse im Wert von rund 230 Millionen Euro exportierte, belief sich der Import auf fast 738 Millionen Euro.
HUP warnt zudem vor fehlender Planungssicherheit und einer unklaren Regulierung. Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie würden weiterhin getrennt betrachtet, obwohl beide Bereiche eng miteinander verbunden seien.
Der Verband fordert daher eine umfassende nationale Strategie für Lebensmittelproduktion, Bodenmanagement und die Entwicklung der heimischen Lebensmittelindustrie. Staatliche Agrarflächen müssten gezielt an echte Produzenten vergeben werden – mit klaren Kriterien und langfristiger Nutzungssicherheit. Nur so seien Investitionen in Bewässerung, Modernisierung und Verarbeitung möglich.
Außerdem fordert HUP eine stärkere Ausrichtung der Förderungen auf marktorientierte Produktion, weniger Bürokratie sowie steuerliche Entlastungen für Grundnahrungsmittel. Ohne klare politische Entscheidungen und Reformen werde Kroatien den Rückgang der heimischen Lebensmittelproduktion nicht stoppen können, so die Warnung des Arbeitgeberverbands.