Die Kroatische Landwirtschaftskammer (HPK) warnt vor einer zunehmend kritischen Lage im Ackerbau. Nach Einschätzung der Interessenvertretung arbeiten viele Getreideproduzenten derzeit mit Verlusten. Grund dafür sind vor allem die tiefen Ankaufspreise für Getreide, die deutlich unter dem europäischen Niveau liegen.
Anlässlich eines Treffens in Osijek diskutierten Vertreter der Landwirtschaftskammer gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium, Getreidehändlern sowie Vertretern der Wirtschaft über die aktuelle Situation. Einigkeit bestand darüber, dass die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft dringend gestärkt werden muss.
Nach Angaben der HPK liegen die derzeitigen Ankaufspreise in Kroatien rund 30 Prozent unter den Preisen der Pariser Getreidebörse. Damit gehört Kroatien innerhalb der Europäischen Union zu den Ländern mit den niedrigsten Getreidepreisen.
Analysen der Fakultät für Agrarwissenschaften in Osijek zeigen, dass Landwirte unter den aktuellen Bedingungen einen direkten Verlust von 30 bis 40 Euro pro Hektar erleiden. Das Kroatische Agronomische Institut geht sogar von einem Minus von 75 Euro pro Hektar aus.
Die Getreidehändler verweisen hingegen darauf, dass jedes Unternehmen seine Ankaufspreise eigenständig und entsprechend der Marktentwicklung festlegt.
Nach Ansicht aller Beteiligten kann die Zukunft des kroatischen Ackerbaus nur durch eine stärkere Zusammenarbeit der Produzenten sowie durch Investitionen in Verarbeitungs- und Lagerkapazitäten gesichert werden. Zudem fordert die Landwirtschaftskammer neue Exportmärkte für kroatisches Getreide und eine aktivere wirtschaftspolitische Unterstützung.
HPK-Präsident Željko Mihelić kündigte an, innerhalb der nächsten 30 Tage ein umfassendes Massnahmenpaket zur Stärkung des kroatischen Ackerbaus vorzulegen. Dieses soll dem Landwirtschaftsministerium und der Öffentlichkeit präsentiert werden und langfristige Lösungen für die angeschlagene Branche aufzeigen.
Mit Blick auf die bevorstehende Ernte wächst der Handlungsdruck. Die Landwirtschaftskammer fordert rasche politische Entscheidungen, um die heimische Getreideproduktion nachhaltig zu sichern und die Existenz zahlreicher Betriebe zu schützen.