Kroatien investiert derzeit 1,7 Milliarden Euro in die Modernisierung seiner Eisenbahninfrastruktur. Bis 2035 sind weitere Investitionen von rund sechs Milliarden Euro geplant. Ziel ist es, den Personen- und Güterverkehr schneller, sicherer und zuverlässiger zu machen und die kroatischen Häfen besser an das europäische Schienennetz anzubinden.
Wie der Staatssekretär im kroatischen Verkehrsministerium, Žarko Tušek, in der HRT-Sendung „U mreži Prvog“ erklärte, wurden bereits Bahnprojekte im Wert von mehr als einer Milliarde Euro abgeschlossen. Allein für die Instandhaltung des Schienennetzes wurden in den vergangenen sieben bis acht Jahren rund 700 Millionen Euro ausgegeben.
Zu den größten laufenden Projekten gehört die Modernisierung der Strecke zwischen Dugo Selo und Novska im Wert von rund 900 Millionen Euro. Weitere 350 Millionen Euro fließen in den Ausbau der Verbindung zwischen Hrvatski Leskovac und Karlovac. Auch in Istrien, Podravina sowie auf der Strecke zwischen Zadar und Knin wird investiert. Die Modernisierung der Verbindung Vukovar–Vinkovci ist bereits abgeschlossen.
Schnellere Zugverbindungen und kürzere Reisezeiten
Durch den Ausbau der Strecke Dugo Selo–Novska soll künftig eine durchgehend zweigleisige und elektrifizierte Bahnverbindung zwischen der slowenischen und der serbischen Grenze entstehen. Züge sollen dort Geschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde erreichen können.
Nach Einschätzung des Verkehrsexperten Mladen Nikšić könnten sich dadurch die Reisezeiten deutlich verkürzen. So könnten Fahrten nach Slavonski Brod oder Vinkovci künftig nur noch etwa zwei bis zweieinhalb Stunden dauern. Auch Verbindungen nach Rijeka und in andere Küstenstädte sollen schneller werden.
Fünf Milliarden Euro für die Bahnstrecke nach Rijeka
Ein besonders wichtiges Zukunftsprojekt ist der Bau einer neuen Bahnstrecke zwischen Zagreb und Rijeka, deren Kosten auf rund fünf Milliarden Euro geschätzt werden.
Die Verbindung soll vor allem den Güterverkehr stärken und den Hafen Rijeka besser mit Mittel-, Ost- und Nordeuropa verbinden. Derzeit kann das bestehende Schienennetz die wachsenden Gütermengen des Hafens nicht vollständig aufnehmen.
Langfristig sind auch ein neuer Hafenterminal auf der Insel Krk sowie ein großes Güterverkehrszentrum in Zagreb vorgesehen.
Erste Verbesserungen in zwei bis drei Jahren
Das kroatische Schienennetz umfasst rund 2.600 Kilometer. Seine vollständige Modernisierung wird voraussichtlich auch über das Jahr 2035 hinaus andauern.
Laut Marijan Ćužić, Vorstandsmitglied des staatlichen Infrastrukturbetreibers HŽ Infrastruktura, könnten Fahrgäste bereits in zwei bis drei Jahren erste Verbesserungen feststellen. Diese werden unter anderem auf der Strecke von Zagreb zur ungarischen Grenze sowie in Istrien, Podravina und im Raum Zadar und Knin erwartet.
Die vollständigen Auswirkungen der Investitionen dürften nach Einschätzung von Verkehrsexperten allerdings erst in etwa zehn Jahren spürbar sein. Neben dem Ausbau der Infrastruktur müssten auch die Pünktlichkeit, die Zuverlässigkeit und die Sicherheit des Bahnverkehrs verbessert werden.