Mehr als eine Million Menschen kroatischer Abstammung leben in den USA. Doch Kroatien nutzt sein wirtschaftliches Potenzial bislang nicht ausreichend. Gleichzeitig wächst das Interesse junger Amerikaner mit kroatischen Wurzeln, im Heimatland ihrer Vorfahren zu studieren, Geschäfte zu machen oder sogar dauerhaft zu leben. Nikola Meteš, Präsident der Association of Croatian-American Professionals (ACAP), erklärt, wie Kroatien das Wissen, das Kapital und die Erfahrung seiner Diaspora für die eigene Entwicklung nutzen kann.
Aus einer kleinen Initiative in Kalifornien ist innerhalb von zehn Jahren ein internationales Netzwerk entstanden, das Tausende kroatisch-amerikanische Fach- und Führungskräfte miteinander verbindet. Heute ist ACAP eine wichtige Plattform für die Vernetzung der kroatischen Diaspora mit der Heimat.
ACAP-Präsident Nikola Meteš sprach in der Sendung „Globalna Hrvatska“ (Globales Kroatien) über die bisherigen Erfolge der Organisation, das noch ungenutzte Potenzial der kroatischen Auswanderer und die Zukunftspläne des Netzwerks. Das Interview führte Vladimir Brnardić, Redaktionsleiter der Abteilung für Kroaten außerhalb der Republik Kroatien, in Seattle.
Eine Million Kroaten in Amerika – ein Potenzial, das Kroatien noch besser nutzen muss
Meteš ist überzeugt, dass Kroatien das Wissen, die Geschäftskontakte und das Kapital seiner Auswanderer bislang nicht ausreichend nutzt.
„Mehr als eine Million Menschen kroatischer Abstammung leben in Amerika. Viele von ihnen waren geschäftlich außerordentlich erfolgreich. Gleichzeitig bewahren sie ihre Verbundenheit mit ihrer kroatischen Identität und möchten etwas für die Heimat tun“, betonte Meteš.
Deshalb bemüht sich ACAP, erfolgreiche kroatische Fach- und Führungskräfte mit Menschen, Institutionen und Unternehmen zusammenzubringen, die von ihrem Wissen und ihrer Erfahrung profitieren können.
Zu den wichtigen Initiativen zählte Meteš das Engagement für ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Kroatien und den USA sowie die Zusammenarbeit in den Bereichen Gesundheitstourismus, Wissenschaft, Recht und weiteren Fachgebieten.
„Menschen, die sich zuvor nicht kannten, arbeiten heute gemeinsam an verschiedenen Initiativen. ACAP hat sie miteinander vernetzt“, hob er hervor.
Junge Generationen entdecken Kroatien neu
Besonders ermutigend sei das wachsende Interesse der zweiten, dritten und sogar vierten und fünften Generation kroatischer Auswanderer am Land ihrer Vorfahren.
Nach Einschätzung von Meteš erkennen junge Menschen Kroatien zunehmend als attraktiven Ort zum Studieren, für die Gründung eines Unternehmens und zum Leben.
„Heute bietet Kroatien mehr Studiengänge auf Englisch, ein besseres unternehmerisches Umfeld und zahlreiche Möglichkeiten, die jüngere Generationen anziehen“, erklärte er.
Mit verschiedenen Programmen, darunter der Initiative Domovina Task Force, möchte ACAP jungen Menschen das kroatische Erbe näherbringen und ihnen neue Wege eröffnen, ihre Verbindung zur Heimat zu stärken.
Dabei verweist Meteš auf die irische und italienische Diaspora, denen es gelungen sei, über zahlreiche Generationen hinweg enge Beziehungen zu ihren Herkunftsländern aufrechtzuerhalten.
Wissen aus Amerika für ein stärkeres Kroatien
Eines der wichtigsten Ziele von ACAP ist es, die Erfahrungen erfolgreicher kroatischer Fach- und Führungskräfte aus aller Welt für die kroatische Wirtschaft nutzbar zu machen.
Meteš betont, dass diese Zusammenarbeit auf Gegenseitigkeit beruhen müsse: Die Diaspora bewahre ihre Identität und ihr kulturelles Erbe und vertiefe ihre Kenntnisse über Kroatien. Gleichzeitig könne sie der Heimat wertvolle internationale Erfahrung, Fachwissen und Geschäftskontakte zur Verfügung stellen.
Auch die zunehmend engere Zusammenarbeit mit kroatischen staatlichen Institutionen sowie das wachsende Interesse an Programmen für die Diaspora bewertet Meteš positiv.
ACAP will 10.000 Mitglieder gewinnen und Kroaten weltweit vernetzen
Nach dem ersten Jahrzehnt seines Bestehens setzt sich ACAP noch ambitioniertere Ziele. Die Organisation möchte ihre Mitgliederzahl weiter ausbauen. Ein erklärtes Ziel ist es, in den USA 10.000 Mitglieder zu erreichen.
Ferner sollen das internationale Netzwerk gestärkt, die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen ausgebaut und die Kooperation mit dem privaten und öffentlichen Sektor intensiviert werden.
„In den ersten zehn Jahren ging es darum, die Idee am Leben zu halten. Jetzt wollen wir kräftig wachsen und die Kroaten weltweit noch besser miteinander vernetzen“, sagte Meteš.
Seine Botschaft ist eindeutig: Unabhängig davon, wo sie leben und wie viele Generationen sie von der Heimat entfernt sind, sollten Kroaten miteinander verbunden bleiben. ACAP sieht gerade in dieser Vernetzung eine Chance für ein stärkeres Kroatien und bessere Perspektiven für kommende Generationen.